Hallo Sammlerfreunde,
An dieser Stelle möchte ich mal auf anwendungsbereite Dithionit-Zubereitungen hinweisen, die in jedem Drogeriemarkt für nur ein paar Euro erhältlich sind. Bisher habe ich 2 Produkte dieser Art gefunden (es wird sicherlich noch mehr geben):
"Dr. Beckmann Intensiv Entfärber"
und
"Heitmann Power Entfärber extra stark".
Beide Produkte scheinen nahezu identisch zu sein und bestehen laut Inhaltsangabe zu über 30% aus Natriumdithionit, einer Puffersubstanz (Natriumkarbonat) und enthalten wohl auch Komplexbildner ("Stabilisatoren"). Sie sollten daher der bekannten WALLERschen Lösung mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar überlegen sein.
Meine persönlichen Erfahrungen sind bisher noch gering aber durchweg verblüffend positiv, nachdem ich durch Zufall auf diese Präparate aufmerksam wurde:
Als ich ein paar Stufen über Nacht in Glasreiniger eingeweicht hatte, stellte ich zu meinem Erstaunen fest, dass einige Partien (Illit) die blaue Farbe des Glasreinigers förmlich aufgesogen hatten und nun tintenblau(!) waren. Nachdem ein Versuch auf oxydativem Wege (Clorix) erfolglos blieb, ging ich auf die Suche nach reduktiven Bleichmitteln und habe die 2 genannten Produkte gefunden, wobei sich meine Erfahrungen nur auf das erste der beiden beziehen:
Ich behandelte meine Stufen mit einer Lösung von knapp 50g (1/2 Beutel) in reichlich 1 Liter Wasser, erwärmte (mit den Stufen) auf ca.60 °C, ließ abkühlen und über Nacht ruhen. Das Ergebnis war, dass nicht nur die blaue Farbe wieder verschwunden war, sondern auch lehmige Beläge, die sich zuvor im Ultraschallbad nicht lösen ließen, nun mit Leichtigkeit zu beseitigen waren und meine Stufen -aus einer oberflächennahen Kontakt(Silikat)Paragenese- einen bergfrischen Eindruck machten.
Angeregt durch das erstaunlich gute Resultat unternahm ich auch einen Test mit Sekundärmineralen, der genau gegensätzlich zu meinen Erwartungen verlief: Cerussit, Anglesit und Mimetesit wurden stark angegriffen, während an Malachit kaum oder keine Veränderung zu beobachten war. Das bezieht sich jedoch auf die zuvor genannte (sehr hohe) Konzentration. Weniger konzentrierte Lösungen (ein paar Gramm pro Liter) habe ich noch nicht getestet, sollten aber schonender und -zumindest gegen Limonit- auch wirksam sein.
Zu der sonst viel geschmähten Geruchsbelästigung beim Gebrauch von Dithionit kann ich sagen, dass sich die bis auf einen "muffigen" Geruch nach Gully für mein Empfinden in Grenzen hielt. Solange dieser Geruch auftritt (bei mir mehrere Tage), ist die Lösung noch wirksam! Das Gefäß soll ohnehin verschlossen sein, da Luftsauerstoff die Wirksamkeit herabsetzt.
Die an anderer Stelle im Zusammenhang mit Dithionit beobachtete Schwarzfärbung der Stufen (durch Eisensulfid?) konnte auch von mir beobachtet werden, als ich die Stufen einige Zeit in der Lösung kurz unterhalb der Siedehitze behandelte. Offensichtlich wird der gebildete Komplex in der Hitze instabil. Deshalb ist bei heißer Anwendung Vorsicht geboten. Der Belag ließ sich jedoch durch eine kurze Behandlung mit Salzsäure wieder beseitigen, was bei meinen Stufen kein Problem war, da es sich um säure-resistente Silikate handelte.
Zum Verhalten von Calcit (evtl. Glanzverlust) kann ich noch keine Aussage machen.
Ich hoffe, dass ich durch diesen Beitrag einige Anregungen geben konnte und würde es begrüßen, wenn Ihr eure weiteren Erfahrungen mit diesen (oder anderen) Dithionit-Fertigprodukten hier in diesem Thema der Allgemeinheit mitteilen würdet.
Glück Auf
Thomas