https://www.lithomania.dehttps://www.chiemgauer-mineralien-fossiliensammler.de/https://www.juwelo.de

Autor Thema: Rennofenversuche  (Gelesen 12283 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Draugr

  • *
  • Beiträge: 21
Rennofenversuche
« am: 10 Apr 16, 15:30 »
Hallo liebe mit infizierte.
Seit einiger Zeit versuchen meine Kumpels und ich mittels eines Rennofen´s Erz zu einer Luppe zu verhütten.
Wir hatten daher zum Anfang einen ca. 2Meter hohen Rennofen gebaut.
Da das Ergebnis natürlich nach dem ersten Versuch nicht überzeugte, entschloss ich mich, erstmal
an einem kleineren Model zu üben. Nun gab es allerdings schon 3 weitere Rückschläge.

1ter Versuch:
Bei diesem wollte ich schauen ob es theoretisch alles vom aufbau klappt.
Wollte mit Raseneisen aus Neuhardenberg nachstellen, ob eine Verhüttung mit diesem kleinen Rennofen/Herd möglich wäre.
Ich weiß natürlich, dass dieses Raseneisen aus diesem Ort nichts außer schlacke bringt.
Doch zeigte mir der Versuch wenigstens, dass es doch gelingen kann, wenn man anderes erz hätte.

2ter Versuch:
Bei diesem Versuch ging es darum für die Größe des Ofens die entsprechende Luftmenge zu bestimmen.
Ich hatte für diesen Versuch verschiedene Erze. anderes qualitativeres Raseneisen, Pellets aus
dem Stahlwerk unserer Umgebung und Carjuna Feinerz (oder so ähnlich).
Als Luftförderer hatte ich einnen Kompressor, der kontinuierlich 2bar Druck in den Ofen Pumpte.
Das Ergebnis hiervon waren unter anderem Schlacke und auch sehr seltsame Gebilde.
Diese Gebilde waren magnetisch. Hämmerte man mit dem Hammer rauf, so zersprangen sie und hinterließen eine glatte scharfe Bruchstelle.
Ich versuchte diese "Steine bzw Gebilde" zu schmieden, doch nach dem erwärmen auf unterschiedlichster Temperatur, zersprangen sie mir nach
dem 2ten sachten Hammerschlag.
Man konnte auch sehr grobe kristalline Eisenansammlungen in diesen "Gebilden" finden.

3ter Versuch:
Bei diesem Versuch nahm ich weniger Luft, sodass ich einen maximal Druck von 1bar in den Ofen förderte.
Die Erze blieben die gleichen, gutes Raseneisen, Pellets und dieses Carjuna feinerz.
Das Mischungsverhältnis lag natürlich bei jeden Versuch bei 1:1 also 1Kg Kohle und 1Kg Erze.
Als der Prozess diesmal fertig war dachte ich, dass es diesmal was geworden sei.
Doch leider wieder ein Tiefschlag. Die Erze, bzw Pellets waren zu einer grauen zusammengepappten Masse geworden, die
so spröde wie Schlacke war.

Wie kann das denn bitte sein? :(
Langesam werd ich immer deprimierter. Solle ich die erze am besten alle zu Pulver verarbeiten?
Die Pellets haben einen Durchmesser von max. 10 mm.
Und sollte ich das Mischungsverhältnis zu 500 g Erz und 1 Kg Kohle ändern?
Die Erze haben einen Eisengehalt von 62%. Da hätte bald mal was passieren müssen.

Also liebe Leute, könnt Ihr mir evtl. sagen wo mein Denkfehler liegt, auch wenns vielleicht erstmal nur ne Pauschalantwort wäre?
Berufsschüler schaffen das auch, nur wir nicht... :/

Ich danke erstmal für euer Interesse.

Offline Fabian99

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 1.454
Re: Rennofenversuche
« Antwort #1 am: 10 Apr 16, 17:57 »
Hi,

ich vermute die Temperatur, die war vermutlich zu hoch. Du hast vielleicht Gusseisen gemacht...

LG

Offline Reinhold

  • *****
  • Beiträge: 656
  • Reinholdo
Re: Rennofenversuche
« Antwort #2 am: 10 Apr 16, 18:54 »
Hallo Tom,
beim Schaubergwerk Neuenbürg/ Schwarzwald wurde vor einiger Zeit ein offenbar erfolgreicher Schmelzversuch mit einem nachgebauten keltischen Rennofen unternommen.
Siehe:
https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/nbdpfbw/article/viewFile/11882/5739

Die beiden Autoren des Artikels können dir bestimmt weiterhelfen.
Ein Bild von mir hier im Atlas zeigt keltische Schlacke.
https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Bildanzeige?pict=1418754999


Glück Auf
Reinhold

Offline gladhammar

  • inaktiver User
  • *****
  • Beiträge: 609
Re: Rennofenversuche
« Antwort #3 am: 10 Apr 16, 19:35 »
Liegt vieleicht an der Kohle, sollte der Ofen nicht mit Holzkohle gefüllt werden?
GA
Detlef

Offline Draugr

  • *
  • Beiträge: 21
Re: Rennofenversuche
« Antwort #4 am: 10 Apr 16, 19:39 »
Ich werde mal einen Blick Riskieren und schauen was sie gemacht hatten.
Kann ja nicht verkehrt sein mal zu sehen wie sie es gemacht haben.

Natürlich wurde der Ofen mit Holzkohle gefüllt, aber auch mit Erzen.
Hab ich was anderes geschrieben? Wenn ja, dann meinte ich Holzkohle.

Offline MK

  • ***
  • Beiträge: 103
Re: Rennofenversuche
« Antwort #5 am: 10 Apr 16, 21:28 »
Hallo,

hier noch eine Webseite, auf der etwas (ab Seite 3 ) zu einem nachgebauten Rennofen und der damit durchgeführten Eisenverhüttung beschrieben wird:
http://www.fu-berlin.de/presse/publikationen/fundiert/2014_02/14_Eisen/index.html
Eventuell kann auch hier ein Kontakt mit dem Wissenschaftler helfen.

Viel Erfolg bei Deinen weiteren Versuchen! Das Thema ist wirklich interessant.
Grüße
Markus

Offline Draugr

  • *
  • Beiträge: 21
Re: Rennofenversuche
« Antwort #6 am: 10 Apr 16, 23:06 »
Hallo MK,
ja das sieht doch schon mal nach etwas aus.
Der Herr Brumlich sagt mir auch was, habe also schon von ihm gehört.
Interessanterweise muss ich nun aber auch sagen, das wir unseren "Ulf" auch in
der Bauweise des Typ „Glienick“ gehalten haben, bzw nach dessen Archäologischen Funden.
Umso schöner wäre es dann, wenn erst der kleine ("Tamara") funktioniert und im Anschluss
auch unser ca. 2m großer "Ulf". Es wäre echt schade, wenn wir Ressourcen reinkippen und nicht weiter als
Schlacke wieder rausholen :/
Aber danke für den Artikel, hab ihn mir mal abgespeichert :)


Offline Kupperdroll

  • Sponsor 2025
  • *
  • Beiträge: 286
  • Ich und meine"gefühllosen großen Pfoten"
Re: Rennofenversuche
« Antwort #7 am: 11 Apr 16, 01:16 »
Morjen,Tom!

Ich habe mich auch nochmal belesen müssen und deine Beschreibung eures Versuches.Meines erachtens,und da gebe ich Fabian99 recht,war die erzielte Temperatur einfach zu hoch.Vielleicht solltet ihr auch mal über die Korngröße des Erzes nachdenken.Oft wird ja bei den Beschreibungen von Pulver gesprochen.Dann darf aber wiederum die Kohle nicht zu grobkörnig sein,weil dann der "Wind",so wird die Luftzufuhr genannt,das Erz zur Gicht herausbläst.Ich würde auch das Mischungsverhältnis anders wählen:Kohle:Erz=3:1 oder mehr,müßte man ausprobieren.

So haben eben die Altvorderen auch ,vielleicht Jahre,probiert,bis ein brauchbares Ergebnis vorlag.

Hier mal noch ein paar Links:http://www.b22.de/rennofen/Der_Rennofen.html
                                              http://www.messerforum.net/showthread.php?36825-Rennofen-in-Witten
                                              http://www.messerforum.net/showthread.php?103121-1-Rennofen-mit-Koks-betrieben
                                              http://www.gut-steinhof.de/Bilder/Rennofen%20Projekt.pdf
                                               https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Rennofen?lang=de&language=german

Ich wünsche Euch viel Erfolg,gutes Gelingen uuund noch mehr Geduuuuld!!

MfG

Offline Draugr

  • *
  • Beiträge: 21
Re: Rennofenversuche
« Antwort #8 am: 11 Apr 16, 04:48 »
Guten Morgen Kupperdroll,
Du meinst auch anhand der Beschreibung, dass die Temperatur zu hoch ist, wenn die Erze angeschmolzen und zusammengepappt sind? Waren grau und sehr brüchig gewesen.
Oder wie darf ich das verstehen? Habe mir auf jedenfall mal vorgenommen heute nochmal Bilder zu schießen von der letzten Schlacke bzw Erzreste?
Dann sieht man mal was genau ich meine.
Desweiteren habe ich mir auch noch vorgenommen, die Erze und Kohle noch feiner zu stampfen.
Mal schauen, aber warscheinlich könnt ihr mir hier aufgrund der Fotos eh bessere Auskunft geben.

Bis später und vielen Dank!

Offline Fabian99

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 1.454
Re: Rennofenversuche
« Antwort #9 am: 11 Apr 16, 08:52 »
Hallo,

der Rennofen unterscheidet sich vom Hochofen in mehreren Punkten:
- Die Reduktionsarbeit wird ausschließlich vom CO geleistet.
- Das Eisen schmilzt nicht, dadurch wird der C-Gehalt gering gehalten und es entsteht schmiedbares Eisen.

Das Erz was zu mit Carjuna könnte Kiruna sein. Das ist dann ein Magnetit. Nach meinen Gesprächen mit Rennofen-Leuten geht der naja. Wenn du feiner stampfst kommst du bald in den Bereich des Ausblasens.

Rennofenversuche

Auf dem Bild kannst du die Größe der Holzkohle erahnen, der Ofen hat prima funktioniert. Auf dem Treffen wurden einige Öfen mit Zunder, andere Mit Raseneisenerz gefüttert. Im Prinzip sind das Öfen mit den Hinweise aus dem Messerforum.

Lange Rede kurzer Sinn:
Vermutlich zuviel Luft, wenig Reduktion, viel Hitze - ist mein Joker.

LG

Offline Harzsammler

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 1.887
Re: Rennofenversuche
« Antwort #10 am: 11 Apr 16, 12:30 »
Hallo Tom,

wenn es an brauchbaren Erz mangeln sollte - ich habe wieder ein paar Kilo Limonit von Bad Grund, die ich gegen Porto abgeben könnte.

Grüße,
Michael

Offline guefz

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5.848
  • Just hanging around...
    • GüFz aus MYK
Re: Rennofenversuche
« Antwort #11 am: 11 Apr 16, 19:12 »
Das Erz was zu mit Carjuna könnte Kiruna sein. Das ist dann ein Magnetit.

Wenn das die Pellets waren, dann ist das trotzdem Hämatit. Ich war vor Jahren mal dort im Grubenmuseum und habe dort die Verarbeitung kennengelernt: Pellets sind Hämatit und gebrochene Stücke sind Magnetit.

Günter

Offline Fabian99

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 1.454
Re: Rennofenversuche
« Antwort #12 am: 11 Apr 16, 20:05 »
Hallo,

die Pellets vor rund 30 Jahren waren Magnetit, schwarz magnetisch, dunkler strich. Daher meine Aussage.

MfG

Offline guefz

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5.848
  • Just hanging around...
    • GüFz aus MYK
Re: Rennofenversuche
« Antwort #13 am: 11 Apr 16, 20:15 »
Ich war 2007 da oben. Die erzählten damals auch, dass das je nach Einsatzzweck mal als Pellet, mal als mehr oder weniger grobe Stücke produziert wird.

Günter

Offline Draugr

  • *
  • Beiträge: 21
Re: Rennofenversuche
« Antwort #14 am: 11 Apr 16, 22:30 »
So da bin ich wieder.
Hier erstmal die Bilder von dem Resultat bzw dem Ursprung meiner Unzufriedenheit.


Das meinte ich.
Vielleicht habt Ihr ja sowas auch schon mal gehabt und könntet mir da weiterhelfen, was definitiv der Fehler ist?
Ansonsten würde ich morgen einfach nochmal einen Versuch starten mit:

1. Weniger Luft (Ich denke da nicht mehr wie bei dem Versuch zuvor mit 1bar sondern eher 0,5bar)
2. Ich mache die Holzkohle noch feiner max. ca 2cm
3. Ich zerbrösele die Erze (Pellets und Gangerze), Raseneisen ist ja sowieso kein Problem
4. Ich werde in einem anderen Verhältnis die Aufgaben hineinfüllen (1:3 Erz:Holzkohle wahrscheinlich 100g:300g)

Was würdet Ihr sagen?
Evtl wird es ja was, dann halte ich Euch aber dennoch auf dem Laufenden!

Liebe Grüße und vielen Dank schon mal für die vielen Denkanstöße!!!


 

Mineralienatlas - Fossilienatlas - Info-Center

Neueste Beiträge Neueste Beiträge