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Granatvarietäten - Frage
Collector:
Seit kurzem wurden in der Nähe von Imilchil (Marokko) hervorragende idiomorphe, sehr scharfe Granat-Rhombendodekaeder in Pegmatiten gefunden.
Fast alle sind oberflächlich fast dunkelbrau-schwärzlich, im Kern jedoch tiefdunkerot, tw. kantendurchscheinend.
Als Seltenheit kommen jedoch auch bis mehrere cm-große olivgrüne bis dunkelgrüne Kristalle vor.
Frage an Granatspezialisten :
Gibt es -ohne chemische Analyse - Unterscheidungs- oder Bestimmungsmöglichkeiten, um die roten Granate als Pyrop, Almandin resp. Hessonit ; bzw. die grünen als Grossular oder ggf. als Demantoid zu zu definieren ?
gruss
collector
berthold:
Hallo,
nun, der Granatspezialist bin ich nicht, aber:
nein, ohne Analyse geht da sicher nichts. Besonders dann nicht, wenn die Kristalle zonar aufgebaut sind. Sehr starke Schwankungen der Zusammensetzung in den einzelnen Wachstumszonen sind nämlich nicht nur bekannt - sondern sogar häufig. Bei diesem Zonarbau unterscheidet man kontinuierlichen / diskontinuierlichen Aufbau. Und da ist selbst die (nass-) chemische Analyse nicht sonderlich hilfreich, weil sie nur einen Mittelwert liefert...
Gruß
Berthold
osito:
Hi
Auch ich bin bei weitem kein Granatspezialist, jedoch kann ich Berthold nur Recht geben. Ohne genaue chemische Analyse lassen sich die Granate nicht sicher unterscheiden. Zudem ist es tatsächlich so, dass eine Zonierung bei Granaten eher die Regel als die Ausnahme ist. Aber natürlich kann man sich oft auf gewisse Erfahrungswerte abstützen. Auch kann man hin und wieder vom Umgebungsgestein auf die Granatart schliessen.
osito
McSchuerf:
Außer den Röntgenstruktruranalysen (EDX, XRD) oder der Mikrosonde bleiben nur die Erfahrungswerte übrig wie osito schon richtig schreibt.
Das bedeutet für den Laien z.B., dass ein mehr dunkel-rotbrauner Granat aufgrund seines höheren Eisenanteils eher als Almandin angesprochen werden kann als z.B. als Pyrop bzw. 'Böhmischer Granat', der in der Regel heller rot ist. Dies gilt z.B. auch für die zahlreichen Rhodolithe (Almandin-Pyrop-Mischkristall) von Sri Lanka, die ich dort 1985 gefunden habe.
Außerdem spielt wohl auch die Fundregion sowie Paragenese (über Kenntnis der Entstehungsgeschichte des Minerals) eine wichtige Rolle. Daher weiß man z.B., dass man einen gelbgrünen Granat aus dem Fichtelgebige (Wurlitz) als Topazolith ansprechen sollte und nicht als Demantoid, der wiederum z.B. in den Albaner Bergen Italien 'beheimatet' ist oder als Uwarowit (siehe Indien, Russland).
usw..
Gruß Peter
Collector:
an alle
danke für die weiterhelfenden Antworten.
Die neuen Granat stammen aus den Intrusivmassiven nahe Imilchil im Hohen Atlas. Bisher wurden von dort nur schwarze Andradite aus Episyeniten im Kontakt zu Kalk-Dolomitgesteinen und grüne Grossulare aus Kalksilikatskarnen am Kontakt zu jurassischen Sedimenten beschrieben.
Die neuen dunkelroten Granate stammen aus Miarolen in Pegmatiten, wie gesagt, sind eben sehr dunkelrot und daher wohl keine Andradite (?). Die grünen Grossulare kommen auf und in Orthoklaskristallen vor, Begleiter sind winzige Magnetite.
Soweit ich das nachvollziehen kann, kommen Granate meist in kontakmetasomatischen Gesteinen sowie in kalksilikatischen Skarnen sowie in Metamorphiten vor.
Mehr ist zur Zeit nicht zur Petrographie und zur Paragenese zu sagen. Es hat jedoch den Anschein, daß diese neuen Granate allesamt aus Pegmatiten stammen. Über diese spezifische Entstehungsgeschichte, bzw. Bildungsvoraussetzungen für Granate in Pegmatiten habe ich leider keine Literatur ausfindig machen können.
gruss
collector
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