Hallo Philip, (diesen Beitrag solltest Du Dir besser ausdrucken..

) ..
Damit wir alle etwas davon haben, hier meine Ergebnisse zu den 3 MM's, die Du mir zuschicktest..
..alles ohne Gewähr..

Vorbemerkung:
ich mache darauf aufmerksam, dass meine Untersuchung 'lediglich' eine vergleichende Betrachtung mit eigenem Material unter dem Mikroskop beinhaltete und als zusätzliche Hilfsmittel sämtliche in Frage kommenden Artikel samt Beschreibungen und Fotos in Lapis, Mineralienwelt und 'Der Aufschluss' verwendet wurden!
Ergebnisse:
1. MM: laut Etikett - Boleit, Diaboleit und Atacamit von Pacha Limani, Sounio-Rev., Lavrion in Schlacke
Die Schlacke selbst stammt eindeutig von Pacha Limani!
- Ich konnte winzigste hell-grünblaue, körnig-erdige Aggregate (roter Pfeil markierte Hohlraum) sowie tiefblaue Blättchen erkennen.
Dabei müsste es sich ziemlich eindeutig um Boleit - evtl. auch z.T. im Gemenge mit Diaboleit/Cumengeit handeln.
Auszuschließen ist aber auch nicht ein evtl. Auftreten von Connelit/Botallackit, die später noch als Schlackeminerale von Lavrion nachgewiesen werden konnten.
- Atacamit/Paratacamit, der winzige grüne Nädelchen zeigen sollte, konnte nicht von mir entdeckt werden! Ich würde diese Angabe demnach auf dem Etikett streichen.
2. MM: laut Etikett - Fiedlerit, Penfieldit, Phosgenit von Pacha Limani, Sounio-Rev., Lavrion in Schlacke
Die Schlacke selbst stammt eindeutig von Pacha Limani!
Ich konnte folgende Minerale erkennen:
- Paralaurionit-xx, farblos und transparent in typisch flachprismatischer Ausbildung (1-2 x),
- Laurionit-xx, farblos und dünnstengelig-nadelig bis dünnprismatisch - in Gruppen,
- ein Hohlraum mit typischen Aragonit-Nadeln (aber kein Tarnowitzit!),
- einen genau 1 mm (!!) messenden farblosen durchscheinenden, dicktafeligen Phosgenit-X (ganz sicher!) sowie
- weitere Phosgenit-XX - ein Kristall zeigt die für die Schlacken eher untypische prismatisch-säulige Ausbildung mit perfekt quadratischer Kopffläche (kein Penfieldit!!). Phosgenit ist ja tetragonal. Passt demnach auch.
- 1 einziger winziger Penfieldit-x der epitaktisch auf einem mir nicht näher bestimmbaren x aufgewachsen ist. Es handelt sich ganz eindeutig um Penfieldit, da farblos, 'dicker'-prismatisch und die Kopffläche typisch hexagonal ist! Passt!
- Nicht entdecken konnte ich den Fiedlerit, da keines der xx die typisch für Fiedlerit dünntafelige Ausbildung zeigte und auch keine mehr 'dreieckig' zugespitzte Kopffläche!
3. MM: laut Etikett - Senarmontit, Brizziit von der Antimon-Grube Le Cetine, Toskana
Ich erkannte:
- Gelbe Krusten von vermutlich Stibiconit im Gemenge mit Schwefel (größter Teil der MM-Partien!),
- Winzige < 1 mm orangene, diamantglänzende Senarmontit-Oktaeder, z.T. innig verwachsen. Es könnte sich um eine andere Generation von Senarmontit handeln als die weißen Oktaeder, die zusammen mit Mopungit und Cetineit vorkommen! Aber ich bin mir bei Senarmontit sicher! Es gibt meines Wissens dort kein anderes Mineral, das Oktaeder ausbildet!
- Fibroferrit (sehr verbreitet von Le Cetine) als winzige dünne, seidigglz. Blättchen bräunlicher Farbe, zu bäumchenartigen Aggregaten verwachsen!
- Weiße Krusten von eindeutig Mopungit (wie auf meinem Vergleichsstück!) aber in Paragenese bzw. hier im Gemenge von ebenso kalkweißem vermutlich Brizziit (!!) (siehe NM in Lapis 95/1, 54)..weiße Nadeln konnte ich in einem der zahlreichen Hohlräume auch entdecken!
Ich weise aber daraufhin, dass - nur um ein paar Beispiele zu nennen - auch z.B. Epsomit weiße Nadeln von Le Cetine bildet und Rozenit auch weiße Krusten bildet.
Zum Brizziit (gemäß o.g. Lapis-Quelle!)
- Das Natrium-Antimon-Oxid Briziit bildet perlweiße bis rosa, auch blassgelbe, perlmuttglz. Krusten aus winzigen transparenten, hexagonal-tafeligen xx < 0,1-0,2 mm !!!). Keine Fluoreszenz im UV-Licht. Brizziit soll von Le Cetine in Paragenese mit Mopungit und Stibiconit vorkommen.
Gruß Peter