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Autor Thema: selektives Säuern von Calcit und Kalkkrusten  (Gelesen 4187 mal)

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Offline skibbo

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Hallo,

ich habe eine Handstufe mit vereinzelten Calcitgruppen auf Quarz, die teils beschädigt sind. Zudem sind stellenweise dünne Kalkkrusten auf der Stufe. Mich würde nun interessieren, wie ich diese selektiv entfernen kann, ohne dabei unbeschädigte Calcite anzugreifen. Ich dachte daran, die intakten Kristalle mit einem Wachsüberzug oder einem wasserunlöslichen Lack, den man anschließend mit Aceton entfernen kann, zu bedecken und die Stufe punktuell mit HCl zu betröpfeln. Ein Säurebad würde ich nicht riskieren wollen.

Hat irgendwer so etwas schon mal probiert?
Ich würde mich über Tips und Anregungen zu diesem Problem freuen.

Grüße
Stefan
« Letzte Änderung: 04 Mar 14, 17:10 von skibbo »

Offline Axinit

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Re: selektives Säuern von Calcit und Kalkkrusten
« Antwort #1 am: 04 Mar 14, 18:07 »
Servus,

das Abdecken bestimmter Bereiche mit Wachs um diese vor chemischen Angriff zu schuetzen, ist eine uebliche Technik bei der Fossil-Praeparation. Allerdings werden dort meist keine Saeuren, sondern Laugen (d.h. festes Kaliumhydroxid) eingesetzt. Das Prinzip ist jedoch identisch.

Das (restlose und fleckenfreie) Entfernen des Wachses kann ein Problem sein, da dies optimalerweise den Einsatz von Loesungsmitteln erfordert. Bienenwachs laesst sich z. B. hervorragend mit Xylol aufloesen. Xylol-haltige Formulierungen sind uebrigens (in kleinen Mengen) freiverkaeufliche Drogerieprodukte, um z. B. Ohrenschmalz zu entfernen  ;D.

Paraffinwachs ist in halogenierten Loeungsmitteln gut loeslich (giftig, evtl cancerogen und verm. nur schwer zu bekommen), Toluol oder Xylol sind wahrscheinlich auch geeignet (beides sind gesundheitsschaedliche, entzuendliche aromatische Kohlenwasserstoffe deren Bezug verm. auch Probleme bereitet).

Es ist evtl. moeglich,  mit Baumarkt-ueblichem Terpentinersatz das Schutzwachs wieder zu entfernen. AUSPROBIEREN !

Viel Erfolg beim Probieren

GA

Harald

P.S.: Natuerlich gehe ich davon aus, dass Du Dich beizeiten ggf. ueber evtl. Risiken und geeignete Schutzmassnahmen informierst (bei Fragen gerne per PM).

Offline ManuelM

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Re: selektives Säuern von Calcit und Kalkkrusten
« Antwort #2 am: 04 Jun 14, 19:33 »
Als wilde andersrm-Taktik:
Anstelle das, was nicht geätzt werden soll, abzudecken, wie wäre es eine verdünnte (= nicht dampfende) HCl Lösung zu verdicken, und dann als eine Art Gel punktgenau zu platzieren? Kalk löst sich ja super, so dass eine starke Verdünnung und kurze Einwirkzeit, also mit kurzer "das Gel wandert über die ganze Stufe" Zeit.
Natürlich kann man beide Ansätze kombinieren.
Welche Geliermittel im stark Sauren funktionieren, keine Ahnung..

Nur so ein Schnapsgedanke!

Manuel

Offline cmd.powell

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Re: selektives Säuern von Calcit und Kalkkrusten
« Antwort #3 am: 06 Jun 14, 00:33 »
Hallo Stefan

Kurz: Keine Chance. Ich habe das schon keine Ahnung wie oft bei angeschlagenen Calciten vom Winterberg versucht, aber weder verdünnte noch konzentrierte Salzsäure lassen sich so gezielt auftragen, das es nur zur punktuellen Ätzung kommt. Das Problem ist, das es unweigerlich Bläßchen gibt und wenn die platzen, spritzt immer etwas Säure auf den Rest des Calcits (es bildet sich auch ein leicht ätzender Nebel, welcher unmöglich zu kontrollieren ist). Je nach Oberfläche und Glanz sieht man das gnadenlos. Wenn überhaupt, dann mit stark verdünnter Säure (>= 1%) und immer nur die entsprechenden Stellen sanft betupfen. Nach jedem Betupfen muss die Stufe gewässert und vollständig getrocknet werden. D.h., Du gibts vielleicht 0.1ml 1% HCl auf die angeschlagene Stelle, wartest kurz, spülst die ganze Stufe gründlich ab und lässt ein paar Stunden trocknen. Und dann die nächste Runde. Dauert natürlich ewig und der Erfolg ist leider nicht garantiert, zumal sich jeder noch so kleine Fehler böse rächt.
Abdecken mit Wachs o.ä. habe ich nie versucht, allerdings steht hier zu befürchten, das man dann an den Stellen, wo die Schutzschicht endet, scharfe Ätzkonturen bekommt die zur Verbesserung der Optik sicher auch nur wenig beitragen.

Offline felsenmammut

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Re: selektives Säuern von Calcit und Kalkkrusten
« Antwort #4 am: 06 Jun 14, 08:56 »
Glück Auf!

Die Variante mit dem Abdecken der nicht zu ätzenden Bereiche mittels Wachs habe ich bereits mehrfach erfolgreich anwenden können. Dabei handelte es sich z.B. um Amethystdrusen, die in einer Achatmandel steckten und mit Calcit gefüllt waren. Da der Zwischenraum von  Achatmandel und dem Nebengestein, bzw. die Hülle der Achatmandel ebenfalls aus Karbonaten bestand und diese Schicht wegen der Attraktivität der Stufe erhalten bleiben musste, habe ich bis auf den calcitgefüllten Drusenbereich die gesamt Stufe eingewachst. Das aussäuern erfolgte meist mit deutlich verdünnter Salzsäure, damit man den Gesamtlöseprozess überwachen kann und sieht, wo die Gasentwicklung stattfindet. Solange die Gasentwicklung im Sollbereich stattfand, wurde das Aussäuern fortgesetzt. Sobald Bereiche betroffen waren, die erhalten bleiben sollten, wurde der Löseprozess abgebrochen, die Stufe gewässert und getrocknet und die Wachsschicht erneuert/ergänzt/repariert. Anschließend konnte das Aussäuer fortgesetzt werden. Nachdem alles Aufzulösende gelöst wurde, kam die Stufe in ein Wasserbad, welches soweit erhitzt wurde, dass sich das Wachs löst. Aufgrund der geringen Dichte, schwimmt das Wachs auf der Wasseroberfläche. Lässt man das Wasserbad dann abkühlen, kann man das Wachs gefahrlos von der Wasseroberfläche schöpfen und die Stufe entnehmen. Gegebenenfalls muss man die Prozendur zum Wachsentfernen mehrmals wiederholen. Anschließend sind die Stufen noch angemessen zu wässern, um die Säurereste zu entfernen.
Bei einigen Stufen hat die Methode einwandfrei funktioniert, bei anderen war es ein reines Fiasko (Wachs hält nicht, Säure kriecht in Bereiche die nicht gelöst werden sollen, CO2 kriecht zwischen Stufe und Wachs und löst dadurch Letzteres ab, bröselige Stellen an der Stufe, Herausfallen einzelner Kristalle, Wachs will sich nicht von der Stufe lösen,...). Salzsäure ist nur bedingt eine gute Wahl. Selbst kleinste Ritzen, die vielleicht noch mit Calcit gefüllt sind, werden freigelegt. Dabei können Wegsamkeiten geschaffen werden zu Bereichen, die nicht gelöst werden sollen. Der Gasdruck durch das entstehende CO2 kann zusätzlich schädigend auf die Stufe einwirken und die Löseprozesse an den nicht geplanten Stellen beschleunigen. Besser geeignet als Salzsäure sind daher größere Säuremoleküle, bzw. deren Lösung eine höhere Viskosität aufweist, z.B. Essigsäure. Dadurch wird der Stoffaustausch in engen Kapilaren und Ritzen gehemmt.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Offline Kay

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Re: selektives Säuern von Calcit und Kalkkrusten
« Antwort #5 am: 21 Aug 14, 09:37 »
Hallo Stefan,

dünne kalksinter lassen sich durch Wasser, dass mit Kohlendioxid gesättigt ist,
sanft weglösen.
Habe ich aber bisher noch nicht gemacht, sondern nur als Tipp gelesen.

Gruß
Kay

 

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