Es ist interessant, dass immer wieder über den bestgeeignetsten Hammer und die Art und Anzahl der Meissel hier diskutiert wird. Gerne wiederhole ich meine Erfahrung, die im übrigen beinahe alle der vorgesagten Inhalte beinhaltet. Denn es ist grundsätzlich eine Frage wo, d.h. in welchem Gestein ich arbeite und welche Präferenzen ich bei der Arbeit habe.
Estwinghämmer sind robust und langlebig und lassen bei gut gezielten Schlägen hohe Energie auf den Meissel zu, eignen sich aber beispielsweise nicht gut zum formatieren von harter spröder Matrix, weil die Schlagkannten an den gerundeten Hammerköpfen fehlen. Da ist eine "klassische" Form mit Kunststoffstiehl (keine Billigware) besser. Also bleibt die Frage, für welchen Zweck ich den Hammer brauche. Ich persönlich habe die Estwing nur noch im Keller und benutze klassische Hämmer. Mehrzahl, da immer wieder mal einer bei einer Kluft gelassen werden muss, was ein weiterer Grund ist, weshalb ich nicht die teuren Estwing nutze.
Die Meissel von Estwing kann gerne einer bei mir abholen, die sind für meine Anwendungsgebiete unbrauchbar.
Die klassischen Meissen gibt es in Chrom-Vanadium-Stahl (CVS) und anderen Legierungen oder als einfache Stahl-/Eisen-Meissel. Die CVS-Meissel sind sehr langlebig und nutzen sich nicht so schnell ab, sind aber spröde und nicht geeignet, um in nicht gerade verlaufenden Spalten zu arbeiten (Bruchgefahr). Zu harte Schläge, z.B. mit einem Schlegel, stecken sie auch nicht so leicht weg und brechen gerne. Zudem sind sie nicht gut nachschmiedbar. Für den Einfachen Gebrauch kann man sie hingegen nachschleifen, dürfen dabei aber nicht zu heiss werden.
Ich habe einen guten Schmied zur Hand, der mir meine ganz gewöhnlichen Stahl-/Eisen-Meissel genau richtig spitzt und Härtet, nur der vorderste Spitz wird gehärtet und der Rest bleibt verformbar. So kann ich den Meissel auch für Spalten benutzen, in denen CVS-Meissel brechen würden. Bedingt natürlich, dass man immer mal wieder seine Meissel zum Schmied bringen muss. Je nach Zielgebiet habe ich mal die einen, mal die anderen Meissel dabei oder gar beide Typen.
Fazit: Es ist wichtig, dass jeder seine Erfahrungen selbst macht, beginnend auf den Erfahrungen aller vorgehenden guten Beiträge in diesem Treat. Es gilt die für seinen Nutzungsbereich geeignetsten Werkzeuge zu finden. Aber, gute Funde sind nicht vom Werkzeug abhängig, sondern davon, dass man auch wirklich ins Feld geht.
Grüessli
Christian