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Autor Thema: Scherbenkobalt  (Gelesen 3539 mal)

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Offline Alexopex

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Scherbenkobalt
« am: 20 Jun 14, 10:52 »
Hallo Leute,

ich war die letzten Tage mal wieder in Wittichen, vor allem am Schmiedestollen, unterwegs und habe einige nette Funde gemacht, unteranderem ein vermutliches Scherbenkobalt-Stück. Da ich bisher noch nicht dazu gekommen bin, gibts leider noch keine Fotos, falls sie nötig werden, werde ich natürlich welche machen.

Meine Frage ist nun, wie man Sherbenkobalt von Schlacke unterscheiden kann, da die Bilder die ich gefunden habe, teils sehr ähnlich wie von mir bereits gefunden Glasschlacke aussehen. Zum Aussehen: Das Stück ansich ist etwa 5 x 5 x 1,5 cm groß, wobei nur ein Teil von etwa 2 x 2 cm die charakteristische nierige, blasige Aggregate aufweißt. Die Farbe des Stücks ist allgemein eher dunkel, rotbräunlich. Die blasenartigen Strukturen sind bräunlich bzw. bleifarbend und weißen einen metallischen Glanz auf. Frische Bruchstellen sind weiß, glänzend.
Das Stück reagiert, auch auf meinen särksten Magneten nicht. Der Bruch ist typisch scherbenartig, wie im Internet beschrieben.

Eig. hätte ich das Stück sofort als Schlacke erkannt, allerdings habe ich viele Faktoren gefunden, die für das Scherbenkobalt sprechen, gerade sowas wie: "Hydrothermale Gänge und Lagerstätten mit anderen As-Mineralien; manchmal in Co-Ag-Gängen".

Hoffe ihr könnt mir bei der Bestimmung helfen.


Mit freundlichen Grüßen

Alex

Offline raritätenjäger

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Re: Scherbenkobalt
« Antwort #1 am: 20 Jun 14, 11:06 »
Hallo,

für einen aktuellen Haldenfund wäre das für dieses Revier ein enorm großes und reiches Stück. Meines Erachtens etwas zu groß, als dass es tatsächlich Arsen ist, aber man weiß ja nie... Ein Bild wäre daher sicher hilfreich.

Gruß
Andreas

Offline smoeller

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Re: Scherbenkobalt
« Antwort #2 am: 20 Jun 14, 12:46 »
Hallo,

Foto wäre hilfreich.

Arsen ist in Wittichen eher untergeordnet. Die meisten angeboten Stücke stammen aus Untertagefunden. Das Material ist dicht bis äußerst feinkörnig, grauschwarz und sitzt in rötlichem bis rosarotem Baryt. Das Material, was man auf den Halden findet, ist meist zersetzter "Speiskobalt" (Skutterudit), der oft mit Zersetzungsprodukten wie Arsenolith, Erythrin und evtl. Heterosit gemengt ist (sog. Erdkobalt). Bräunliche Krusten sind oft Pitticit (gelförmiges Eisenarsenatgemenge) oder wenn blättrig Arseniosiderit. Selten findet sich darin auch Silbererz, v.a. ged. Silber oder Proustit.

Schmiedeschlacke wäre möglich, aber die hat größere Blasenhohlräume im Inneren, ist eher schwärzlich und wie Glasscherben. Zudem sollte sie, da es sich um Eisenschmieden handelte, zumindest schwach magnetisch sein (muss jedoch nicht immer, wenn es nur Glas ist).

Glück Auf!
Sebastian

Offline Alexopex

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Re: Scherbenkobalt
« Antwort #3 am: 21 Jun 14, 01:26 »
Hallo Leute,

hatte heute durch Zufall die Chance, eine Neodym-Magneten zu bekommen, um meine Stücke nochmal zu testen. Dabei stellte sich heraus, dass die meißten Stück tatsächlich minimalen Magnetismus aufwießen. Ein anderes, welches eig. gleich aussieht, reagierte nicht, was nichts heißen soll, allerding besitzt dieser auf der Oberseite kleine bis zu 2 mm große dunkel, rotbraune Täfelchen. Werde Morgen noch Fotos machen.

Könnten diese Tafeln evtl. Schlackenminerale sein ?


Mit freundlichen Grüßen

Alex

Offline raritätenjäger

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Re: Scherbenkobalt
« Antwort #4 am: 07 Jul 14, 12:51 »
Hallo,

ja, da käme als Schlackenmineral z.B. Akermanit infrage.

Gruß
Andreas

Offline smoeller

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Re: Scherbenkobalt
« Antwort #5 am: 07 Jul 14, 14:52 »
Hallo,

Bei den tafeligen rotbraunen Schlackenmineralen handelt es sich meist um Pseudomorphosen von Eisenhydroxiden (Siderogel oder schlecht kristalliner Lepidokrokit/Goethit) nach Ferrihydrit.

Glück Auf!
Sebastian

Offline raritätenjäger

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Re: Scherbenkobalt
« Antwort #6 am: 08 Jul 14, 10:59 »
Das ist noch wahrscheinlicher, ja :D

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Scherbenkobalt
« Antwort #7 am: 08 Jul 14, 11:47 »
"Bei den tafeligen rotbraunen Schlackenmineralen handelt es sich meist um Pseudomorphosen von Eisenhydroxiden (Siderogel oder schlecht kristalliner Lepidokrokit/Goethit) nach Ferrihydrit."

Sargförmige bis rechtwinklig-lattige rotbraune bis bräunliche (primäre) Schlackenminerale sind größtenteils oberflächlich oxidierter Fayalith, seltener Kirschsteinit.
Sechsseitige, zu Krusten verwachsene rotbraune bis gelbbraune dünne Täfelchen sind fast immer Pseudomorphosen (von Goethit oder röntgenamorphen Fe-Hydroxiden) nach dem, was man früher "Green Rust" genannt hat (Fougèrit u.ä.).

Offline Alexopex

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Re: Scherbenkobalt
« Antwort #8 am: 09 Jul 14, 20:42 »
Hallo,

ist mir jetzt ja schon ein bisschen peinlich - habe den Beitrag völlig vergessen  :-\ Trotzdem dachte ich mir, lieber später die Bilder als gar keine und so habe ich gestern zunächst mal zwei gemacht.

Das 1. Bild zeigt ein Mineral (?) welches sich auf der Rückseite eines Schlackenstückes befindet. Es ist mit dem Fingernagel ritzbar, die Bildbreite liegt bei etwa 1,5 cm. Hat jemand eine Idee um was es sich handeln könnte

Das 2. Bild zeigt eines meiner angesprochenen, tafligen Minerale, die sich in einer Vertiefung gebildet haben (auf dem gleichen Stück). Die anderen haben noch einen rostig-roten Überzug, liegen allerdings nicht so gut wie dieser, weshalb ich diesen fotografiert habe. Die gelben Minerale sind noch auf einigen anderen Tafeln zu sehen. Bilbreite liegt bei 2 mm. Gleiche Frage wie bei Bild 1.

Das Schlackestück zeigt eine deutlich erhöhte Radioaktivität, kann man so pauschal sagen, um was es sich handeln könnte, damit ich danach schauen könnte.


Hab noch ein paar andere Fragen (+Bilder), wollte das thema aber nicht vollspamen, also wenns i.O. würden noch paar kommen.


Mit freundlichen Grüßen

Alexander

Offline Schatten

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Re: Scherbenkobalt
« Antwort #9 am: 10 Jul 14, 06:28 »
Hallo Alexander,

das (auf dem ersten Bild) sieht verdächtig nach einem Holzkohlenstück aus. Nicht ungewöhnlich bei alten Schlacken.

Gruß
Silvio

Offline smoeller

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Re: Scherbenkobalt
« Antwort #10 am: 10 Jul 14, 08:56 »
Hallo,

Das erste ist Holzkohle. Habe ich schon öfter mal in der Schmiedestollenhalde gefunden. Schmiedefeuer wurden in den vergangenen Jahrhunderten immer mit Holzkohle gefeuert, Steinkohlen kamen überhaupt erst im 19. Jhd. in Süddeutschland richtig auf, vorher waren sie dort einfach zu selten und wegen der vielen Grenzen und der Transportmöglichkeiten (nur Fuhrwerke!!) auch nicht preiswert zu beschaffen.

Die gelblichen und rötlichen Sachen sind, wenn nicht nur Glas, irgendwelche Eisenhydroxide (Siderogel/Lepidokrokit/Goehit). Da kann man schwer sagen, was es genau ist, zumindest ohne Röntgen, und auch dann ist wegen breiter Reflexe (schlecht kristallin) meist kaum was zu machen.

Die Urangehalte dürften aus der Halde stammen und entweder an die Eisenhydroxide oder die Kohle gebunden sein. Echte Uranminerale sind mir aus den Schlacken bisher nicht bekannt.

Glück Auf!
Sebastian

 

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