Glück Auf!
Lässt sich die Bläschenentwicklung auf ausgasende Hohlräume, die sich mit Flüssigkeit füllen, zurückführen? Wurden die Stücke vorher gewässert oder gleich in die Säurelösung getaucht, bzw. die Säurelösung auf die trockenen Stufen geschüttet? Sind die Bläschen an der Oberfläche der zu entfernenden Krusten entstanden, allmählich größer geworden und schließlich in der Lösung aufgestiegen? Falls letztere Frage mit ja zu beantworten ist, deutet das darauf hin, dass hier Karbonate von der Oxalsäure zersetzt wurden. Die meisten Karbonate enthalten eine gewisse Bandbreite an Kationen. Hier besteht die Gefahr, dass sich schwerlösliche Oxalate bilden. Sollte es sich bei den Kationen in dem hier vorliegenden Fall zumindest anteilsmäßig um Calcium handeln, so könnte sich mit einiger Wahrscheinlichkeit Weddellit gebildet haben. Dies wäre dann als Züchtung bei der Etikettierung der Stufen zu kennzeichnen. Alternative Mineralbildungen wie z.B. Humboldtin lassen sich hier im Lexikon nachschlagen. Die Vermutungen zu den Mineralbildungen müsste aber durch geeignete Analyse bestätigt werden.
Die Behandlung mit Oxalsäure scheint hier nicht sinnvoll zu sein. Problemlösungsansätze zum Entfernen der gelben Kruste (Oxalate) wären folgende.:
- mehrmaliges, abwechselndes, mehrere Stunden langes Kochen der Stufen im Wasser, Abkühlen lassen in einem anderen Behälter mit ebenfalls zuvor kochendem Wasser und mechanisches Reinigen mittels Bürste oder Ähnlichem je nach mechanischer Belastbarkeit der Stücke. Das ganze funktioniert zum Einen dadurch, dass die schlechtlöslichen Oxalate zwar langsam aber in kleinen Mengen eben doch gelöst werden und das in heißem Wasser besser als in kalten und zum Anderen, dass ein Teil der Oxalate zersetzt wird. Die Stücke müssen dazu einigermaßen temperaturfest sein. Trotzdem sollte die Temperaturänderung für die Stücke allmählich erfolgen, d.h. die Stücke zusammen mit dem Wasser erhitzen und abkühlen lassen. Schockartige Temperaturänderungen (kalter Stein in heißes Wasser oder heißer Stein in kaltes Wasser) kann insbesondere bei Quarz zur Rissbildung führen. Zum Kochen immerwieder neues, möglichst kationenfreies Wasser verwenden, damit im Endeffekt mehr Oxalat in Lösung geht als sich wieder abscheiden könnte. Der Umgang mit heißen Flüssigkeiten erfordert einen geeigneten experimentellen Aufbau, um Verletzungen vorzubeugen.
- Das ganze geht auch eine Stufe kälter, dauer aber viel länger. Man kann die Stücke zum Beispiel in der Regentonne platzieren oder im Spühlkasten der Toilette. Letzteres ist aber nur ratsam bei entsprechend geringen Gehalten an Kationen, die schwerlösliche Oxalate bilden könnten. Falls ein Fließgewässer verfügbar ist, kann man die Stücke auch darin für einige Zeit vergessen. Ansonsten gilt das gleich wie bei dem Spühlkasten.
- Konzentrierte Essigsäure mobilisiert die Kationen in den Oxalatkrusten. Das ganze dauert aber auch eine ganze Weile (Wochen). Karbonate werden von der Methode in Mitleidenschaft gezogen. Da das Ganze recht geruchsintensiv ist und aufgrund der Endzündlichkeit der Essigsäure nicht ganz so gefahrlos ist, sollte es besser im Freien gemacht werden in einem geschlossenen Behälter. 60prozentige Essigsäure könnte für den Zweck dienlich sein. Diese Methode habe ich allerdings noch nicht ausprobiert.
- Konzentrierte Salzsäure löst die Oxalatverbindungen auf, greift aber auch vieles andere an. Quarz ist an für sich stabil gegen Salzsäure, kann aber nach einer Salzsäurebehandlung unansehnlich werden, da andere Minerale an der Oberfläche ein- oder aufgewachsen waren. (weiteres dazu siehe Beitrag von koibonsai)
Eine wichtige Regel, wie oben schon genannt, ist das Ausprobieren der angestrebten Methode an Versuchsstücken. Da man häufig über die wahre mineralogische Zusammensetzung der zu entfernenden Krusten nur spekulieren kann, gibt es zum Teil sehr verblüffende Reaktionen. Desweiteren ist es ratsam Erfolg und Misserfolg in einer eigenen "Reinigungsdatenbank" zu notieren, um bei erneuten Testreihen an späteren Mineralfunden gleich ein Schritt weiter zu sein. Ähnliche Krusten auf gleicher, zu befreiender Mineralart auf Stücken vom gleichen Fundort lassen sich meist mit gleicher Methode erfolgreich entfernen. Ähnlich aussehende Krusten auf Stufen von unterschiedlicher Herkunft oder verschiedenen zu befreienden Mineralen können völlig unterschiedliche Reinigungsmethoden erfordern.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut