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Eisenkiesel und/oder eisenhaltige Quarze ? Dasselbe oder nicht ?
Collector:
Hallo
es scheint, dass es auch bei den Fachleuten noch Definitionsdefizite zum Thema Eisenkiesel gibt.
*1. Es gibt Eisenkiesel, definiert als Quarze mit Einschlüssen von Hämatit oder Limonit
*2. Es gibt aber auch farblose Quarze, überzogen mit einer oberflächlichen Schicht aus Hämatit (also kein eingeschlossener Hämatit), welche als Eisenkiesel bezeichnet werden.
*3. Es gibt authigene Quarze, wie die berühmten bipyramidalen roten Jacintos de Compostela, deren Färbung nicht durch Eisen, sondern durch das Einlagerungsmilieu (e.g. Mergel oder sedimentäres Material) hervorgerufen werden, welche aber auch als Eisenkiesel bezeichnet werden.
Was meinen die Sammler dazu ? Was ist falsch, was ist richtig ? Wie ist der neueste Stand der Dinge ?
Gruß
collector
heli:
s. mindat. Dort findet sich eine kurze, aus meiner Sicht sehr gute Beschreibung des Themas unter "Eisenkiesel".
robodoc:
Hallo Peter,
für mich persönlich als eingefleischten Quarz-Liebhaber gibt es nur einen wahren Eisenkiesel und das ist der mit den Einschlüssen.
Quarze mit Hämatit-Überzügen sind zwar ganz nett, aber in meinen Augen halt keine Eisenkiesel; analog zur hier schon geführten Citrin-Diskussion, in der limonitisierte Quarze als Citrine bezeichnet wurden.
Und die zweifelsohne schönen Jacintos haben schon garnichts mit Eisenkieseln zu tun, wenn sie kein Eisen enthalten. Pyrit kann auch goldfarben sein, ist aber halt kein Gold, wenngleich Spuren davon enthalten sein können.
Mit besten Grüßen
Robert
franksch:
Hallo Definitions- und Quarz- Fans,
in diesem Zusammenhang stellt sich bei mir manchmal die Frage, ab wann man von einem Eisenkiesel sprechen kann. Laut Definition genügt der Einschluss von Hämatit, Limonit o.ä.
Aus der Grube Clara habe ich ein untenstehendes Bild (Bildbreite 2,9 mm) gemacht. Viele xx auf der Stufe sind m.E. kein Eisenkiesel. Nur einige xx haben die Fe- Einschlüsse. Der x auf dem Foto ist nicht so durchgehend rot wie vielleicht von anderen Fundstellen. Kann man hier schon von einem Eisenkiesel überhaupt reden?
Viele Grüße aus dem verregneten Berlin
franksch
Collector:
Hallo Helmut (heli),
danke für den Tipp; aber das, was mindat da schreibt, ist nicht das Gelbe vom Ei. Die Problematik ist, dass Eisenkiesel ein eingefleischter deutschsprachiger Begriff ist und keinen Gegenpart in der englischen Sprache hat. Umgekehrt haben wir im Deutschen keinen entsprechenden Begriff für das praktische englische Wort "ferrugineous Quartz". Irgendwo bewegen wir uns zwischen Eisenkiesel und eisenhaltigem Quarz, wobei auch ich für das letztere = eisenhaltiger Quarz tendiere, da ich mit Kiesel eher einen abgeschliffenen Stein aus einem Bachbett oder Fluss verstehe.
Nun, vor mehr als 100 Jahren waren keine chinesischen, marokkanischen oder sibirischen roten Quarze bekannt. Heute kennen wir die superben Kristalle mit Längen bis zu 15 cm aus Marokko und die spitznadeligen roten Quarze aus Dalnegorsk, die braunroten Quarze aus Lechang in China . Wunderbare, langgestreckte, tw. tiefrote Quarze - sind das alles Eisenkiesel, wie sie unsere Altvorderen vor 150 Jahren kannten und prägten ?
Wie könnte man hier einen Kompromiss finden, welcher die sprachlichen Eigenheiten und die mineralogischen Fakten unter einen Hut bringt ?
Ist ein eisenhaltiger Quarz eine Varietät, aber ein Quarz mit einer Schicht aus Eisenoxid/Eisenhydroxid keine Varietät ? Sind Eisenkiesel nur knubbelige, kurze Kristalle oder gibt es auch Eisenkiesel bis über 10 cm Kantenlänge ?
Nochmal: Frage, Fragen, Fragen.
Gruß
Peter
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