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Autor Thema: Wie heißt mein Stein? / Kalkstein  (Gelesen 3317 mal)

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Luc

  • Gast
Wie heißt mein Stein? / Kalkstein
« am: 19 Oct 15, 20:08 »
Hallo,

mein Name ist Luc, bin 7 Jahre alt und war mit meinen Eltern im Sommer
im Allgäu bei Oberstdorf im Urlaub. Dort habe ich in einem Fluß einen
besonderen Stein gefunden. Vorgestern war ich mit meinem Papa in Fellbach
bei der Mineralienbörse. Aussteller haben mir gesagt, dass ich meinen
Stein über dieses Forum bewerten lassen kann. Können Sie mir sagen, was das für
ein Stein ist und warum der so komische Furchen hat? Wie kamen die in
den Stein rein?

Vielen Dank für eure Hilfe!!!

Viele Grüße aus Schorndorf

Luc Wittenberger


PS: Mein Papa hat mir beim Schreiben etwas geholfen....

Offline Bode

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Re: Wie heißt mein Stein?
« Antwort #1 am: 20 Oct 15, 10:58 »
Hallo Luc,

das Foto ist etwas unscharf, die kleinen Bruchkanten deuten auf Flint hin. Mach doch mal eine Härteprobe, versuche den Stein mit einen Glasscherben zu ritzen, danach versuche mit einer scharfen Kante des Steines das Glas zuritzen, sollte das gehen ist es Flint oder Silex.
Melde dich mit dem Ergebnis.
Grüße
Georg Bode

Luc

  • Gast
Re: Wie heißt mein Stein?
« Antwort #2 am: 21 Oct 15, 14:14 »
Hallo Herr Bode,
ich habs heute versucht und konnte mit einer Scherbe den Stein zerkratzen. Andersum gings auch etwas. Dann ist es wohl  Flint oder Silex. Stimmt das, dass dies Feuersteine sind? Und wie kamen die Furchen in den Stein?

Grüße,

Luc

Offline Bode

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Re: Wie heißt mein Stein?
« Antwort #3 am: 21 Oct 15, 15:39 »
Hallo Luc,
ja, Feuerstein ist auch richtig, die anderen sind französische und englische Bezeichnungen. Das mit den Furchen kann ich dir nicht erklären, vielleicht kommt noch eine Antwort eines Geologen, über die Entstehung sieh doch mal hier nach.
https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/RockData?rock=Silex

Grüße
Georg Bode

Offline felsenmammut

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Re: Wie heißt mein Stein?
« Antwort #4 am: 21 Oct 15, 15:54 »
Glück Auf!

Wenn eine Glasscherbe den Stein ritz, ist der Stein wohl eher weicher als die Glasscherbe. Feuerstein dürfte dann aber nicht in Betracht kommen. Man könnte dann in Richtung Karbonatgestein (Kalkstein, Dolomitstein) spekulieren. Ein Karbonattest, üblicherweise mit Salzsäure, aber ersatzweise auch mit Essigsäure machbar, könnte hierüber Aufschluss geben.
Die Essigsäure gibt bloß keine aufschäumende Reaktion wie die Salzsäure, eine allmähliche Reaktion wie die Gasperlenbildung in einer Medium-Mineralwasser sollte aber schon beobachtbar sein. Den Stein aber vorher eine Zeit lang in Wasser legen, damit sich erst die Poren mit Wasser füllen und man nicht fälschlicherweise das entweichende Gas aus den Poren als entstehendes Gas aus der chemischen Reaktion interpretiert. Nach dem Säuretest den Stein eine zeitlang in Wasser legen zum neutralisieren. Man kann den Test auch nur mit einem Splitter von dem Stein machen.

Offline Geomaxx

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Re: Wie heißt mein Stein?
« Antwort #5 am: 22 Oct 15, 12:44 »
Hi Luc,
Georg Bode und das felsenmammut gaben ja schon erste Hinweise auf Euer Fundstück.
Meiner Meinung nach handelt es sich bei Eurem Gestein um einen
Kieselkalk, wahrscheinlich aus der Formation "Helvetischer Kieselkalk" (das Helvetikum ist eines der Deckensysteme am Nordrand der Kalkalpen, in dem überwiegend  Sedimentablagerungen aus der Kreidezeit und dem Alttertiär vorkommen).
Für den Helvetischen Kieselkalk ist charakteristisch eine Bänderung kieselsäurearmer, kalkreicher Lagen (helle Lagen) mit kieselsäurereichen Lagen ("Hornstein" oder "Chert", dunklere Lagen), die demzufolge auch unterschiedlich stark verwittern. Die Hornstein-Bildung in Kalkgesteinen lässt sich durch eine Verdrängung von Kalk durch Siliziumdioxid erklären. Zudem wurde das Gestein während der Gebirgsbildung der Alpen verfaltet und von Rissen durchsetzt. Entlang dieser feinen Risse können die Verwitterungslösungen ebenfalls angreifen. So kann das gitterartige Verwitterungsmuster erklärt werden.
Diese Kieselkalke stehen auch in den Bergen westlich von Oberstdorf an und landen z.B. als Gerölle in der Breitach oder in den zahlreichen Gletscherablagerungen der Gegend.
Grüßle und Glück Auf!
GEOMAXX
noch a paar links:
http://www.strati.ch/de/tectonic/hel/helo
guckstu dann unter "Helvetischer Kieselkalk"
https://www.newikis.com/de/wiki/Kieselkalk

Luc

  • Gast
Re: Wie heißt mein Stein?
« Antwort #6 am: 22 Oct 15, 21:24 »
Hallo, guten Abend zusammen,

jetzt schreibe ich Ihnen als Papa von Luc. Erstmal herzlichen Dank für Ihre ausführlichen Erklärungen und Antworten. Auch Luc ist sehr interessiert und freut sich auf jeden neuen Kommentar. Den Essig-Test konnten wir noch nicht versuchen. Abends fehlt da etwas die Zeit, das haben wir uns fürs Wochenende vorgenommen. Werde dann berichten...
Die letzte Erklärung von Geomaxx fand ich auch sehr spannend. Kann es wirklich sein, dass auf natürliche Art und Weise die Verwitterungen derart geradlinig entstehen? Ich hatte schon überlegt, ob sich der Stein über sehr lange Zeit in einem Netz verfangen hatte.... Allerdings weiß ich nicht, ob´s vor so langer Zeit schon solche (stabilen) Netze gab...
Vielen Dank nochmals für die vielen Antworten. Werde demnächst mal mit Luc auch die empfohlenen Webseiten durchstöbern.

Viele Grüße zurück!
Papa von Luc

Luc

  • Gast
Re: Wie heißt mein Stein?
« Antwort #7 am: 26 Oct 15, 19:29 »
Hallo,
mein Papa und ich haben den Essigtest gemacht. Zuerst haben wir einen Splitter des Steins in Wasser gelegt und danach in Essig. Im Wasser kamen ein paar wenige Luftblasen raus. Als wir den Stein dann in Essig gelegt haben, kamen ganz ganz viele kleine Bläschen. Könnte das bedeuten, dass es dann Karbonatgestein ist? Oder doch vielleicht der Feuerstein? Das ist ganz schön schwierig....

Viele Grüße, Luc

Offline michaelh

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Re: Wie heißt mein Stein?
« Antwort #8 am: 26 Oct 15, 20:29 »


Ich hatte schon überlegt, ob sich der Stein über sehr lange Zeit in einem Netz verfangen hatte.... Allerdings weiß ich nicht, ob´s vor so langer Zeit schon solche (stabilen) Netze gab...

Der Gedanke mit den Netzen ist witzig aber komplett auszuschließen.
Die Ergebnisse des Essigtestssprechen für ein Kalkgestein

Grüße Michael