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zweifarbiger Lepidolith - Kristallisation
Embarak:
Hallo,
Auf der Munich-Show waren 2 flats mit "bicolor Lepidolite" aus Araçuaí (Arassuaí), Jequitinhonha, Minas Gerais, Südostregion, Brasilien aufgetaucht,
die der Händler meines Vertrauens mehr oder weniger komplett aufgekauft hat.
Für das Zustandekommen und die Kristallisation dieser Stufen (Neufunde) hatte keiner der beteiligten Händler eine Erklärung.
Ich auch nicht. Also ging das Recherchieren los.
Meine Bücher halfen nicht weiter und das web gab auch über Suchmaschinen nicht viel her.
Im Lexikon war dazu nix und bei mindat ist nur ein vergleichbares Bild mit passendem Fundort.
Dort wird die Stufe als "Inside Muscovite, outside Lepidolite" bezeichnet.
http://www.mindat.org/photo-294098.html
Etwas ergiebiger war diese Seite:
http://www.mwminerals.com/m3440_Bicolor_Lepidolite_Brazil.html
Dort wird allerdings angegeben, daß die Stücke analysiert seien und daß es zwei Generationen von Lepidolith seien.
Die Analysen seien von Luiz Menezes gemacht worden, einem Geologen und Mineralogen und Spezialist für Brasilien-Mineralien.
Leider ist nirgends eine Veröffentlichung darüber zu finden. Luiz Alberto Dias Menezes kann man dazu leider nicht mehr befragen,
da er im Juli 2014 verstorben ist.
Bei den Stufen handelt es sich um für Schichtsilikate/Glimmer typische Spaltscheiben, die unbearbeitet sind.
Lepidolith ist meist ein Mischkristall der Reihe Polylithionit-Trilithionit, dessen Farbgebung durch Li-Anteile bestimmt wird.
Polylithionit und Trilithionit sind monoklin.
Bei einigen Beispielen lässt sich die Kristallform des Polylithionit erahnen (siehe dort smorf-Abbildung Kristall Nr. P216ab (U. Baumgärtl)),
aber wie ist das häufige Auftreten von Rauten kristallografisch zu erklären?
Hat jemand dazu schon etwas in der Literatur entdeckt und kann mir entsprechende Zitate oder links zukommen lassen?
Habe die folgenden Beispiele ins Lexikon geladen.
Unten als Anhang noch ein kleineres Stück ( 75 x 50 x 4 mm ), das einmal - wie alle anderen - mit Auflicht fotografiert wurde
und zusätzlich mit etwas Beleuchtung von hinten, um die inneren Strukturen besser sichtbar zu machen.
zweifarbiger Lepidolith - Kristallisation
zweifarbiger Lepidolith - Kristallisation
kks:
--- Zitat von: Embarak am 16 Nov 14, 18:00 ---
aber wie ist das häufige Auftreten von Rauten kristallografisch zu erklären?
--- Ende Zitat ---
Hallo,
das ist einfach eine Verzerrung der idealen Kristallform. Beim Beispiel P216ab sind die Flächen (110) gleich groß, bei Deinem Bild zweite Reihe links schon nicht mehr, und wenn man noch etwas weiter verschiebt, verschwindet eben die Hälfte der (110)-Flächen. Nichts, was einen Kristallographen aus der Ruhe bringen könnte, solange die Winkel stimmen.
Gruß,
Klaus
(Kristallograph)
.
Embarak:
Hallo@Klaus,
Das war der Tip in die richtige Richtung. Danke ! :)
Wir hatten sogar über Pseudomorphosen spekuliert, aber biegt man bei seinen Überlegungen schon am Anfang falsch ab,
landet man in einer Sackgasse.
Der Kleber war so ziemlich das einzige Buch, in das ich nicht gesehen hatte.
-> Verzerrungen und das Gesetz der Winkelkonstanz !
Ich hatte die Beziehung zwischen Raute und den monoklinen, pseudohexagonalen Kristallen der Glimmer nicht erkannt.
Die verzerrten, pseudohexagonalen Kristallen der Phyllosilikate sind ja bekannt, aber erst bei konsequenter Weiterverschiebung
verschwinden 2 (110)-Flächen, wie Du richtig beschreibst.
Habe inzwischen noch ein schönes Lexikon-Beispiel (Biotit) für Verzerrung der pseudohexagonalen Kristalle bis zur Raute gefunden:
cmd.powell:
--- Zitat von: Embarak am 16 Nov 14, 23:18 ---Bliebe noch die Frage, wie es zum abrupten Farbwechsel bei dieser Zonierung kam
und ob jemandem die Analysen bekannt sind.
--- Ende Zitat ---
Ist in der Form auch erst mal nichts, was einem Kristallographen schlaflose Nächte bereiten würde: Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier um zwei zeitlich getrennte Kistallisationsphasen, in der ersten wurde der fast weißer Lepidolith gebildet, danach gab es möglicherweise eine Pause, in der keine weiter Kristallisation statt fand und schließlich wuchsen die vorhandenen Kristalle weiter, wobei offenbar die Zusammensetzung der Fluide variierte, so das eine andere Farbe entstand. Der erste Lepidolith diente so als Kristallisationskeim für den zweiten. Auch ein völliges wegfallen der Kristallisationspause ist denkbar, hier muss sich die Lösung schlagartig in der Zusammensetzung geändert haben. Das muss nicht wirklich viel gewesen sein, da Farbzentren bereits auf kleine Veränderungen reagieren können. Was sich da im Detail in der Zusammensetzung geändert hat, müsste man via Mikrosonde o.ä. in Erfahrung bringen. Dann könnte man auch mutmaßen, was sich während der Kristallisation abgespielt hat.
Uwe Kolitsch:
"Lepidolith ist meist ein Mischkristall der Reihe Polylithionit-Trilithionit, dessen Farbgebung durch Li-Anteile bestimmt wird."
Li ist nicht farbgebend in Lepidolithen oder generell in Mineralien. Was hier rosa färbt, ist Mn.
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