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Autor Thema: Eifel-Trilos/ Phacops  (Gelesen 4365 mal)

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Offline Palaeoniscum

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Eifel-Trilos/ Phacops
« am: 12 Apr 05, 21:36 »
Hallo Devon-Spezies,
habe mal in meinen Kisten gekramt und ein Stück "gefunden", das ich Anfang der 80er in der Nähe von Büdesheim Eifel gefunden habe. Foto habe ich jetzt leider keins parat :(. Bei dem Teil dürfte es sich aber um einen Kopf und Schwanz
(leider nicht zusammenhängend) von einem Phacops handeln (?). Wie groß wurden die Kerlchen so im Eifel-Devon? Frage deshalb, weil der Abstand der Augenaußenseite zu Außenseite ( also nicht von Kopf bis Schwanz) satte 5cm beträgt... Kenne so große und größere Phacopiden eigentlich nur aus Marokko...
Danke für Hilfe und ggf. Links etc.

Offline Zuercherella

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Re: Eifel-Trilos/ Phacops
« Antwort #1 am: 13 Apr 05, 17:19 »
Hallo Palaeoniscum,

von so einem Brocken habe ich auch schon ein Cephalon gesehen, das war bei einem Bekannten, der vor allem in der Seiwerather Mulde und Umgebung sammelt. Er hatte auch Sachen aus Gees, daher kann ich nicht mehr genau sagen, woher der Fund stammte. Sicher ist aber Eifel, nur dass die Dinger in der Größe nicht sehr bekannt und vermutlich sehr selten sind.

Gruß,
Zuercherella

inschala

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Re: Eifel-Trilos/ Phacops
« Antwort #2 am: 13 Apr 05, 18:02 »
So große Viecher gibts in der Eifel, allerdings selten und meist nicht komplett. Ich habe selbst in der Prümer Mulde zwei Köpfe gefunden die eine Breite von 4 cm hatten.
2 komplette Exemplare hatte ein Sammler aus Gerolstein beim Häusle bauen gefunden. Hatten eine lange von circa 15 cm, also durchaus " Marokko Maße". Vor Jahren waren diese beiden Phacoben auch mal im Gerolsteiner Museum zu sehen.
Reste vom Rücken, der auf solche Größen schließen läßt, konnte ich beim Autobahnbau bei Prüm finden. Angeblich sollte es da auch komplette Exemplare gegeben haben.

MfG Tom

Offline der Sauerländer

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Re: Eifel-Trilos/ Phacops
« Antwort #3 am: 13 Apr 05, 19:53 »
Hallo Männers

Denkt dran, dass Trilobiten selten komplett gefunden werden. Meistens findet man die Häutungsreste in der s. g. "Salterschen Einbettung".
Die Viecher haben sich, ähnlich Libellen, im Wachstum gehäutet. Deshalb liegen Kopfschild und Schwanzschild nebeneinander.
Warum der Rückenschild nicht dabei liegt, kann ich nicht beantworten. Dafür haben wir Spezialisten hier, die das gerne erledigen werden.
Meine logische Erklärung wäre, dass die den Rückenschild noch ne Zeit aufm Buckel kleben hatten.

Gruß vom.......
 Sauerländer

Offline Godot

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Re: Eifel-Trilos/ Phacops
« Antwort #4 am: 13 Apr 05, 20:21 »
Hallo Wilhelm,

ich bin zwar kein Spezialist für Trilobiten, aber habe regelmäßig mit Tieren zu tun, die sich häuten, mit Krebstieren. (Da Häutungen bei Krebstieren und bei Spinnen quasi gleich ablaufen und die Trilos zwischen den beiden Gruppen stehen, gehe ich davon aus, daß es bei denen ähnlich ist)

Die Häutung wird durch eine Reihe von biologischen Vorgängen eingeleitet, die von aussen nicht sichtbar sind. So wird z.B. viel von dem Material, das in der "alten" Haut steckte, abgebaut und in bestimmten Organen im Körper gespeichert. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um Calcium, aber auch um Provitamin A.
Ein bestimmtes Häutungshormon wird ausgeschüttet und bei Krebsen öffnet sich die Spalte zwischen dem Cephalothorax (Das Kopf-Brustsegment) und dem Schwanz, während bei Spinnen ein Stück des Rückens abgesprengt wird. Die Tiere legen sich dann auf die Seite, Krebse krümmen sich soweit es geht und ziehen sich aus dem entstehenden Loch hinaus. Das ist sehenswert!

Nachdem die Tiere aus dem Loch heraus sind, pumpen sie soviel Wasser, wie es nur geht in die Gliedmaßen, um möglichst groß zu sein, wenn die neue Haut aushärtet, das Chitin also auspolymerisiert. Krebse fressen die alte Haut oft.
Ich gehe davon aus, daß die Sache bei Trilos prinzipiell genauso abgelaufen ist.

Nun kommt der für die Fossilisierung interessante Teil: Die einzelnen Segmente der Häutung ("Exuvie") hängen nur an sehr dünnen Häutchen aneinander. Diese verwesen sehr leicht, ein bißchen Wellenschlag und kleine Partikel mit viel Oberfläche werden schnell weggespült. Das könnte die Trilo-Rückenschildsegmente ebenso treffen wie bei Langschwanzkrebsen die Schwanzsegmente.

schöne Grüße

Tobias

Offline der Sauerländer

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Re: Eifel-Trilos/ Phacops
« Antwort #5 am: 14 Apr 05, 17:47 »
Hallo Tobias

Gute Erklärung zu Häutungen bei Krebstieren. Klasse :D

Bei den Trilobiten ist es halt so, dass die, im Gegensatz zu anderen Viechern, die sich häuten, 3 (drei) Schilde haben/hatten).
Bei der "Salterschen Einbettung" liegen aber nur Kopf- und Schwanzschild nebeneinander und das eigentlich Immer in einem bestimmten Winkel zueinander.
Wenn deine Wegschwemm- Theorie richtig wäre, würde in Abermillionen Fällen sicher mal der eine, mal der andere Häutungsrest mit baden gehen. Tat er aber nicht ???
Da gibt es ein Buch zu Trilobiten, von den Trilo-Päpsten Richter, wo dazu Alles beschrieben wird.

Gruß

Wilhelm

Offline CARCHARIAS

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Re: Eifel-Trilos/ Phacops
« Antwort #6 am: 14 Apr 05, 18:24 »
Naja hab einen ohne Kopf bei Prüm gefunden.
Der is schon ca.10cm. lang,der Kopf dürfte so 3cm. gehabt haben.
Gruss Carcharias!

Offline TriloMike

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Re: Eifel-Trilos/ Phacops
« Antwort #7 am: 16 Apr 05, 21:33 »
Wow, für Eifeltrilobiten sind 15 ???? cm schon ein Brummer, von solchen Größen habe ich noch nichts gehört. Sicher, daß es sich dabei um Phacopina gehandelt hat ??? Selbst die Riesenphacopiden aus dem marokkanischen Maider (Drotops megalomanicus STRUVE 1990) werden nur um einiges größer. Daher möchte ich die 15 cm aus der Eifel für einen Phacopina doch mit einem Fragezeichen versehen. ;-)

Was die Häutung angeht, so gibt es bei den Trilobiten unterschiedliche Arten, da die Morphologie und insbesondere der Verlauf der Gesichtsnähte eine bedeutende Rolle spielen. Ein Grund, warum speziell bei den Phacopina Cephala und Pygidien oft ohne Thorax gefunden werden liegt sicher daran, daß bei den Phacopina die Gesichtsnähte verschmolzen waren und damit die übliche Häutung (Abwerfen der Freiwangen, herauskriechen des Trilos nach vorne heraus) nicht mehr gegeben war. D. h. das Cephalon wurde komplett vom Thorax abgesprengt. Bei vielen anderen Familien blieb zumindest das Cranidium an Ort und Stelle und gab damit dem Thorax insgesamt einen größeren Halt, da Cranidium, Thorax, Pygidium oftmals eine Einheit blieben. Für die Phacopina nimmt man heute ein echtes "Herauswinden" an, was die Zersprengung des Thorax sicher begünstigt hat.

Mike

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