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Autor Thema: Proustiteinschlüsse in Cerussit -- gibt es so etwas?  (Gelesen 2602 mal)

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Offline isbjoern

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Hallo zusammen,

gerade beschäftige ich mich mit Material von der Grube Michael, Weiler bei Lahr/Schwarzwald. Abgebaut wurde dort ja wohl v. a. silberhaltiger Bleiglanz, der im Gang und auf den Halden(festen) oft weitgehend zu Mimtest und/oder Cerussit umgewandelt vorliegt.
Bei einigen Cerussitkristallen beobachte ich winzige tröpfchenförmige Einschlüsse, die stark an die Proustiteinschlüsse in klarem Fluorit von der Grube Clara erinnern -- nur das die Sache hier schwerer zu erkennen ist, weil die Cerussite oft auch eine Tendenz in Richtung Schwarzbleierz haben und leicht bräunlich oder gräulich eingefärbt sind.

Ist schwer zu erkennen und (zumal für mich) auch nicht so einfach zu fotografieren.

Aber mal prinzipiell gefragt: ist so etwas vorstellbar bzw. hat schon mal jemand so etwas beobachtet (egal von welchem Fundort)? In den zersetzten Bleiglanzeinschlüssen scheinen die Bedingungen ja teils oxidierend, teils aber auch zementativ zu sein (wegen der Anwesenheit von Covellin usw.). Ich weiss leider zu wenig über Stabilität und Löslichkeit von Proustit, um die Plausibilität meiner Vermutung beurteilen zu können...

Danke vorab für qualifizierte Meinungen -- vielleicht ist das am ehesten eine Frage an die Fachmineralogen unter den Foristen!

- Björn



Offline helgesteen

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Re: Proustiteinschlüsse in Cerussit -- gibt es so etwas?
« Antwort #1 am: 20 Feb 16, 12:28 »
Hallo Blörn,

in dem Moment, wo Galenit weitgehend in Cerussit umgewandelt ist, wird rot durchscheinender Proustit vollständig der Oxidation zum Opfer gefallen und nicht mehr als solches vorhanden sein (es gibt irgendwo auf der Welt sicherlich eine exotiche Ausnahme, aber auf die würde ich mich in so einem Falle niht berufen wollen). Proustit ist übrigens auch kein typisches Mineral der Zementationszone, dort finden sich als silberreiche Mineralien eher Argentit, ged. Silber, Chlorargyrit etc. Rotgültigerze dagegen sind typisch primäre Silberverbindungen, so auch in der Grube Clara, wo das Mineral gelegentlich im Fluorit auftritt

Was Deine Stufe von der Grube Michael abgeht, so liegt mit Sicherheit kein Rotgültigerz als Einschlüsse in Cerussit vor. Ohne Foto ist wenig Konkretes zu sagen, denkbar wäre jedoch Cuprit oder eventuell (weniger wahrcheinlich) sogar Realgar, falls sich der Cerussit in der Umgebung von arsenführendem Hornsteinquarz gebldet hat. Es kommen aber auch eine ganze Reihe weiterer, möglicherweise rötlich erscheinender Sekundärmineralien in Frage.

Viele Grüße,
Helge

 

Offline cmd.powell

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Re: Proustiteinschlüsse in Cerussit -- gibt es so etwas?
« Antwort #2 am: 21 Feb 16, 02:27 »
Moin

"Vorstellbar" ist erst mal alles Mögliche. Auch wenn Proustit vielleicht verwitterungsempfindlicher sein sollte als Galenit, wozu ich nichts weiter sagen kann, ist es dennoch denkbar, das Proustitkristalle während der Verwitterung von wachsenden Cerussitkristalle eingeschlossen, und somit vor endgültiger Zerstörung bewahrt werden. Das würde vielleicht sogar die tropfenförmige Form erklären. Gleiches gilt natürlich auch für alle weiteren in Frage kommenden Minerale. Um zu verifizieren, um welches Mineral es sich handelt, wirst Du allerdings kaum um eine Analyse herum kommen. Wenn die Einschlüsse keinerlei mineraltypische Kristallformen zeigen und Du nur die Farbe hast, ist eine rein optische Identifizierung unmöglich.

Offline isbjoern

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Re: Proustiteinschlüsse in Cerussit -- gibt es so etwas?
« Antwort #3 am: 22 Feb 16, 09:03 »
Hallo und besten Dank für die beiden Antworten,

(auch wenn sie unterschiedlich ausfallen, ist Beides einigermaßen plausibel...)
Ich habe nun bei einem angebrochenen Kristall einen Einschluss etwas besser erkennen können, in diesem Fall handelt es sich eher um ein dünnes Sheet mit unregelmäßiger Begrenzung, definitiv keine Kristallform erkennbar. Leider ist die Transparenz sehr schwer zu erkennen, der Glanz erscheint am ehesten halbmetallisch in dem fettig diamantglänzenden Medium des Cerussits.
Ausgehend von diesem Stück halte ich Proustit nun auch für abwegig, allerdings erscheinen mir z. B. Cuprit und Realgar hier auch eher unwahrscheinlich, weil in dem Material (vom Hörnlesgraben) nirgendwo zu sehen.


Viele Grüße

- Björn


Offline giantcrystal

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Re: Proustiteinschlüsse in Cerussit -- gibt es so etwas?
« Antwort #4 am: 22 Feb 16, 10:46 »
Hallo

ohne auf das Thema näher eingehen zu wollen / können : Es gibt da eine ganze Reihe tiefroter Mineralien, die in Frage kommen würden : Zinnober zum Beispiel oder viel weniger exotisch : Goethit oder Lepidokrokit...

Glück Auf

Thomas

 

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