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Autor Thema: Grube Clara radioaktive Mineralien?  (Gelesen 10317 mal)

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Offline Markus Fuchs

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Grube Clara radioaktive Mineralien?
« am: 21 May 13, 14:44 »
Hallo liebe Forum-Mitglieder,

ich arbeite derzeit meine Funde auf, die ich im April diesen Jahres auf den großen Halden der Grube Clara gefunden habe. Ich zerkleinere dazu das Material mit Hammer/Meißel und einer Steinpresse Zuber MP5 in meinem Kellerhobbyraum und bewahre die Mineralien anschließend in Micromountkästchen auf. Dabei staubt es natürlich auch ein wenig.

Nun meine Frage: Muss ich mir Sorgen wegen dem Einatmen von radioaktiven Mineralien in dem Feinstaub machen? Würdet ihr mir einen Mundschutz empfehlen? Ich bin mir fast sicher, dass unter meinen Funden auch einige uranhaltige Mineralien sind, zumindest bei einer Probe mit gelb/orangen kleinen Buscheln schlug mein Zählrohr an.

Wie schützt ihr euch?
Wie beurteilt ihr generell die radioaktive Belastung von Material von den Halden?

(zur Info: ich bin Physiker und sehe daher alles was mit Inkorporation radioaktiver Stoffe zu tun hat "von Amts wegen" natürlich realistisch, wenn auch kritisch.)

Über Antworten würde ich mich sehr freuen!

Beste Grüße aus Regensburg

Markus


Offline Krizu

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Re: Grube Clara radioaktive Mineralien?
« Antwort #1 am: 21 May 13, 15:17 »
Hallo,

von Physiker zu Physiker: Wenn eine Kontamination zu vermeiden ist, sollte sie vermieden werden.

Wenn du also Stücke mit den Büscheln knackst, würde ich im Keller den Mundschutz (Klasse P3!) aussetzen. Auf der Halde an der frischen Luft eher nicht.

Beim Mineralstäuben wird als Grenzwert oft 3mg/m3 als MAK-Wert genannt (Pauschaliserung - gilt nicht allgemein), das zu messen ist als Pivatmann nicht einfach (Filter nach Belegung auswiegen). Aber deutlich sichtbar sind die schon.

LG

Frank



Offline Markus Fuchs

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Re: Grube Clara radioaktive Mineralien?
« Antwort #2 am: 21 May 13, 15:35 »
Hallo Frank,

zunächst mal danke für deine rasche Antwort.

Hast du Erfahrungen, was die generelle Häufigkeit von radioaktiven Material aus der Grube Clara betrifft? Gibt es hier Erfahrungswerte? Als wie wahrscheinlich kann es wohl angesehen werden, dass beim Zerkleinern von Clara-Material es hier zu Problemen kommen kann? Das mit der Maske werde ich wohl in Zukunft beherzigen. Ich möchte ungern mein schönes Hobby aufgeben müssen...

Bisher habe ich der Literatur lediglich entnehmen können, dass solches Material aus der Grube Clara wohl eher Glückstreffer sind. Daher habe ich mir auch nie was gedacht, wenn ich mit meiner Familie dort auf Sammeltour ging. Mein Strahlenmessgerät "Radiation Alert Inspector" zeigt eigentlich recht zuverlässig die drei Strahlungsarten an. Normalerweise liegt die Belastung in meinem Keller bei einer Dosisleistung von 0,10 - 0,15 MikroSievert pro Stunde (was der natürlich hohen Radonkonzentration in unserer Gegend geschuldet ist) und bei Sondierung der Kisten mit dem groben Fundmaterial ändert sich dieser Wert kaum. Bei der besagten Büschelprobe steigt der Wert auf etwa 0,5 - 1,2 MikroSievert pro Stunde.

Hintergrund meiner Frage: Meine beiden Töchter (7 und 9) sind natürlich beim Mineraliensammeln immer dabei und haben auch bereits ihre eigenen kleinen Sammlungen samt eigenen Stereomikroskop. Da möchte ich keinesfalls ein Risiko eingehen, andereseits freut es mich natürlich, wenn meine Kinder mein Hobby teilen.

Danke schon mal vorab an alle die hierzu etwas beitragen können!

Markus


Offline smoeller

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Re: Grube Clara radioaktive Mineralien?
« Antwort #3 am: 21 May 13, 15:49 »
Hallo,

Generell sitzen die meisten Uranmineralien an der Grube Clara in einem schwarzvioletten Flußspat (sog. Stinkspat, weil der beim Anschlagen kräftig wie Halogen (Chlor, Fluor) stinkt). U-Mineralien sind da recht selten, meist ist es Torbernit, Uranophan oder Zeunerit. Von 2001 bis 2008 war ich jedes Jahr mindestens 3-5 Wochen an der Clara und habe wenn es hoch kommt vielleicht 2-3 Mal in der ganzen Zeit wirklich Uranmineralien gefunden. Da gibt es ganz andere Gegenden (im Schwarzwald Wittichen und Menzenschwand, in deiner Ecke Mähring und Großschloppen), da strahlt fast jedes Material aus den Gruben. Da nehme ich dann immer eine Staubmaske aus dem Baumarkt beim Zerkleinern. Mit Kindern würde ich genannte Ecken eher meiden.

Was dein gefundenes Material anbelangt: Ohne Foto ist da nix zu sagen. Neben Uranophan, der auch in solchen bräunlichgelben Büscheln auftreten könnte, gibt es durchaus auch U-Gehalte in Mineralien der Seltenen Erden. Gerade REE-Phosphate wie Xenotim und Monazit, die auch an der Grube Clara vorkommen, können beträchtlich Uran und Thorium einbauen. Allerdings sind die in der Regel unbedenklicher, weil sie schwer löslich und viel stabiler als Uranmineralien sind. Gegebenenfalls ist es auch ein Kaliumhaltiges Mineral (Glimmer?), wo dann die Strahlung vom K-40 kommt.

Glück Auf!
Sebastian

Offline Markus Fuchs

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Re: Grube Clara radioaktive Mineralien?
« Antwort #4 am: 21 May 13, 16:26 »
Hallo Sebastian,

Danke für deine Antwort.

Leider ist die besagte Probe zu klein (<0,5mm) und ungünstig in einer kleinen Druse platziert , um diese mit meinen Mitteln scharf fotografieren zu können. Nach deiner Beschreibung habe ich nun die gelben Büscheln mit den Bildern auf dieser Seite verglichen und bin mir nun einigermaßen sicher, dass es sich um Uranophan handeln müsste (so weit der optische Vergleich).

Nur um sicher zu gehen: Du bist also der Meinung, dass Clara-Sammler was radioaktives Material betrifft, halbwegs unbeschwert ihrem Hobby nachgehen können? Das würde mich (und vor allem meine Frau, wegen der Kinder...) sehr beruhigen.

Übrigens habe ich schon vor Jahren alles Material aus der in meiner unmittelbaren Nachbarschaft gelegenen Wölsendorfer Ecke (im Wesentlichen Pechblende und Begleitmineralien) aus meiner Sammlung entfernt.

Das mit dem Mundschutz werde ich aber dennoch beherzigen, weil der Feinstaub auch ohne radioaktiv bedenkliches Material meine Atemwege reizt.

Danke aus Regensburg!

Markus

Offline smoeller

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Re: Grube Clara radioaktive Mineralien?
« Antwort #5 am: 21 May 13, 17:50 »
Hallo Markus,

Es gab und gibt immer mal wieder ein paar geringfügige Mengen U-Mineralien an der Clara. Aber wie gesagt sind die Mengen eher gering, im Vergleich zu den Uranmineralisationen, auch zu Wölsendorf unbedenklich wenig. Jeder Granitsteinbruch im Bayerischen Wald ist da wesentlich gefährlicher, allein schon das K-40 im Feldspat. Und dann packen sich die Leute solche Granitarbeitsplatten in die Küche und Treppenstufen aus Granit ins Haus.
Alles an Wölsendorf-Material musste nicht entsorgen, nur die dunklen, fast schwarzen Fluorite sollte man mit dem Geigerzähler kontrollieren.
Quarzstaub ist bei all den Mineralien, von denen wir hier reden (ich meine jetzt keine Kilogramm-Stufe Pechblende, sondern was mit ein paar winzigen Uranmineralien) tatsächlich das gefährlichste für den Körper.

Glück Auf!
Sebastian

Offline franksch

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Re: Grube Clara radioaktive Mineralien?
« Antwort #6 am: 21 May 13, 21:37 »
Hallo Markus,
also auch ich schätze die Mengen an uranhaltigen Mineralien in der Grube Clara eher als sehr untergeordnet ein. Bei meinen Besuchen der letzten 9 Jahre hab ich jetzt vor ca. 1 Woche das erste mal überhaupt ein uranhaltiges Mineral gefunden. Es handelte sich um einen 2-fastgroßen Brocken mit winzigen Torbernit. Im ganzen Stinkspat, der letzten Do kam, wurden nur 2 winzige Funde nadeligem Uranophan gemacht, und da wurden etliche Kilo kleingehauen. Ich halte das auch für Glückstreffer, solch Mineralien überhaupt zu finden. Selbst die genannten "häufigen" Uranmineralien Torbernit, Uranophan, Zeunerit haben in der Häufigkeitsbewertung auf der Homepage von www.rbmineral.de die Einstufung 4 (selten) bekommen. Trotz ihres ggf. geringen U- Gehaltes sind diese Minerlaien aber wegen ihrer kräftigen Farbe und Ausbildung gesuchte Sammelobjekte und ich habe noch niemanden auf der Halde erlebt, der sich nicht über deren Fund gefreut hätte.

Viele Grüße aus Berlin
franksch

Offline Hammerfaust

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Re: Grube Clara radioaktive Mineralien?
« Antwort #7 am: 22 May 13, 05:17 »
Quarzstaub ist bei all den Mineralien, von denen wir hier reden (ich meine jetzt keine Kilogramm-Stufe Pechblende, sondern was mit ein paar winzigen Uranmineralien) tatsächlich das gefährlichste für den Körper.

Hi Markus,

ich kenne mich mit der Clara leider garnicht aus. Aber es fiel mir auch zu anfang gleich ein, wenn Du in einem Kellerraum arbeitest, solltest Du generell über einen Mundschutz nachdenken. Wie Smoeller schreibt, sollte man beim zerkleiner von Quarz schon vorsichtig sein.
Mach einfach alles draussen ande frischen Luft und Du brauchst Dir eigentlich keine Gedanken machen.  :)

Glück auf! Hammerfaust

Offline Markus Fuchs

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Re: Grube Clara radioaktive Mineralien?
« Antwort #8 am: 22 May 13, 20:01 »
Hallo zusammen!

Zunächst einmal herzlichen Dank für alle eure Antworten.
Einen Mundschutz habe ich schon bestellt, außerdem werde ich im Sommer vermehrt draußen die staubigen Arbeiten vornehmen. Allerdings ist es mir im Winter zu kalt und das Mineralieneindosen und Bestimmen ist doch eine schöne Beschäftigung für die kalte Jahreszeit.

Das mit dem Quarzstaub war mir nicht bewusst. Ist auch das erste Mal, dass ich darüber etwas gehört habe. Da ich bisher ohne Mundschutz gearbeitet habe mache ich mir nun allerdings schon ein wenig Sorgen. Wie hoch haltet Ihr denn da das tatsächliche Risiko? Mein Geigerzähler bleibt bei allen Quarzen ruhig und zeigt keine erhöhten Werte an. Derzeit arbeite ich noch das gesamte Material vom April der Grube Clara weg, da sind auch viele Quarzbrocken darunter...

Nun meine Frage: Ist der Quarzstaub wegen darin eingebauter Uranatome bedenklich oder ist dieser bereits für sich gesundheitsschädigend?

Schon mal vorab Danke für eure Antworten!

Viele Grüße

Markus
« Letzte Änderung: 22 May 13, 20:10 von Markus Fuchs »

Offline Sebastian

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Re: Grube Clara radioaktive Mineralien?
« Antwort #9 am: 22 May 13, 20:13 »
Quarz ist nicht radioaktiv. Die Radioaktivität wird mal wieder verteufelt.
Was beim Quarz so schädlich ist der Staub, ähnlich wie Feinstaub.
Auch Sägemehl ist bei Dauerbelastung sehr ungesund. Mach dir über ein paar
Radioaktive Proben keine Gedanken, Kästchen drum und gut ist. (Als Physiker solltest du das wissen  ;) )
Gruß Sebastian

Offline Krizu

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Re: Grube Clara radioaktive Mineralien?
« Antwort #10 am: 22 May 13, 20:53 »
Hallo,

das mit dem Quarz nennt sich Silikose und ist eine anerkannte Berufskrankheit der Bergleute etc. Bei den Staubmengen im Hobbybereich würde ich mir keine Sorgen machen. Vergleichbares gilt für Harthölzer wie Buche und Eiche - der Staub ist auch nicht gut und jeder schleift Holz. Die Dosis macht das Gift.

LG

Frank


Offline Markus Fuchs

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Re: Grube Clara radioaktive Mineralien?
« Antwort #11 am: 22 May 13, 21:19 »
Hallo Sebastian,

eben als Physiker mache ich mir da meine Gedanken, inkorporiertes radioaktives Material (besonders problematisch sind da Alphastrahler wegen dem hohen biologischen Wertungsfaktor 20 im Vergleich zu Beta- und Gammastrahlung) in der Lunge (hoher Gewebe-Wichtungsfaktor) ist bestimmt nicht zu verharmlosen. Ich bin schließlich zu einer Zeit groß geworden, als Tschernobyl gerade aktuell war und war in meiner Studentenzeit jahrelang Aktivist. Nun reden wir hier aber von verschiedenen radioaktiven Stoffen und unterschiedlichen Bedingungen und ich bin durch die Beiträge auf dieser Seite was das Thema "Radioaktivität und Grube Clara" betrifft  mehr als beruhigt worden. Allerdings kann eine gesunde Portion Vorsicht und Informationen bevor etwas ungewolltes eintritt nie schaden...

Das mit dem Feinstaub ist da wohl eine andere Sache, hier sind wohl viele allzu sorglos. Zumindest in meinem mir bekannten Umfeld hat sich hier noch niemand groß Gedanken gemacht. Aber ich hoffe einfach mal, dass die Mengen mit denen ich hier zu tun habe im Vergleich zu beruflich exponierten Personen gering ist und bei besonders staubigen Arbeiten (ich überlege derzeit mir eine Steinsäge zuzulegen...) werde ich entweder nach draußen gehen oder einen Mundschutz verwenden.

Vielen lieben Dank für eure Antworten, und jetzt wieder ab in den Keller Steine knacken  :)

Grüße aus Regensburg

Markus


Offline Sebastian

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Re: Grube Clara radioaktive Mineralien?
« Antwort #12 am: 22 May 13, 21:34 »
Du hast mit deiner Argumentation natürlich recht. Radioaktivität sollte nicht unter, aber auch nicht überschätzt werden. Und wenn man mit mm-großen Uranophanbüscheln arbeitet und damit nicht gänzlich ungeschickt verfährt, braucht man sich auch keine Sorgen zu machen. Bei großen Autunit/Uraninitstufen sieht das anders aus. Aber auch das lässt sich sammeln.
Grüße aus Hamburg,
Sebastian