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Autor Thema: Pseudomorphose nach Linarit  (Gelesen 3508 mal)

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Offline loparit

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Pseudomorphose nach Linarit
« am: 23 Jun 14, 21:29 »
Hallo in die Runde!

Ich bin gerade dabei Material von der Halde der Grube Friedrichssegen (von 1981) aufzuarbeiten. Dabei habe ich nun Pseudomorphosen eines Minerals nach Linarit gefunden. Ich habe auf dem Stück Kristalle die von beige, grauweiß bis weiß leicht transparent gehen. Ebenfalls sind noch Kristalle vorhanden bei denen noch Teilweise die blaue Farbe des Linarits zu erkennen ist.
Hat jemand soetwas von dort gesehen bzw. bestimmen lassen. Oder kann jemand aus Erfahrung sagen das kann nur das und das sein. Ich werde die nächsten Tage versuchen noch ein oder auch mehrere Fotos zu machen!

Gruß
loparit

 

Offline Axinit

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Re: Pseudomorphose nach Linarit
« Antwort #1 am: 23 Jun 14, 22:04 »
Servus,

Linarit kann sich beispielsweise im Labor thermisch (Erhitzen auf 300 - 400 Grad Celsius) in Anglesit umwandeln. Es ist mir allerdings nicht bekannt, ob derartige Umwandlungen in der Natur stattfinden koennen und falls ja, unter welchen Bedingungen.

GA

Harald

Offline smoeller

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Re: Pseudomorphose nach Linarit
« Antwort #2 am: 23 Jun 14, 23:06 »
Hallo,

An Anglesit hatte ich auch gedacht. Allerdings ist mir kein Fall bekannt, in dem in der Natur Linarit in Anglesit umgewandelt worden wäre. Unter den ganzen Proben mit thermisch beanspruchten Bleierzen von Badenweiler, die ich gesammelt habe (mehrere hundert Stück), ist nichts vergleichbares. Linarit ist in Badenweiler stets als solcher vorhanden, allerdings weniger in den gefritteten Stücken, da liegt dann eher Caledonit oder Elyit vor. Wichtig ist die Angabe, ob das weiße Mineral trübe und eher körnig oder erdig im Bruch erscheint oder ob es klar ist und Spaltbarkeit/muscheligen Bruch zeigt. Pseudomorphosen sind eher ersteres.
Möglich wäre auch der Einschluss von Linarit in Anglesit (oder Cerussit).

Glück Auf!
Sebastian

Offline loparit

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Re: Pseudomorphose nach Linarit
« Antwort #3 am: 24 Jun 14, 08:43 »
Hallo,

nun die noch vorhandenen Kristalle sind eher trübe und sehr empfindlich. Beim knacken des Materials zerbrechen die Kristalle und sehen irgendwie eher porös aus. Es sind jedoch noch Kristalle vorhanden die komplett sind und man deutlich die typische flachtafelige Kristallform des Linarit erkennt. Eine Spaltbarkeit ist nicht zu erkennen. Das ganze sieht dann nach dem Bruch eher zersetzt aus. Wohl doch keine Pseudomorhose sondern eventuell nur verwitterte/angewitterte sich zersetzende Linaritkristalle.

Gruß
Edgar Müller -loaprit-

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Pseudomorphose nach Linarit
« Antwort #4 am: 24 Jun 14, 20:04 »
"Linarit kann sich beispielsweise im Labor thermisch (Erhitzen auf 300 - 400 Grad Celsius) in Anglesit umwandeln."

Was passiert dabei mit dem Cu?

Offline smoeller

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Re: Pseudomorphose nach Linarit
« Antwort #5 am: 24 Jun 14, 22:22 »
Hallo,

Das mit der direkten thermischen Umwandlung von Linarit in Anglesit kommt mir auch seltsam vor, zumal, wie gesagt, mir kein Fall bekannt ist, wo das eindeutig zu beobachten wäre.
Die Beschaffenheit der Kristalle spricht jedoch für einen Zersetzungsprozess. Das müsste eine eine Reaktion sein, wobei das Cu in Lösung ging. Cu ist in den meisten Fällen ein stark färbendes Kation, selbst Spuren färben Sulfate bereits intensiv blau/grün. Lediglich wasserfreie Kupfersulfate sind u. Umständen weiß. Löst man jedoch derartiges weißes Kupfersulfat in Wasser, so ist die Lösung kräftig blau, weil sich jedes Cu-Kation mit Wasseratomen umgibt.
Also entweder Wegführung von Cu (der Rest kann dann durchaus Anglesit bilden) oder aber völlig trocken (ohne Wasser bzw. OH- wie im Linarit). Ohne EDX oder zumindest XRD ist da nix zu machen.

Glück Auf!
Sebastian

Offline Axinit

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Re: Pseudomorphose nach Linarit
« Antwort #6 am: 25 Jun 14, 10:50 »
"Linarit kann sich beispielsweise im Labor thermisch (Erhitzen auf 300 - 400 Grad Celsius) in Anglesit umwandeln."

Was passiert dabei mit dem Cu?

Das Kupfer liegt nach der Zersetzung als Tenorit vor.

vgl. Dasgupta, Z. Kristallographie, 136 (1972) pp236.

GA

Harald


Offline Uwe Kolitsch

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Re: Pseudomorphose nach Linarit
« Antwort #7 am: 25 Jun 14, 17:46 »
Danke.

Offline openpit

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Re: Pseudomorphose nach Linarit
« Antwort #8 am: 25 Jun 14, 18:50 »
Hallo,

ergänzend hierzu ein Diagramm von Abdul-Samad et al. (1982) für das System Pb-Cu-SO4-OH.

Glück Auf!
Micha

Abdul-Samad, F. A., Thomas, J. H., Williams, P. A. [1982]: Mode of Formation of some Rare Copper(II) and Lead(II) Minerals from Aqueous Solution, with Particular Reference to Deposits at Tiger, Arizona. In: Transition Metal Chemistry, 7, pp. 32

Offline Axinit

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Re: Pseudomorphose nach Linarit
« Antwort #9 am: 25 Jun 14, 19:35 »
Servus,

interessant ! Hast Du zufaelliger den Artikel digital vorliegen ? Falls ja, koennte ich bitte eine Kopie haben, falls nein, muss ich doch unsere huebschen Bibliothekarinen bemuehen  ;D.

GA

Harald

Offline cmd.powell

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Re: Pseudomorphose nach Linarit
« Antwort #10 am: 02 Jul 14, 00:01 »
Hallo

Ich habe von der Glücksradhalde Pseudomorphosen von wahrscheinlich Tenorit nach - optisch der Kristallform nach - Linarit. Von der Form her typische Linaritkristalle, nur pechschwarz. Allerdings habe ich weder in den Pseudomorphosen noch daneben Anglesit gesehen (es kann jedoch sein, das dieser wegen des Tenorits nicht sichtbar ist, ich habe von den Pseudomorphosen bisher keinerlei Analysen gemacht). Möglicherweise wurden die Pb-Ionen vollständig weggelöst und nur das Kupfer blieb vor Ort. Achso, die Stücke kommen aus der legendären "Feuersetzparagenese" von dort. Auch Pseudomorphosen von wahrscheinlich Tenorit nach Malachit und - sehr selten - Azurit habe ich dort gefunden.
Leider hilft das nicht bei der Ursprungsfrage, was das Weiße sein könnte.