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Autor Thema: Frage zu Argentit aus Freiberg  (Gelesen 3703 mal)

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Offline Frauensteiner

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Frage zu Argentit aus Freiberg
« am: 17 Oct 13, 12:19 »
Hallo,

ich habe derzeit wieder so einen Fall, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob mir da ein Osterei untergeschoben wurde.

In http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,10940.msg259189.html#msg259189 finden sich zwei Bilder einer kleinen Argentitstufe mit altem Etikett. Nach Erhalt der Stufe sind in mir jetzt doch einige Zweifel aufgekommen, ob beides zusammen gehört.

Das Etikett sagt "Silberglanz auf Quarz" - allerdings befindet sich auf der Stufe kein Quarz, sondern wenig Calcit und ein Kern aus Pyrargyrit (oder Proustit). Weiterhin habe ich den Eindruck (nach intensiver Bildersuche), dass im Freiberger Revier gut ausgebildete oktaedrische Argentitkristalle sehr selten waren. Die Bilder, die ich kenne, zeigen die Oktaeder entweder stark verformt oder stapelartig angeordnet und nicht schön freistehend.

Dann habe ich im Forum von mindat.org auch festgestellt, dass der Verkäufer durchaus schon mal Etiketten und Stufe neu kombiniert hat.

Vom Aussehen würde ich das Teil Marokko zuordnen. Bei einem ähnlich gelagerten Fall vor einigen Monaten konnte ich das eindeutig nachweisen, da eine EDX klar Quecksilber nachwies, welcher typisch für Imiter wäre. Die jetzige Stufe zeigt allerdings kein Quecksilber.

Ich bin mir nun ehrlich gesagt unsicher. Ein Geschmäckle ist da doch.

Die Fragen, die ich hier nur gern den Freiberg-Kennern stellen möchte: Sind solche Stufen mit gut ausgebildeten Oktaedern auch von Freiberg (wenn auch selten) bekannt? Und kam Argentit mit Kernen von Pyrargyrit (oder Proustit) vor?

GA, Maik

Offline Walpurgin

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Re: Frage zu Argentit aus Freiberg
« Antwort #1 am: 17 Oct 13, 12:48 »
Oktaeder sind durchaus vorgekommen aber die Masse an Akanthit waren eher derbe Massen, Bäumchenaggregate oder unförmige Kluftflächenbeläge.
Das Silber in Freiberg kann durchaus Hg Werte haben, das hatte ich letztens erst irgendwo gelesen und das irgendwo auszischliessen würde ich mir jetzt nicht unbedingt zutrauen.
Aus Marokko waren aber solch Argentite durchaus des öfteren ziemlich preiswert zu bekommen. Frag doch mal den Collector welche Paragenese bzw. Spurenelemente  die Imiter Argentite haben.

Offline Alcest

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Re: Frage zu Argentit aus Freiberg
« Antwort #2 am: 17 Oct 13, 13:23 »
Die Verwechslung Quarz-Calcit ist in Sammlungen gar nicht so unüblich - das würde ich nicht unbedingt als Ausschlusskriterium sehen. Beim Rest klinke ich mich aus.

Offline openpit

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Re: Frage zu Argentit aus Freiberg
« Antwort #3 am: 18 Oct 13, 16:14 »
Hallo Maik,

die "Eindeutigkeit" Deiner Aussage:

Vom Aussehen würde ich das Teil Marokko zuordnen. Bei einem ähnlich gelagerten Fall vor einigen Monaten konnte ich das eindeutig nachweisen, da eine EDX klar Quecksilber nachwies, welcher typisch für Imiter wäre. Die jetzige Stufe zeigt allerdings kein Quecksilber.

wage ich anzuzweifeln. Quecksilber ist in zahlreichen Silbervorkommen kein untypisches Element. Man schaue sich nur einmal die Vorkommen von Kongsbergit an.
Über das Freiberger Revier habe ich bisher noch keine Arbeit gesehen, die sich mit Quecksilber im hiesigen Silber beschäftigt. In der Dissertation von BAUMANN wird zwar die Sphalerite aller Paragenesen auf ihren Hg-Gehalt hin untersucht, vom Silber (-glanz) ist jedoch nichts diesbezüglich zu finden. Offen zugegeben nehme ich mir seit einem halben Jahr vor, den Analytikteil der genannten Arbeit  durchzuschauen, um die Frage zu klären, ob überhaupt danach gesucht worden ist.
Da die edlen Geschicke vermutlich eine epithermale Bildung darstellen sehe ich prinzipiell kein Problem darin, weshalb Ag hier keine Amalgame bilden sollte.

Glück Auf!
Micha

Offline Frauensteiner

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Re: Frage zu Argentit aus Freiberg
« Antwort #4 am: 19 Oct 13, 10:47 »
Danke für die verschiedenen Hinweise. Ich werd' mal weiter graben, was ich noch an Daten finden kann. Was mich eben noch stutzig machte, ist, dass das Etikett "auf Quarz" vermerkt, aber der Hauptteil (90%) nur Argentit ist und dann der Pyrargyrit, der auf dem Etikett gar nicht erwähnt wird. Bezüglich des Quecksilbers und Imiter, das Wort "eindeutig" war da wohl falsch gewählt. Bei der erwähnten früheren Stufe passte es eben eher mit dem Quecksilber und Imiter und dem Erscheinungsbild, und von FG war es mir nicht bekannt.

Tja, wäre schön, wenn Mineralien so etwas wie eine DNS hätten, an der man die Herkunft genau bestimmen kann.  ;)

GA, Maik

Offline Alcest

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Re: Frage zu Argentit aus Freiberg
« Antwort #5 am: 19 Oct 13, 11:05 »
Haben sie teilweise! Beispielsweise beim Coltan (Columbit-Tantalit) sammelt und analysiert die BGR Proben verschiedener Lagerstätten, um den Chemismus von Erzen fragwürdiger Herkunft bestimmten Lagerstätten zuordnen zu können. Damit soll die Verwendung von Erzen aus Kriegsgebieten o.ä. eingedämmt werden. Die Seite rruff.info (sic!) sammelt ebenfalls Analysen von Mineralen mit gesicherter Herkunft.

Offline openpit

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Re: Frage zu Argentit aus Freiberg
« Antwort #6 am: 20 Oct 13, 19:46 »
Hallo Maik,

der Form halber sei noch erwähnt, dass Du kein Argentit sondern maximal einen Akanthit paramorph nach Argentit vor Dir hast. Dem Argentit sollte es entschieden zu kalt sein.

@ Alcest
Dem "chem. Fingerabdruck" der "Coltane" traue ich erst recht nicht über den Weg, zumindest in der Form, wie er in den Medien präsentiert wird. Die entsprechenden Aggregate sind mitunter zoniert und ein paar Übersichtsmessungen sind da wenig hilfreich. Hierfür wären, meiner Auffassung nach, neben einer Charakterisierung von "Gangarten" und verwachsener Phasen ebenfalls Untersuchungen der Isotopen notwendig. Und das in jeder Lagerstätten für verschiedene Zonen ...

Glück Auf!
Micha

Offline Alcest

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Re: Frage zu Argentit aus Freiberg
« Antwort #7 am: 20 Oct 13, 21:27 »
Der Versuch ist zumindest schonmal da. Wäre das System perfekt, könnte sich bestimmt niemand mehr ein Handy leisten...

In Einzelheiten habe ich mich zugegebenermaßen noch nicht eingelesen, weshalb ich an dieser Stelle keine Diskussion entflammen lassen kann.

 

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