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Autor Thema: Oberösterreich: fossile Hölzer des Ottnangiums  (Gelesen 9555 mal)

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Fossile Hölzer des Ottnangiums (mittleres Untermiozän), vor allem aus dem Inn- und Hausruckviertel

Anscheinend ziemlich weit verbreitet, aber doch relativ wenig bekannt, sind Überreste holziger Gewächse aus dem Ottnangium Oberösterreichs (zu den geologischen Grundlagen allgemein sh. unter anderem: Faupl und Roetzel 1990; Rupp u.a. 2008). Sie stammen sowohl aus dem Schlier (Holzreste, Blattabdrücke, Zapfen und andere Samen) als auch aus den Grobsanden (Holz selten in Kiesel- und häufiger in Phosphatiterhaltung, Zapfen).
Zu den Grobsanden zählen auch die sogenannten „Phosphoritsande“ (eigentlich Phosphatite mit überwiegend Phosphaten der Apatit-Gruppe – vgl. Faupl und Roetzel 1990, 159). Diese kommen vor allem im Hausruckviertel vor, zum Teil aber auch am südlichen Rand des Mühlviertels – dort ist Holz aber meines Wissens selten.
Die bekanntesten Fundstellen in den „Phosphoritsanden“ sind bzw. waren die Sandgruben bei Prambachkirchen (Hausruckviertel) und in Plesching bei Linz (Mühlviertel). In ihnen waren sowohl die „Linzer Sande“ des Egeriums (Oligozän, = Linz-Melk-Fm), als auch die Phosphoritsande des unteren bis mittleren Ottnangiums (Plesching-Fm) aufgeschlossen. Die Pleschinger Grube ist allerdings schon lange aufgelassen und mittlerweile ein Naturschutzgebiet, und in den Gruben bei Prambachkirchen ist das Sammeln – soviel ich weiß – nicht mehr gestattet.
Auf die botanischen Überreste der Phosphoritsande wurde man bereits früh aufmerksam. Während des Abbaus in der ersten Hälfte des 20. Jhs. wurden tausende Holzreste aufgesammelt bzw. händisch aussortiert, die von E. Hofmann bearbeitet und publiziert wurden (Hofmann 1944; Dies. 1952).
Durch die Auflassung vieler Gruben und Betretungsverbote in den verbliebenen sind die Fundchancen in den Phosphoritsanden und den Grobsanden heute stark gesunken (Arthofer 1993; Danninger 2011; Reiter und Berning 2012).

Aus meiner eigenen Sammlung kann ich zu den Ottnangium-Hölzern nicht viel herzeigen – einige Mini-Splitter aus den 1980er-Jahren aus Plesching sollten in OÖ noch irgendwo im Keller liegen, die müsste ich aber erst mal raussuchen – und sie sind wahrscheinlich die Mühe nicht wert. Sie sehen nicht besser aus als diese hier:
http://webs.eduhi.at/bio/hpim4153.jpg

Beachtenswerte Stücke liegen aber in der Sammlung von Wolfgang Danninger (Chlamys), besonders hervorzuheben sind die Palmen:
http://laurinsgarten.jimdo.com/fossilien-aus-dem-ottnangien/fossiles-holz/
http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Fossilien/Palmenholz
aber auch Hölzer bzw. Holzreste mit Bohrspuren von Teredinidae und anderen Organismen sowie Holz mit Balanidenaufwuchs:
http://laurinsgarten.jimdo.com/fossilien-aus-dem-ottnangien/bohrlöcher/
http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Fossilien/Teredo
http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Fossilien/Nototeredo
Diese wurden von Chlamys teilweise bereits im Thema „bescheidene Hölzer …“ (AW # 18, 70, 73, 82, 83, 85, 86) vorgestellt.

Aber auch andere oberösterreichische Sammler haben teils beachtliche Funde aus dem Ottnangium vorzuweisen, so etwa Adolf Aichinger (Phosphatithölzer, Blattabdrücke etc.):   
http://mininfo.am-web.com/galerie/prambachkirchen/index.html
http://mininfo.am-web.com/galerie/prambachkirchen2/index.html
http://mininfo.am-web.com/neufund_pram1.php

Ebenfalls extra hervorzuheben sind die fossilen Koniferen-Zapfen. Diese wurden schon von Hofmann (1944) und von Arthofer (1993) beschrieben bzw. erwähnt, weitere befinden sich z.B. in der Sammlung von Wolfgang Danninger (Chlamys) – sh. den obigen Link (Laurinsgarten), und:
http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Fossilien/Zapfen

E. Hofmann hat 1944 aus Prambachkirchen eine sehr abwechslungsreiche Flora beschrieben, aufgrund der alten Bestimmungen müsste diese aber neu bearbeitet werden. Folgende Familien (zu ergänzen wäre dann: -artige oder -gewächse) bzw. Gattungen werden von ihr angeführt:
Taxodioxylon (Sumpfzypresse), Cupressinoxylon (Zypresse), Cedroxylon (Zeder), Piceoxylon (Fichte, auch Zapfen), Pinuxylon (Föhre, auch Zapfen), Casuaroxylon (Kasuarinengewächse), Betuloxylon (Birke), Alnoxylon (Erle), Carpinoxylon (Haselnuss), Fagoxylon (Buche), Quercoxylon (Eiche), Ulmoxylon (Ulme), Guttiferoxylon (Clusiaceae oder Guttiferengewächse), Pomoxylon (Rosaceae /Apfel), Leguminoxylon (Leguminosenholz / Fabaceae), Rhizophoroxylon (Rhizophoragewächse), Aceroxylon (Ahorn), Cealstrinoxylon, Ebenoxylon (Ebenholzgewächse), Tectonoxylon (Eisenkrautgewächse), Fraxinoxylon (Esche), Palmoxylon (Palmen, Blattabdruck: Flabellaria), Juglans (Nussbaum, Früchte), Celastraceae (Spindelbaumgewächse) und Anisophylleaceae.

Bezugnehmend auf ältere Arbeiten von Schadler folgt Steininger (1969, 45 und 48) klar der Annahme, dass die Phosphatitknollen samt eines hohen Anteils (v. a.) der (pflanzlichen) Fossilien allochthon sind und ursprünglich nicht aus dem Ottnangium stammen, sondern aus dem Älteren Schlier (Egerium / Oberoligozän) umgelagert sind. Faupl und Roetzel kommen 1990 aufgrund der Schwermineralanalysen ebenfalls zu dem Schluss, dass ein größerer Anteil von Sedimentbestandteilen der Phosphoritsande eventuell aus älteren Sedimenten wie den Linzer Sanden umgelagert sein könnte, formulieren dies aber deutlich vorsichtiger.
Ob es dazu aktuellere, speziell auf diese Problematik gerichtete Untersuchungen gibt, ist mir nicht bekannt. Es muss also beim derzeitigen Forschungsstand durchaus damit gerechnet werden, dass ein (beträchtlicher) Teil der in den Phosphoritsanden des Ottnangiums enthaltenen fossilen Hölzer älter ist und ursprünglich bereits im Egerium (Oligozän bis tiefstes Untermiozän) - oder auch erst im Eggenburgium - fossilisiert wurde. Ob das nicht nur auf die phosphatierten, sondern auch auf die verkieselten Pflanzenreste zutreffen könnte, sei dahingestellt.
Sicher dem Ottnangium gehören jedoch die Pflanzenreste aus dem Schlier (Robulus-Schlier, Ottnang-Formation, etc.) an, sie sind nur synchron allochthon verlagert und nicht umgelagert, sofern ihre Fundschichten sicher datiert werden können und auszuschließen ist, dass es sich dabei nicht um vor-ottnangiumzeitliche Pelitablagerungen (etwa Älterer-Schlier-Fm / Egerium, Hall-Fm / Eggenburgium) handelt.



LITERATUR:
•  Arthofer 1993: Peter Arthofer, Mineralogische und paläontologische Besonderheiten der Phosphoritlagerstätte Prambachkirchen, OÖ. OÖ- Geonachrichten 8, 1993, 13 ff.
•  Danninger 2011: Wolfgang Danninger,  Die Pectinidenfauna der Innviertler Schichtenserie im Bezirk Schärding. http://www.steinkern.de/fundorte/austria/120-die-pectinidenfauna-der-innviertler-schichtenserie-im-bezirk-schaerding.html
•  Faupl und Roetzel 1990: Peter Faupl & Reinhard Roetzel, Die Phosphoritsande und Fossilreichen Grobsande: Gezeitenbeeinflußte Ablagerungen der Innviertler Gruppe (Ottnangien) in der oberösterreichischen Molassezone. Jb. Geol. B.-A. 133/2, 1990, 157 ff.
•  Hofmann 1944: Elise Hofmann, Pflanzenreste aus dem Phosphoritvorkommen von Prambachkirchen in Oberdonau, Teil 1. – Palaeontographica (Abt. B), 88, 1-86.
•  Hofmann 1952: Elise Hofmann, Pflanzenreste aus dem Phosphoritvorkomen von Prambachkirchen in Oberösterreich, Teil 2. – Palaeontographica (Abt. B), 92, 121-183.
•  Reiter und Berning 2012: Erich Reiter & Björn Berning, Kleiner Exkursionsführer zu ausgewählten Aufschlüssen in der Molassezone Oberösterreichs. In: 18. Jahrestagung ÖPG Linz, Berichte Geol.B.-A., 94, 2012, 25 ff.
•  Rupp u. a. 2008: Christian Rupp u. a., Geologische Karte der Republik Österreich 1 : 50000, Erläuterungen zu Blatt 47 Ried im Innkreis. Wien 2008.
•  Steininger 1969: Fritz Steininger, Das Tertiär des Linzer Raumes. – In: Katalog Geolog. & Paläont. Linzer Raumes, 35 ff., Taf. 1-4, 1 Tab., Linz 1969.

Zu den Sedimenten des Ottnangiums und deren Verbreitung ist auch noch folgende Publikation empfehlenswert:

• Kohl und Krenmayr 1997: H. Kohl, H. G. Krenmayr u. a., Geologische Karte der Republik Österreich 1 : 50000, Erläuterungen zu Blatt 49 Wels. Wien 1997.
« Letzte Änderung: 02 Jun 13, 15:43 von oliverOliver »

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Re: Oberösterreich: Fossile Hölzer des Ottnangiums
« Antwort #1 am: 04 Feb 13, 17:04 »
Ottnangium-Kieselholz aus Feinsanden

Kieselholz des Ottnangiums kommt in Oberösterreich nicht nur in den „fossilreichen Grobsanden“ inklusive der Phosphoritsande vor, sondern ist - vereinzelt - auch aus anderen Formationen bekannt, so der Atzbach-Formation („Atzbacher Sande“) der Innviertel-Gruppe (Selmeier 1970).
Diese Sande datieren ins Untere Ottnangium, stratigrafisch liegen sie zwischen Vöckla-Fm und Ottnang-Fm (Kohl und Krenmayr 1997, 12; Rupp u. a. 2008, 9 und 12 ff.). Die „Atzbacher Sande“ werden nicht zu den Grobsanden gerechnet, sie bestehen überwiegend aus Feinsanden (Faupel und Roetzel 1990, bes. 166).
Zur Atzbach-Fm allgemein siehe: Faupl und Roetzel 1987; sowie – nur für speziell interesierte: Faupl u. a. 1988.

Literatur (so noch nicht oben enthalten):
• FAUPL & ROETZEL 1987: FAUPL, P. & ROETZEL, R., Gezeitenbeeinflußte Ablagerungen der lnnviertler Gruppe (Ottnangien) in der oberösterreichischen Molassezone. - Jb. Geol. B.-A., 130/4, 415-447,30 Abb., 3 Tab., Wien 1987.
• FAUPL u. a. 1988: FAUPL, P., ROHRLICH, V. & ROETZEL, R., Provenance of the Ottnangian Sands as Revealed by Statistical Analysis of their Heavy Mineral Content (Austrian Molasse Zone, Upper Austria and Salzburg). - Jb. Geol. B.-A., 131/1, 11-20, 5 figs., 5 tabls., Wien 1988.
• SELMEIER 1970: SELMEIER, A., Ein verkieseltes Ilex-Holz, Ilicoxylon austriacum n.sp., aus den Atzbacher Sanden (Ottnangien) von Gallspach. - Neues Jahrb. Geol. Paläont. Mh. 1970/11: 683 - 700, 12 Abb., Stuttgart.
« Letzte Änderung: 27 Mar 13, 12:11 von oliverOliver »

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Re: Oberösterreich: fossile Hölzer des Ottnangiums
« Antwort #2 am: 16 Apr 13, 11:29 »
Einige Hölzer aus den „Phosphoritsanden“ von Prambachkirchen, die ich von Erich Reiter bekommen habe.
Teils verkieselt, teils in Phosphatit / Apatit fossilisiert. Alle relativ klein, aber nette Belegstücke, und deutlich besser als meine damaligen (absolut miesen) Eigenfunde vom Ende der 1970er bzw. Anfang der 1980er-Jahre.
Das erste (Fotos 1+2) zeigt dicht an dicht die ausgefüllten Bohrgänge von Teredinidae.
Das zweite Stück (Fotos 3+4) weist ebenfalls Bohrlöcher auf. Eine Zuordnung derselben traue ich mich in diesem Fall nicht zu; siehe die Diskussion im Thema „Bescheidene Hölzer …“ ( http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg237509.html#msg237509 ).
« Letzte Änderung: 17 Apr 13, 00:28 von oliverOliver »

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Re: Oberösterreich: fossile Hölzer des Ottnangiums
« Antwort #3 am: 16 Apr 13, 11:51 »
Das dritte steckt(e) in einer größeren „Phosphorit“knolle, ist aber wie die meisten anderen rezent gebrochen, da die Stücke über die Siebanlage gelaufen sind (gerade die Phosphatit-Hölzer sind leider sehr bruchempfindlich). Auch hier wieder Bohrlöcher.

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Re: Oberösterreich: fossile Hölzer des Ottnangiums
« Antwort #4 am: 16 Apr 13, 12:09 »
Beim vierten wiederum verfüllte Bohrgänge, wobei eine der Verfüllungen herausgebrochen und damit die Hohlform sichtbar ist.

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Re: Oberösterreich: fossile Hölzer des Ottnangiums
« Antwort #5 am: 16 Apr 13, 12:36 »
Das beiden nächsten sind gut verkieselte Fragmente. Stück Nr. 5 ist leider nur ein schmaler Splitter, weist aber einen winzigen Zweigabgabg auf (die ersten beiden Fotos).
Stück Nr. 6 ist etwas massiver und zeigt noch sehr gut die Holzstruktur (die beiden letzten Fotos).

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Re: Oberösterreich: fossile Hölzer des Ottnangiums
« Antwort #6 am: 11 Jul 13, 12:46 »
Ottnangium – „Phosphoritsande“ – zur Frage der Umlagerung/Resedimentation von (vor allem botanischen, aber auch anderen) Fossilien.
Ist die Phosphorit-Umlagerungstheorie aktuell ?


Wie oben schon kurz erwähnt, ist in der Literatur immer wieder einmal die Rede davon, dass die Phosphorit- (Phosphatit-)Knollen der "Phosphoritsande" aus dem Ottnangium aus älteren aufgearbeiteten Sedimenten stammen - samt eines Teils der in den Sanden enthaltenen Fossilien. Meist werden als primäre Quelle Ablagerungen des Oberoligozäns bis tiefsten Untermiozäns (Egerium) vermutet, zum Teil auch solche des Eggenburgiums.

Wie ist eure Meinung zu dieser Theorie ?
Und gibt es da eventuell neuere Untersuchungen / aktuelle Literatur dazu ? (bei meinen www-Recherchen hab ich nichts Neues gefunden).
Eventuell weiß ja Geomaxx als „direkt benachbarter“ Geologe was dazu ? (die Phosphoritsande ziehen ja – wenn auch nicht obertage aufgeschlossen –  entlang der böhmischen Masse bis nach Südostbayern, vgl. z.B. Fuchs 1968, 50; Faupl und Roetzel 1990, 158).
Oder Chlamys, der sich von den hier vertretenen Kollegen wohl am intensivsten mit den oberösterreichischen Ottnangium-Fossilien auseinandergesetzt hat ?
Die Frage ergeht aber natürlich auch an alle anderen, die etwas dazu beitragen können !

Mit Erich Reiter hatte ich im April 2013 ein kurzes Gespräch darüber. Seiner Meinung nach ist das nach wie vor unklar, er kennt auch keine neueren Ergebnisse, und er meinte dass sich da anscheinend noch niemand eine Neubearbeitung des sehr komplexen Themas zugetraut hat, obwohl das sowohl paläontologisch wie auch geologisch und mineralogisch interessant und wichtig wäre. Soweit das im Gespräch rüberkam, dürfte er eher zu der Ansicht tendieren, dass da vom Fossilinhalt nicht all zu viel umgelagert ist, obwohl mit einem geringeren Anteil umgelagerter älterer Fossilien natürlich in entsprechenden Situationen – küstennahe Grobsande bis Brandungszonen (Plesching !) immer zu rechnen ist.

Steininger 1969 sowie Faupl und Roetzel 1990 (komplette Zitate oben im ersten Beitrag) beziehen sich betreffs der Umlagerung jeweils auf die Arbeiten von Schadler und Fuchs, ergänzen deren Beobachtungen aber durch eigene Forschungsergebnisse, so dass in Summe doch recht deutliche Hinweise auf eine Resedimentation zumindest der Phosphoritknollen, aber auch anderer Sedimentkomponenten vorliegen. Bevor ich dies langwierig erläutere, lieber einige Originalzitate:

Steininger 1969, 45:
„Da nach Schadler (1934, 1944, 1945) die Schiefertone [ = älterer Schlier] als Muttergestein der in die miozänen Phosphoritsande umgelagerten Phosphorite und den darin enthaltenen Pflanzenresten angesehen werden müssen, …“
47-48:
„Charakteristisch sind die von Schadler erstmals 1932 beschriebenen, wahrscheinlich aus dem oberoligozänen Schieferton umgelagerten, schwarz bis hellbraun gefärbten, metallisch glänzenden, unregelmäßig geformten, meist zwischen 4 bis 15 cm großen Phosphoritknollen, die besonders an der Transgressionsbasis („Knollenlesedecken" — nach Schadler, 1945) angehäuft sind.“

Faupl und Roetzel 1990, 174:
„Es ist daher vorstellbar, daß ein bedeutender Teil von Zirkon und Apatit in den Phosphoritsanden nicht alleine auf primäre Zufuhr aus der Böhmischen Masse zurückzuführen ist, sondern daß beträchtliche Mengen aus der Aufarbeitung von solchen Zirkon- und Apatit-dominierten Sandserien auch aus dem liegenden der Phosphoritsande stammen. Hinweise auf intensive Fossilumlagerungen (Schadler 1944; Fuchs 1968) stützen diese Vorstellung.“
177:
„Durch eine ebenfalls deutliche Zirkon-Apatit-Dominanz in den oligozänen Linzer Sanden ist es jedoch auch vorstellbar, daß ein beträchtlicher Teil der Grobsande des Ottnangiens nicht nur durch direkte Zufuhr von der Böhmischen Masse entstand, sondern durch Aufarbeitung älterer Sandserien aus dem Liegenden der Phosphoritsande gebildet wurde. Diese Annahme wird auch durch die zahlreichen umgelagerten älteren Fossilreste bekräftigt.“

Primäre Phosphoritknollen-Vorkommen sind in Oberösterreich im Älteren Schlier – die angeführte Literatur zusammenfassend – gut belegt:
- mehrere Aufschlüsse im Gebiet von Eferding und Waizenkirchen (Schadler 1934)
- am Trefflinger Sattel bei Linz (Schadler 1934)
- mehrere Fundorte im Gallneukirchner Becken (Grill 1935, 41 f.)
- allgemein in der Ebelsberg-Fm (Rupp und Ćoric 2012, 68)
- allgemein im Älteren Schlier: Fuchs 1968, 49 (ff.)
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Phosphorit-/Phosphatithölzer aus dem Älteren Schlier umgelagert wurden, ist also als relativ hoch einzustufen.

Verkompliziert wird die Situation aber noch dadurch, dass im betreffenden Gebiet auch die Sedimente des Eggenburgiums wieder erodierten, und zumindest teilweise anscheinend ebenfalls bereits im Ottnangium aufgearbeitet wurden. Eventuell sind also in den Phosphoritsanden – sowohl im eigentlichen Sediment, als auch im Fossilinhalt – auch Komponenten des Eggenburgiums enthalten. Steininger (1969, 47) erwägt dies aufgrund des Vorkommens abgerollter Fragmente einer bestimmten Pecten-Spezies und eines Wirbeltierzahns in den Phosphoritsanden.

Mit den in der angeführten Literatur angegebenen Fossillisten kann ich bezüglich dieses Themas mangels ausreichender eigener biostratigrafischer Kenntnisse nicht viel anfangen, sprich: nicht beurteilen wieweit die Eingrenzung bestimmter Arten auf spezielle Zeitabschnitte des Tertiärs dem heutigen Forschungsstand entspricht. Ich nehme aber mal an, dass das im Großen und Ganzen noch halbwegs passt.

Beim Kieselholz aus den Phosphoritsanden sind allerdings auch die abweichenden Fossilisationsbedingungen zu berücksichtigen. Kieselholz braucht in der Regel (seltene Ausnahmen bestätigen diese) ein körniges / grobporiges Sediment zur Entstehung (damit die Kieselsäure-Lösung zirkulieren kann) – die verkieselten Hölzer stammen also wohl eher nicht aus dem aufgearbeiteten Anteil des Älteren Schliers. Möglich ist jedoch, dass sie (teilweise ?) aus älteren Sanden (Egerium bis Eggenburgium ?) verlagert wurden. Desgleichen ist aber auch eine primäre Zuordnung zu den Ottnangium-Sanden nicht auszuschließen.

Klar ist jedenfalls, dass es eine Diskordanz gibt – die Sedimente des Eggenburgiums fehlen (wie schon erwähnt) hier weiträumig, wurden also wieder aufgearbeitet, und – zumindest bereichsweise bzw. was deren jüngere Anteile betrifft – anscheinend auch Sedimente des Egeriums (Älterer Schlier und Sande), besonders direkt am Südrand bzw. im Südteil der böhmischen Masse – dort finden sich heute offenbar nur mehr geringe Erosionsreste.
Andererseits sind Sedimente des Ottnangiums mit sicher primär gelagerten Phosphatitknollen anscheinend unbekannt (?), sichere Nachweise für die Bildung von solchen Knollen liegen aber für ältere Sedimente vor: in OÖ eben für den älteren Schlier bzw. die Ebelsberg-Fm (z.B. Schadler 1934; Rupp und Ćoric 2012, siehe oben), in Deutschland – um hier mal „über den Tellerrand“ zu blicken bzw. überregional den allgemeinen Entstehungszeitraum mit einzubeziehen – z.B. für die Böhlener Schichten (Espenhain; Rupelium / Oligozän).

Fazit: alles erscheint etwas unklar, aber der Fossilinhalt der Phosphoritsande ist möglicherweise ein Palimpsest, zumindest eine geringe Vermischung scheint sicher (Steininger 1969), eine hochgradige ist nicht unwahrscheinlich. Bezüglich der Hölzer könnten die phosphatisierten Stücke durchaus aus umgelagerten oligozänen bis tiefst-untermiozänen Sedimenten stammen, während für die verkieselten auch eine Zeitstellung ins Eggenburgium oder eben ins Unter-Ottnangium (dann wären sie nicht asynchron) möglich scheint.

Literatur (soweit nicht schon oben angeführt):
• FUCHS, W., 1968: Die Sedimente am Südrande und auf dem kristallinen Grundgebirge des westlichen Mühlviertels und des Sauwaldes. - In: FUCHS, G. & THIELE, O.: Erläuterungen zur Übersichtskarte des Kristallins im westlichen Mühlviertel und im Sauwald, Oberösterreich. - 43-58, 1 Taf., Wien (Geol. B.-A.) 1968.
• GRILL, R., 1935: Das Oligocänbecken von Gallneukirchen bei Linz a. D. und seine Nachbargebiete. Mitt. Geol. Ges. 28, Wien, 37 ff.
• RUPP, Ch., und ĆORIĆ, St., 2012: Zur Ebelsberg-Formation, Jb.Geol.BA 152, 2012, 67-100.
• SCHADLER, J., 1934: Weitere Phosphoritfunde in Oberösterreich. — Verh. Geol. Bundesanst. 1934, 58 - 60. Wien.
• SCHADLER, J., 1944: Fundumstände und geologisches Alter der Pflanzenreste aus dem Phosphoritvorkommen von Prambachkirchen in Oberdonau. - In: HOFMANN, E.: Pflanzenreste aus dem Phosphoritvorkommen von Prambachkirchen in Oberdonau. - Palaeontographica, 88, Abt. B, 3-10, Abb. 1-2, Stuttgart 1944.
• SCHADLER, J., 1945: Das Phosphoritvorkommen Plesching bei Linz a. d. Donau. — Verh. Geol. Bundesanst. 1945, 70 - 77. Wien.
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