Fossilien / Fossils / Fósiles > Österreich / Austria
Niederösterreich: Oligozänes Kieselholz der St. Marein-Freischling-Formation
oliverOliver:
„Große Hölzer“ aus der SMFF
Wie eingangs erwähnt (erster Beitrag dieses Themas), handelt es sich bei den Kieselhölzern aus der SMFF ja meist um „handliche“ Stücke, größere Funde sind aufgrund der Sandgrubenstilllegungen und der industrialisierten Landwirtschaft mit intensivem Einsatz immer schwererer Maschinen heute eine Rarität. Trotzdem kann man manchmal (wobei „manchmal“ schon eine schamlose Übertreibung ist) noch solche Stücke der Gewichts- bzw. Massenkatergorie „um/über 10 kg“ (bzw. bis ca. 15 kg) finden (sh. z.B. das Stück mit Astloch in AW #5).
„Richtig große“ Hölzer mit Längen um/über 0,5 m und von entsprechender Massivität – „schmale Späne“ und dünne/flache „Bretter“ von dieser Länge gibt es ein klein wenig häufiger – sind jedoch wirklich ausgesprochen selten. Für diese schweren Brocken habe ich mit meiner Freundin während unserer Touren den Kurzbegriff „Großholz“ geprägt. Wenn wir unterwegs sind, und sie schreit „Großholz !“, dann weiß ich, dass ich wieder mal ein Transportproblem habe – was aber ohnehin nur äußerst selten vorkommt. 2012 hab ich beinahe meine gesamte Freizeit – und das war dank Teilzeitanstellungen und flexibler Arbeitszeit doch relativ viel – in der SMFF verbracht, habe aber (zum Glück ?) „nur“ drei Stücke in dieser Größenordnung gefunden (was ohnehin schon sehr viel ist, wie ich mittlerweile weiß).
In meiner Naivität dachte ich mir natürlich, dass das so weiter geht – aber heuer (2013) hab ich kein einziges Exemplar dieser Dimension gefunden, obwohl ich kaum weniger intensiv holzsuchend in der SMFF unterwegs war – es könnte sich also um reines Anfängerglück gehandelt haben …. ;)
Allerdings war 2013 für mich in der SMFF allgemein ein deutlich schlechteres Jahr als 2012.
Von allen 3 Stücken habe ich schon einmal Fotos ins Forum gestellt:
erstes: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg231028.html?PHPSESSID=lvorruhjvh5f4vtjbvq1to61b3#msg231028
zweites: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg235709.html#msg235709
und http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,31505.msg244491.html#msg244491
drittes: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg237463.html#msg237463 .
Daher stelle ich hier jetzt nur ein Geländefoto vom ersten, die Außenseite samt Detail vom zweiten und eine alternative Ansicht vom dritten ein.
Angeblich haben aber die Bauern im Horner Becken früher beim Pflügen manchmal noch weitaus größere und massivere Kieselhölzer gefunden – ich habe aber bisher noch keines dieser „legendären“ Stücke selbst gesehen (mit Ausnahme des Altfundes im Krahuletzmuseum, siehe den ersten Beitrag). Und auch bei Erdbaumaßnahmen sollen gerüchteweise erst in jüngster Zeit wieder ganz gewaltige Stücke zum Vorschein gekommen sein, die aber angeblich von den Arbeitern – trotz Aufklärung über zu erwartende Funde seitens lokaler Sammler – nicht geborgen, sondern wieder zugeschüttet und überbaut wurden. Da blutet das Herz eines jeden Kieselholzfans !
Foto 1: mein erstes großes SMFF-Holz während der Bergung.
Foto 2: mein zweites, Außenansicht.
Foto 3: dto., Detail.
Foto 4: mein drittes „großes“ (andere Ansicht als in obigem link).
oliverOliver:
Holz aus der SMFF im www
Wie eingangs erwähnt, liegen Kieselhölzer aus der SMFF in vielen Sammlungen. Dementsprechend ist von den „klassischen“ Fundstellen auch einiges an Fundfotos im wwww zu finden. Hier nur einige Beispiele.
Ein Album auf den f-Seiten von P.C. Huber:
http://www.facebook.com/media/set/?set=a.324498207615686.79871.214606828604825&type=3
Aus der Sammlung von Th. Eder (auf unterschiedlichen Unter-Seiten):
http://www.eder-thomas.at/mineralien&fossilien.html
Und natürlich auch auf der website von Wolfgang Putz !
http://www.yamadori-bonsai.info/Putz_VerstHolz_Europa_Austria.html
Sowie einzelne Stücke auch auf folgenden Seiten:
http://members.aon.at/eseitz/page_9_1.html
http://mineralienzimmer.heimat.eu/VersteinertesHolz-01.htm
oliverOliver:
Ich hab oben (AW #25) von den großen schmalen Spänen geschrieben hier mal so ein Stück (Foto 1). Ziemlich selten, weil meistens, wenn sie längs zerteilt sind, brechen sie auch quer.
Sieht fast aus, als hätte jemand Brennholz gespalten, ohne es vorher auf Scheitlänge zu sägen
. ;)
Und auch zu den Brettern ein Beispiel (Foto 2). Ist am Bild kaum/nicht zu erkennen, aber das Stück ist trotz seiner Größe ganz dünn.
(sorry für die Fotoqualität hab die Stücke auswärts zwischengelagert und kann daher dzt. keine neuen Fotos machen).
p.s.:
beides Funde von 2012 - heuer leider keine Stücke mehr in dieser Größenordnung gefunden ... :(
oliverOliver:
Das Fehlen nichtpflanzlicher Fossilien in der SMFF
Außer den Pflanzenresten (Kieselhölzer und Holzabdrücke in Limonit, Blattabdrücke, Pollenfloren) sind in der SMFF anscheinend keine weiteren Fossilien überliefert, obwohl – in einem „braided-river“-Flusssystem mit einem riesigen Einzugsgebiet und wohl unterschiedlichen Wald- und Auwaldhabitaten – eigentlich mit einer reichen Säugetierfauna (bzw. allgemeiner Wirbeltierfauna) ebenso wie – in Stillwasserbereichen – mit einer arten- und individuenreichen Molluskenfauna zu rechnen wäre.
Die SMFF wurde daher im Lauf der Forschungsgeschichte auch als „Fossilarme Serie“ oder „Fossilleere Serie“ bezeichnet (vgl. Nehyba & Roetzel 2010, 52).
Es stellt sich also die Frage, warum (abgesehen von Spurenfossilien im Holz) nur die pflanzlichen Fossilien überliefert wurden – dieses Problem soll hier zur Diskussion gestellt werden.
War das Ablagerungsmilieu eventuell zu sauer für Tierknochen und Molluskenschalen? Das wäre für fluviatile Ablagerungen zwar ungewöhnlich, aber die Flüsse und Bäche im Mühl- und Waldviertel (Böhmische Masse) weisen auch heute einen auffallend niedrigen pH-Wert auf (teils unter 6,0; Böden im Mühlviertel sogar mit 5,73 als Mittelwert !).
Oder wurden kalkige Komponenten erst nach der Ablagerung aufgelöst? Diese Möglichkeit erscheint fast plausibler.
Die Schotter und Sande bestehen vor allem aus sauren/silikatischen Bestandteilen (Quarz, Granit, Gneis, etc.), und sind darin mit anderen fluviatilen Sedimenten in Niederösterreich vergleichbar. So sind z.B. auch bei alten Donau-Schotterterrassen aus der Grenze Plio-/Pleistozän im Raum Krems (aber auch in der Umgebung von Wien) zumindest oberflächennahe die kalkigen Gerölle nicht mehr vorhanden (durch sekundäre Entkalkung vergangen), sondern vor allem Silikate übrig geblieben.
Dann stellt sich aber die Frage, warum dies bei den Ablagerungen der HMF („Urdonau“; sh.: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,30292.0.html ) etwas anders ist. Die HMF datiert zwischen die beiden anderen bisher angeführten Schotterkörper (Pannonium, Obermiozän) – hier sind aber (neben Kieselhölzern in den grobklastischen und Blattabdrücken in den pelitischen Anteilen) sehr wohl (und sogar ziemlich häufig) auch fossile Tierknochen (und teilweise auch abgerollte Austernschalen aus umgelagerten/aufgearbeiteten marinen Sedimenten) erhalten, obwohl die Schotter ebenfalls überwiegend aus silikatischen Komponenten bestehen, und kalkige Gerölle meist nur in einem sehr untergeordneten Anteil auftreten (bzw. in einigen wenigen Aufschlüssen gar nicht nachzuweisen waren).
Allerdings ist die Zusammensetzung der HMF-Schotter stark schwankend, in wenigen Aufschlüssen sind sogar die Sedimentgesteine dominierend (Nehyba & Roetzel 2004, 196-197).
Aber auch in Bereichen mit sehr hohem Quarz- und sehr niedrigem Sedimentgestein-Anteil sind hier reiche Sägetierfunde bekannt, so z.B. aus Hohenwarth (im westlichen Teil) oder im Gebiet des Hollabrunner Waldes (im mittleren Teil der HMF).
Eventuell spielten dabei zusätzlich zum chemischen Milieu unterschiedliche klimatische Bedingungen eine Rolle?
Andererseits dürften aber auch die (ursprünglichen, ungeachtet eventueller sekundärer Entkalkung) Sedimente der SMFF nicht allzu extrem sauer sein. So gibt es einen Marmor-Anteil bei den Geröllen (Nehyba & Roetzel 2010, 50) und sehr selten auch aufgearbeitete mesozoische Sedimentgesteine (vgl. Ellenberger et al. 1948, zit. bei Nehyba & Roetzel 2010). Dies ist auch an der Vegetation erkennbar. So konnten im Bereich der SMFF – wenn auch selten – Pflanzen beobachtet werden, die kalkliebend (bzw. von einem basischen bis neutralen Boden abhängig) sind, und im Waldviertel sonst nur auf Löss oder miozänem Kalksandstein oder sonst irgendwie kalkigen Böden vorkommen, aber nie auf reinen (sauren) Kristallin-Verwitterungsböden – so z.B. Cypripedium calceolus.
Könnte es also eventuell auch in den feinsandig-siltig-tonigen Lagen einen gewissen (geringen) Karbonatanteil geben? Oder ist das Vorkommen von Pflanzen, die keine sauren Böden mögen, durch den Anteil kaolinitischer Silte/Tone (kaolinisierter Feldspat; angeblich pH 6-7 bei 100 g Kaolin auf 1 l H2O) verursacht? Denn nach Wimmer-Frey (1999; zit. bei Nehyba & Roetzel 2010, 56) sollten die Ablagerungen der SMFF karbonatfrei sein.
Ich komme hier also zu keinem schlüssigen Ergebnis, und kenne auch keine Literatur, die dezidiert auf diese Frage eingeht. Vielleicht hat jemand von euch Ideen oder Hinweise dazu?
Oben noch nicht angeführte Quellen:
• Nehyba und Roetzel 2004: The Hollabrunn-Mistelbach Formation (Upper Miocene, Pannonian) in the Alpine-Carpathian Foredeep and the Vienna Basin in Lower Austria – An example of a Coarse-grained Fluvial System. Jb. Geol. B.-A. 144/2, 2004, 191 ff.
• Wimmer-Frey (1999): Mineralogische und granulometrische Untersuchungen an tertiären Sedimenten in den Bezirken Horn und Hollabrunn. In: R. Roetzel (Hrsg.), Arbeitstagung der Geologischen Bundesanstalt Retz 1999, Wien 1999, 60-70.
• Sicherheitsdatenblatt Kaolin: http://www.carl-jaeger.de/PDF/SD/KAOLIN.PDF
• pH-Wert Fließgewässer und Böden Böhmische Masse:
http://www.lfvooe.at/reviere-und-angelgewaesser/artenschutzprojekt-muehlviertler-stammforelle/
http://www.land-oberoesterreich.gv.at/cps/rde/xbcr/ooe/Infoblatt_aggressive_Waesser_GTW.pdf
http://www.google.at/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=3&ved=0CC0QFjAC&url=http%3A%2F%2Fwww.bmlfuw.gv.at%2Fdms%2Flmat%2Fland%2Flaendl_entwicklung%2Fevaluierung%2Fle_studien%2Fauswertungooe%2F44_Auswertungen-der-Bodenuntersuchungsaktion-Ober-sterreich%2F44_Auswertungen%2520der%2520Bodenuntersuchungsaktion%2520Ober%25C3%25B6sterreich.pdf&ei=X91QVKC4HoXSaKnbgig&usg=AFQjCNFBMYt8t-n8ZH3ncfuGP-G4Xzg8Kg&bvm=bv.78597519,d.d2s
http://www.trinkwasserinfo.at/trinkwasserqualitaet/trinkwasserbefund/
oliverOliver:
„Große“ Hölzer – Vol. 2
Nach einer „Großholzpause“ von zwei Jahren (!) hab ich jetzt endlich wieder mal ein etwas größeres Hölzchen in der SMFF gefunden – passender weise am Nationalfeiertag, den 26.10. ! ;D (das war allgemein ein gutes Wochenende – sh. auch http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,30395.msg276232.html#msg276232 ).
Es ist allerdings ein „Grenzfall“ – mit 55 cm zwar ziemlich lang, aber mit einer max. Breite von 27 cm bei einer max. Stärke von nicht ganz 20 cm doch bei weitem nicht so massiv wie die drei anderen – und daher zum Glück auch nicht ganz so schwer (es war noch beinahe problemlos transportierbar). Leider hatte ich an diesem Tag die Kamera nicht dabei, es gibt also keine Gelände- bzw. Fundsituations-Fotos. :(
Das Stück hat zwar einen (älteren) Querbruch, der eignet sich aber gut als Standfläche (wenn man`s positiv sehen will). Die annähend trapezförmige Bruchfläche hat die Ausmaße 20/21 x 16/17 cm (Foto 3).
Am meisten freut mich aber, dass – abgesehen von einigen kleineren Beschädigungen – ansonsten die ehemalige Schwemmholzoberfläche gut erhalten ist, und teilweise eine schöne Struktur zeigt (Foto 4). Und auch die Zellerhaltung dürfte gut sein, soweit mit der Lupe an der Bruchfläche erkennbar. Leider aber ohne Astabgang oder sonstige Besonderheiten.
Aber immerhin – es gibt sie noch, die etwas größeren Brocken! Ich hab ja schon fast nicht mehr daran geglaubt, dass ich noch einmal so ein großes (und „schönes“) finde …
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln