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“Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?

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raritätenjäger:
Die folgenden Überlegungen stelle ich mal zur Diskussion. Ich habe darüber mit einigen Sammlern gesprochen und grob gesehen teilten alle meine Meinung. Abweichungen bezüglich des ein oder anderen Beispiels gibt es natürlich immer. Es wäre interessant, zu lesen, was ihr darüber denkt.

Nahezu kein Sammler, dem das nicht schon passiert ist: ein größerer Neufund, viele Stufen zu bekommen. Man wartet ab, es wird vielleicht noch etwas besseres kommen, die Preise werden sinken, ist eh Massenware, ich kümmere mich erst mal um die selteneren Neuzugänge für die Sammlung. Plötzlich: alles weg. Ein anschauliches Beispiel für diesen Fall ist der Fluorit von Rottleberode. Über Jahrzehnte hinweg, bis etwa Mitte der 1990er Jahre liegt das Material überall herum. An großen, wenn auch zumeist beschädigten Kristallen herrscht kein Mangel. Aber auch komplette, unbeschädigte Stufen sind zu guten Preisen zu haben. Die Stücke sind, wenn auch oft ohne Matrix, durchaus attraktiv, aber fast unverkäuflich. So zumindest scheint es, aber mit einem Mal sind sie alle weg. Es ist, wie ob ein Schalter umgelegt wird. Gut, hier und da wird noch mal eine Stufe angeboten, zu exorbitanten Preisen. Aber man versuche einmal, eine handgroße Stufe zu bekommen, die wirklich keine Klatscher aufweist. Ob es nun ein Matrixstück mit 3 bis 4 cm großen Kristallen oder auch ein schöner Einzelkristall in der Größe (beides nun wirklich keine Raritäten!), der geneigte Sammler wird es schwer haben.

Anderes Beispiel. Viele Mineralarten und ihre Kombination mit bestimmten Fundorten waren immer begehrt, es gab aber immer ein breites Angebot. Oder nicht? Der berühmte Baryt von Pöhla im Erzgebirge. Mag sein, im Erzgebirge bekommt man immer noch vieles gute aus dem Kellerfundus des ein oder anderen Sammlers. Aber wie sieht es überregional aus? Kein Problem? Es gibt doch überall haufenweise Pöhlabaryte, jeder Sachsensammler bietet das an? Stimmt schon, aber sehen wir uns diese Stufen an. Einige perfekte Stücke, ein Blick auf die Stufengröße, ja: 3,5 x 3 cm. Klasse, was für MM-Sammler. Dann schöne Vitrinenstücke, auch abwechslungsreich aus verschiedenen Gangbereichen. Preis? Ja, mhm, besten Dank. Wieder das Beispiel: handgroß, wirklich nicht kaputt, attraktiver Aufbau auf Matrix. Es ist wirklich kaum zu machen. Es muss ja nicht mal absolut perfekt sein, nur eine schöne, repräsentative Stufe.

Wo sind diese ganzen Stufen hin, alle versickert? Im Keller von irgendwelchen Füchsen, die sich denken: wenn das mal teuer wird, dann mach ich nen Reibach? Pöhla-Silber, gute Pyromorphite von Zschopau, Dolomit/Chalkopyrit-Stufen von Eupel/Siegerland, Manganit von Ilfeld, und, und, und. Wer zur rechten Zeit zugegriffen hat, der denkt sich: gähn, langweilig. Der Rest schaut in die Röhre. Klar, fast jeder hat ein Stück. Aber ist es unbeschädigt? Schöner Aufbau? Größer als 5 x 4 cm? Hat es keine 100 Euro oder mehr gekostet? International genau das gleiche. Man frage sich einmal, warum selbst für das indische Material heute mitunter richtig Geld gezahlt wird. Schaue man sich die Stufen an und vergleiche mit den ersten Stücken aus den 1980ern. Vieles kommt schubweise als große Schwemme in top-Qualität, aber vielleicht nie wieder (Cavansit), vieles bleibt über Jahre “Börsenblei” auf den Tischen.

Ich selbst bin zu dieser Thematik erst nach Jahren des Sammelns bekommen, als ich auf meine Sammlung geschaut habe und merkte, das vieles, was unter “Massenware” fällt, entweder gar nicht oder in mehr oder minder unbefriedigender Qualität vorhanden war. Es fällt einem gar nicht so sehr auf, wenn man neben den in der Anfangszeit erworbenen “Klassikern” Raritäten und schöne Vitrinenstufen anhäuft. Die “Massenware”-Kandidaten bleiben die Belegstücke aus den Anfängen der Sammlung. Und dann steht der Sammler da nach Jahren und will sich etwas gutes, neues gönnen und es gibt nichts mehr. Natürlich, es ist bereits angeklungen, wir leiten hier zur Preisfrage über. Sicher ist dieser Umstand auch der Preis-Schere geschuldet, die natürlich auch bei den Mineralien immer virulenter wird. Es gibt drastisch ausgedrückt die 1-Euro-Stufe aus der Grabbelkiste und das 4.500-Euro-Stück vom Edelhändler. Die anschauliche Stufe für 20-50 Euro gibt es nicht.

Ich beklage das gar nicht einmal, ich konstatiere nur, weil es mir interessant erscheint. Sicherlich gibt es die glücklichen Zufälle, es gibt das beharrliche Suchen, es gibt die guten Kontakte, die einem vieles ermöglichen können. Aber der selbstverständliche Börsenbesuch mit dem Vorsatz “heute muss ein guter Pöhlabaryt zu einem guten Preis her”, der, will ich meinen, ist heute auch im Erzgebirge von großem Glück abhängig. Es dauert seine Zeit, bis man das Problem begreift. Zu leicht sagt es sich, ist Massenware, gibt es doch überall. Aber wenn man rekapituliert, was man in den letzten Jahren gesehen hat, wundert man sich vielleicht.

Dierdorf:
All das o.g. macht doch auch den Reiz des Sammelns,Suchen und "Jagens" halt aus. ;)

Der "Rest " ist halt der "Lauf aller Dinge ", die sich veräußern ( Verkauf/Tausch) lassen.
Ist ja nun nicht nur bei Mineralien so.
Ich persönlich habe mich damit abgefunden.Was mir persönlich zu teuer erscheint, wird nicht genommen. Ganz einfach.
Dies zu hinterfragen, bedeutet für mich, ein ganzes (globales) Wirtschaftssystem zu hinterfragen.

Das Ergebnis wäre dann Off Topic :(


Harzsammler:
...von Rottleberode müsste doch jetzt wieder ein Schwung gekommen sein :)

Michael

uwe:
Für diese Erscheinung, welche mir natürlich auch aufgefallen ist, gibt es m.E. mehrere Ursachen. Zum einen hat sich die Zahl der Sammler erhöht. Zum anderen (Du erwähnst hauptsächlich Stufen ostdeutscher Fundstellen) hat sich der Markt für diese Klassiker erweitert. Die Koko hat zwar schon immer Stufen aus dem Erzgebirge für harte Devisen ins Ausland verhökert, aber nun ist der weltweite Mineralienmarkt für alle Sammler offen. Da wird schon so manches abgeflossen sein. Schaut Euch mal die Preise bei www.minfind.com an.

Das gilt natürlich auch besonders für die aus Indien oder China stammenden Stufen.

Letztendlich sind fast alle Fundstellen der Klassiker erloschen: z.B. Pöhla, Ilfeld, Schlema, Hammer-Unterwiesenthal usw. So viel wird da gar nicht mehr auf einem Haufen in einem Keller liegen.

Übrigens, wer eine große Stufe Pöhlare Baryt sucht - ich habe eine in einer aufzulösenden Sammlung zu vermitteln.

Gruß
Uwe

kks:

--- Zitat von: uwe am 25 Sep 13, 16:11 --- Da wird schon so manches abgeflossen sein.

--- Ende Zitat ---

Ja, aber wohin? Ich bin aus persönlichen Gründen auf die (relativ kleinen) Börsen im äußersten Wilden Westen beschränkt, und hier ist seit der Wende so gut wie nichts angekommen. Vorher gab's noch hin und wieder was aus dem Erzgebirge, wenn auch zu stolzen Preisen, 90-91 gab's schon mal ein bisschen Silber, aber seitdem habe ich jedenfalls hier nichts nennenswertes mehr gesehen. Mein einziger, kleiner und nicht besonders guter, Pöhla-Baryt stammt von 1984.

Allerdings muss ich hinzufügen, dass auch alpine Stufen nicht den Weg hierher finden. Namibia, Marokko, Pakistan, China, Dalnegorsk, alles da, aber Mitteleuropa findet nicht statt.

Insofern vermute ich schon, dass es eine Vielzahl von Gründen für die Verfügbarkeit von Mineralien gibt.

Gruß,
Klaus

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