Mineralien / Minerals / Minerales > Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals
Hydrothermale Erz- und Mineralgänge - warum senkrecht ?
smoeller:
Hallo Thomas,
Die wenigsten Gänge stehen exakt saiger, viele fallen steil mit 60-90°, aber es es gibt halt auch die, die viel flacher stehen. Letztlich hängt das Vorhandensein von Gängen von Schwächezonen und Beanspruchung im Gestein ab. Erinnere mich noch an das Untertagepraktikum im ersten Semester in Freiberg, da haben wir Klüfte vermessen, von denen standen auch kaum welche senkrecht.
Bin nächsten Monat wohl wieder in Bayern, evtl. können wir das dann abends mal diskutieren.
Glück Auf!
Sebastian
openpit:
Hallo,
da viele Gangerz-Lagerstätten in Verbindung mit granitischen Intrusionen stehen (und die Freiberger Lagerstätte u.a. auch als solche gedeutet wird) nachfolgend eine kurze Zusammenfassung aus der Dissertation von Prof. Baumann:
- erste Kluftsysteme während variskischer Orogenese durch "Biegebeanspruchung" der Erzgebirgsantiklinalen, diese jedoch heute (einzig?) als Gesteinsgänge
- postkollisionalle Magmenintrusion
- Abkühlung des Freiberger Plutons verursacht dessen Kontraktion und damit Öffnungsbewegung, wobei diese bedeutender ist als die eigentliche intrusionbedingt Extension ("passiver Intrusionsmechanismus"), Effusionen (hier Tharandter Wald-Komplex) tragen zusätzlich zur Kontraktion bei
- Spannungen sorgen für Ausbildung eines neuen Kluftsystems (Scher- und Fiederspalten) und gleichzeitigen Mineralisation dieser durch Wechselspiel von Kontraktion-spröder Deformation-hydrothermaler Aktivität
--- Zitat ---Da während der Mineralisation besonders die Fiederspalten mehrmals wieder erweitert wurden, ist für deren Öffnung immer eine Zerrung mit einer annähernd in den Fiederflächen liegenden ac-Ebene notwendig. Das dazu konstruierte b fällt immer nach der Seite de vermutliche Kontaktes des Freiberger Plutons. Diese mit B4 bezeichnte Richtungsachse verläuft ungefähr normal zur Kontaktfläche des erzgebirgischen Granits. In derselben wirkten die infolge der Volumenkontraktion hervorgerufenen Zugspannungen, welche die Öffungen der Gangspalten bewirkten.
--- Ende Zitat ---
Ergänzende Abbildung unten.
Zitat und Abbildung von Seite 85.
Glück Auf!
Micha
L. Baumann (1957): Tektonik und Genesis der Erzlagerstätte von Freiberg (Zentralteil). Dissertationschrift, Bergakademie Freiberg. 295 Seiten
oder etwas einfacher zu beziehen:
L. Baumann (1958): Tektonik und Genesis der Erzlagerstätte von Freiberg (Zentralteil). Freiberger Forschungshefte, C46, Berlin: Akademie Verlag Berlin. 208 Seiten
edit:
"Schwarze Raucher" sind mögliche Begleiter von VMS-Lagerstätten, welche sich durch Massivsulfide, Stockwerkvererzung und disseminierte Erze auszeichnen. Gänge sind dort eher untypisch.
giantcrystal:
Hallo aus Mittelfranken
danke für die vielen gut durchdachten Beiträge.
Trotzdem ist mir immer noch nicht ganz klar, warum es fast (fast !) immer nur steilstehende Erzgänge gibt. Ich denke da ein wenig weiter als Erzgebirge und Harz, zum Beispiel an Cornwall und verschiedene Reviere in den USA, Cobalt, Ontario, Hiendelaencina in Spanien, um nur einige zu nennen. Alles fast immer vertikale Mineralisationen. Auch im Schwarzwald, Wölsendorf und andere Flußspatreviere etc. etc.
Es erscheint mir einigermassen logisch, das ein von unten eindringender Pluton eine lokale Extensionstektonik verursacht, die zu +/- vertikalen Sprüngen oberhalb des Plutones führt, die anschliessend durch zirkulierende Lösungen mineralisiert werden (können).
Aber so ein Pluton muß ja keineswegs immer von unten eindringen, sondern kann auch seitlich Platz nehmen. und selbst ein ganz normaler aufsteigender Pluton hat "Seiten" an denen sich bei der Platznahme auch +/- horizontale Risse und Sprünge ausbilden müssten, die anschliessend ebenfalls mineralisiert werden und irgendwann im Zuge der Erosion in oberflächennahe Gebiete kommen.
Passiert aber anscheinend nicht oder nur ziemlich selten. Und die Frage bleibt : warum eigentlich nicht...?
Nochmals Danke für Eure Beiträge und Gedanken
Glück Auf
Thomas
P.S. Ach ja noch etwas : Schneeberg am Passeier ist keine hydrothermale Lagerstätte, sondern vermutlich eine metamorph überprägte und tektonisch zerstückelte Sedexlagerstätte
Stefan:
Hallo Thomas,
die Zirkulation die bereits von Helge erwähnt wurde ist doch eine Erklärung. Ja horizontaler ein Gang verläuft desto weniger Zirkulation ist zu erwarten.
Gruß Stefan
Uwe Kolitsch:
"Aber so ein Pluton muß ja keineswegs immer von unten eindringen, sondern kann auch seitlich Platz nehmen. und selbst ein ganz normaler aufsteigender Pluton hat "Seiten" an denen sich bei der Platznahme auch +/- horizontale Risse und Sprünge ausbilden müssten, die anschliessend ebenfalls mineralisiert werden und irgendwann im Zuge der Erosion in oberflächennahe Gebiete kommen."
Selbst dann spielt die geothermische Tiefenstufe eine Rolle: bei seitlicher Platznahme (Lagergang oder oberer Teil eines Lakkoliths) ist es oberhalb des Plutons im Vergleich immer kühler und daher anfälliger für Sprödbruch = Rissbildung. Risse unterhalb können daher auch schneller verheilen, sofern das Gestein noch relativ plastisch ist.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln