Servus,
ich muss hier jetzt einmal ganz entschieden EINSPRUCH einlegen.
Offensichtlich ist die Definition des Begriffs
ALLOTROP nicht klar. Es handelt sich um das Vorliegen verschiedener Erscheinungsformen ein und desselben chemischen Elements (bei gleichen Umgebungsbedingungen: gleiche chemische Zusammensetzung, aber verschiedene Anordnung der Atome. Bespiel: Graphit und Diamant, Graphen und Fullerene.
Mit anderen Worten,
Allotropie ist ein Sonderfall der Polymorphie; letzterer Begriff wird ueblicherweise fuer chemische Verbindungen verwendet, die aus mehr als einer Atomsorte (d.h. mindestens zwei chemischen Elementen bestehen).
Von Schwefel sind eine ganze Reihe, bei Umgebungsbedingungen (meta)stabiler ALLOTROPE bekannt (s. hierzu auch meinen vorigen Post). Es gibt z. B. auch linear angeordnete Ketten aus tausenden von Schwefelatomen, deren Farbe sehr dunkel ist. Der Einbau derartiger Ketten, kann m. E. gleichfalls die Farbe von natuerlichen Schwefelkristallen beeinflussen.
Die blaue Farbe von Sodalith wird durch
Schwefelradikale hervorgerufen. Als
Radikale werden Atome oder Molekuele mit mindestens einem ungepaarten Elektron bezeichnet. Radikale sind meist sehr reaktiv und oft farbig. Von Schwefel sind eine ganze Reihe von Radikalanionen und Radikalkationen bekannt; die meisten dieser Verbindungen sind instabil, farbig und lassen sich nur im Labor herstellen.
Fuer die Farbe von natuerlichem Schwefel sind diese Verbindungen irrelevant.
RADIKALE und ALLOTROPE beziehen sich per Definition auf voellig verschiedene Begrifflichkeiten bzw. Verbindungsklassen. Der Begriff "Allotrop" ist nur im Zusammenhang mit chemischen Elementen anwendbar. Ein Radikal, auch wenn dieses aus nur einer Atomsorte aufgebaut ist, ist kein Allotrop eines chemischen Elements.
Ich bin mir sicher, dass Holleman-Wiberg klar zwischen allotropen Formen von Elementen und Radikalen, die aus einer Elementsorte (Atomsorte) bestehen, unterscheidet.
Bezueglich des Vorkommens und der Stabilitaet von Schwefel-Allotropen darf ich noch einmal auf die hervorragenden Arbeiten von Steudel et al hinweisen: R. Steudel and B. Eckert. Solid sulfur allotropes. Topics In Current Chemistry,230:1 79, 2003.
Die Texte sind im Internet kostenfrei zugaenglich.
Manchmal ist etwas mehr Sorgfalt bei der Meinungsauesserung angebracht - insbesondere, wenn weitverbreitete Lehrbuecher in die Pflicht genommen werden .
Nichts fuer ungut - diese Materie beschaeftigt mich (in Form von schwefelhaltigen Radikalen) seit Jahrzehnten

Harald (Schwefel-Chemiker)