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Autor Thema: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat  (Gelesen 9202 mal)

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Offline Klaus Schäfer

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Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« am: 23 Nov 16, 11:16 »
Hallo liebe Sammlerkollegen,

Im Laufe der wissentschaftlichen Klärung von Wachstumsphänomenen bei Chalcedonen / Achaten scheint es nun wesentlich, festzustellen in wieweit diese verbreitet sind. Zum einen ist interessant, an welchen Fundorten diese Phänomene auftreten, zum anderen in welcher Häufigkeit.

Beschreibung der Phänomene:

"Holosphärolithe" - komplett runde, in der Matrix freischwebende sphärolithische Bildungen in Achat oder Chalcedon, die folgende Merkmale aufweisen:
- komplett als Sphärolithe ("holo-") ausgebildet, oft rund, manchmal oval verzerrt
- immer allein stehend (Anstossen an andere H.Sph. möglich, aber nie Durchdringung oder gemeinsames Wachstum)
- immer freischwebend, kein erkennbarer Anwachspunkt
- augenfällige Sortierung in Bandzonen im Achat. Daher nie einzeln, oft in großer Zahl.
- bislang Größe von etwa  0,05 mm bis zu 4 mm.


Deutschland/Rheinland-Pfalz/Birkenfeld, Landkreis/Birkenfeld, Verbandsgem./Hoppstädten-Weiersbach
Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
Deutschland/Saarland/St. Wendel, Landkreis/Freisen/Freisener Höhe/Windradbau 2001
Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
Deutschland/Rheinland-Pfalz/Bernkastel-Wittlich, Landkreis/Arenrath/Kiesgruben in Arenrath und Umgebung
Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat


"holosphärolithische Spiralen" - in wenigen Achaten, die obengenannte H.Sph. führen, finden sich im Inneren dieser Gebilde dreidimensional spiralförmige Bildungen in unterschiedlicher Windungszahl und Drehrichtung. Da die Spiralen dreidimensinal geformt sind, muss der H.Sph. genau auf einem Meridian angeschliffen sein (auf der "Halbkugel") um die Spirale als solche zu erkennen. Liegt der Schnitt ober- oder unterhalb erkennt man nur eine Anhäufung  exzentrischer kreisartiger Bildungen. Ebenfalls muss der "Kippwinkel" des Anschnittes stimmen, um Spiralen zu erkennen. Daher zeigen sich in einem Stück, das zwar in allen seinen H.Sph. diese Spiralen führt, nur wenige dem Betrachter.

Deutschland/Saarland/St. Wendel, Landkreis/Freisen/Freisener Höhe/Windradbau 2001
Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
Deutschland/Saarland/St. Wendel, Landkreis/Freisen/Freisener Höhe/Windradbau 2001
Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
Deutschland/Rheinland-Pfalz/Birkenfeld, Landkreis/Baumholder, Verbandsgemeinde/Berschweiler bei Baumholder
Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
Deutschland/Rheinland-Pfalz/Birkenfeld, Landkreis/Baumholder, Verbandsgemeinde/Berschweiler bei Baumholder
Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
Deutschland/Rheinland-Pfalz/Birkenfeld, Landkreis/Baumholder, Verbandsgemeinde/Berschweiler bei Baumholder
Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat


Es wäre großartig, wenn ihr Eure Sammlungsbestände nach diesen Phänomen durchforstet und Euch (am besten mit einem Foto) meldet.

Danke, Klaus
« Letzte Änderung: 23 Nov 16, 11:22 von Klaus Schäfer »

Offline agategerd

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #1 am: 23 Nov 16, 22:08 »
einer aus dem Leipziger Land

Deutschland/Sachsen/Leipzig, Landkreis/Parthenstein/Kiesgrube Pomßen
Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat

Offline Klaus Schäfer

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #2 am: 24 Nov 16, 18:29 »
Danke, Gerd.

Allerdings ist dein Stück nicht in die gleiche Kategorie einzuordnen wie die Holosphärolithe. Bei deinem Stück sind die Sphärolithe eher zweidimensional ("Frisbee"-förmig) und weisen eine auf einem Achatband aufgewachsene Seite auf. (Holosphärolithe sind nicht aufgewachsen, sondern immer freischwebend). Diese Art Bildung ist auch sehr interessant, zeigen sich hier doch wiederholt Sphärolithe, die die durchgehenden Chalcedonfasern auf Stockwerkebenen unterbrechen, was selten der Fall ist. Sichtbar werden diese S. durch Verwitterungseinflüsse, da sie strukturelle Unterschiede zum sie umgebenden Chalcedon haben.
Sehr ähnliche schottische Achate stammen aus dem Barras Quarry.( http://www.agatesofscotland.co.uk/barrasquarry.html )
Ich würde mich sehr über ein Foto hoher Auflösung freuen.

Nochmals vielen Dank, Klaus

Offline prismatinum

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #3 am: 24 Nov 16, 19:54 »
Hallo,

hier mal ein interessanter Sphäroliten-Achat aus dem Rotliegend von Nordwestsachsen.
Fundort war Paudritzsch bei Leisnig. Größe 6,5x4 cm.

Gruß Heiko

Offline Klaus Schäfer

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #4 am: 25 Nov 16, 09:18 »
Hallo Heiko,

Vielen Dank für deinen Beitrag in diesem Thread. Alle Achate sind aus mal gut erkennbaren, mal weniger gut erkennbaren Sphärolithen aufgebaut. Wir versuchen hier, Informationen über die sogenannten "Holosphärolithe" (s.o.) - und viel wichtiger - deren Variante "holosphärolithische Spiralen"- zusammenzutragen.

Die von Dir auf deinem Stück als Sphärolithe gedeuteten "Augenbildungen" entstehen durch den Anschnitt von mehr oder minder parallelen, röhrenartigen Achatbildungen, in deren Mitte sich ein "Moosfaden" befindet. Genetisch ist die Zeichnung dieses hübschen Achates leider nicht mit einer durch "Holosphärolithen" entstandenen vereinbar. Dein Beitrag ist aber insofern wertvoll, da er hilft "Holosphärolithe" von anderen strukturellen Eigenheiten von Achaten abzugrenzen.

Vielen Dank, Klaus

Offline Veit,Bernhard

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #5 am: 27 Nov 16, 12:19 »
Achate sind gewachsene Strukturen. Das gefällt mir sehr gut als Vertreter der Biomineralisation.
Hier wären auch die Achate von Badenweiler Altermannfels einzuordnen, die ich vor kurzem ersteigern konnte. Das wußte ich noch nicht, der Altemannfelsen als Achatfundort.
Die Achate von Schlüsselstein im Elsaß und Geißberg bei Lahr in Deutschland zeigen auch ein gleichmäßiges Bandmuster

Offline Klaus Schäfer

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #6 am: 27 Nov 16, 13:11 »
Danke für deinen Kommentar Bernhard.

Es gilt festzuhalten, das die Entstehung der holosphärolithischen Spiralen zwar ungeklärt ist, allerdings auch keinerlei evidenten Hinweise zu einer biogenen Entstehung dieser Struktur vorliegen. Erste Fehldeutungen als fossile Lebensspuren konnten im Diskurs leicht wiederlegt werden und sind daher auch nicht mehr im Zentrum der Diskussion.

Grüße von Klaus

Offline CARCHARIAS

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #7 am: 21 Dec 16, 16:08 »
Servus

Wie schnell härtet eigendlich die Achatlösung aus nach dem sie in den Hohlraum gelaufen ist?
Vl hat das mit den spiralspäros mit einer unterschiedlichen Dichte der Lösung zu tun.
 

Offline Gabriel Cepok

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #8 am: 21 Dec 16, 18:43 »
Hier lernt man wirklich viel. Danke für die ausführliche Beschreibung der Achate aus unserer Region.

Lieben Gruß,

Gabriel

Offline Klaus Schäfer

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #9 am: 21 Dec 16, 18:45 »
Hallo Boris,

Eine "Achatlösung" läuft nicht in einen Hohlraum und wird dann etwas später hart. Wenn es so einfach wäre, würden meine Schüler in der Berufschule jubeln, weil sich einen sehr komplexen Sachverhalt weniger merken müssen.

Zur Achat-Entstehung gibt es mehrere Theorien, die sich zum Teil widersprechen. Eine sehr gute Synopse mit theoretischen Verknüpfungen entwickelte Michael Landmesser ("Das Problem der Achatgenese", ein Büchlein mit etwas mehr als 120 Seiten) am Institut für Edelsteinforschung in den 1990 igern. Seine Arbeit hat u.a. Professor Jens Götze aus Freiberg mit fundierter Forschung und kreativen Impulsen fortgesetzt. Seine Lösungsansätze werden mittlerweile weltweit akzeptiert. Interessant ist, daß gerade beim Thema der Achatgenese immer wieder "aktuelle", aber hanebüchene Theorien das Licht der Welt erblicken (C.Venuti u.v.a.m)

Zu den von dir angesprochenen Punkten: gelöstes Kieselgel diffundiert im Feuchtigkeitsverbund atmosphärischen Wassers entlang der Korngrenzen der das Gestein aufbauenden Mineralen in einen Hohlraum. Aufgrund geringster Konzentrationsvorteile reichert sich gelöste Kieselsäure in bestimmten Hohlräumen an, wogegen sie in anderen verschwindet (SiO4-Akkumulation). Der Hohlraum wird gefüllt, durch Alteration des Geles kann es zu Druckanstieg kommen und Teile des Geles werden aus dem Hohlraum gepresst (Thematik "Einflusskanäle - Ausflusskanäle - Ventile")

Aus dem Kieselsäuregel enstehen verschieden Opalphasen, unter denen Opal-CT die wichtigste ist. Aus ihr entsteht dann in Folge der Achat.
Diese Prozesse nehmen geologische Zeiträume in Anspruch.

Der bislang jüngste gefundene Achat stammt von Big Island, Hawaii und ist etwa 50 000 Jahre alt (Dies ist das Alter des Muttergesteines. Man geht davon aus, das die Achatentstehung unmittelbar nach Verfestigung und Abkühlung des Gesteines beginnt.)

Bei bestimmten Achatbildungen ("Lagenachat", "Uruguaytyp-Achat") spielt die Gravitation eine Rolle. Bei der umlaufenden Achatbänderung spielen Prozesse der Adhäsion und Kristallisation die vorwaltenden Rollen. Hier integrieren sich auch die dynamischen Prozesse, die zur Bildung der "Spiralen" führen.

Noch frohe Festtage, Klaus

Offline CARCHARIAS

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #10 am: 21 Dec 16, 19:52 »
Aaaa Ok!

Also ähnlich wie bei der Kapilarität nur das die Kapilaren in diesem Fall wild verteilt un anstatt an der erdoberfläche im Hohlraum enden.

Sehr komliziert das Ganze! Habe immer gedacht der Hohlraum ist da und dann läuft da lagenweise die Brühe rein kristallisiert und füllt ihn nach und nach aus
so in der Art eines umgedrehten Kerzenziehens.

Danke für die Erklärung und ein frohes Fest!


Offline Achat-Amohr

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #11 am: 21 Dec 16, 22:44 »
Beschreibung der Phänomene:

"Holosphärolithe" - komplett runde, in der Matrix freischwebende sphärolithische Bildungen in Achat oder Chalcedon, die folgende Merkmale aufweisen:
- komplett als Sphärolithe ("holo-") ausgebildet, oft rund, manchmal oval verzerrt
- immer allein stehend (Anstossen an andere H.Sph. möglich, aber nie Durchdringung oder gemeinsames Wachstum)
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- bislang Größe von etwa  0,05 mm bis zu 4 mm.

Hallo Klaus, auch ich bin ein ständiger + begeisterter Gast auf Deiner umfangreichen + informativen Achatseite. Respekt für diese Arbeit.
Hier hätte ich Fragen an Dich.
Was verstehst Du unter holo ???
Und wer hat den Begriff holosphärolithe geprägt, oder woher kommt der Begriff ???
Danke für die Antwort :) Armin

Offline alexis buhridorakes

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #12 am: 22 Dec 16, 07:08 »
Interessantes Thema.Gilt dieses Phänomen auch bei Jaspis,den so genannten Augenjaspis oder ist das schon wieder was anderes?
Axel.

Offline alexis buhridorakes

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #13 am: 22 Dec 16, 07:31 »
Sowas in der Art?
Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat

Offline Klaus Schäfer

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Re: Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
« Antwort #14 am: 22 Dec 16, 11:05 »
Hallo Armin, hallo Alex,

Ich versuche euren Fragen hier in einer email gerecht zu werden.

Armin, die Benennung des Phänomens der "Holosphärolithe" habe ich in einem Cameo zu meinem Artikel “ Achat-Neufunde in Freisen” Lapis, Juni 2002 vorgenommen, um diese sehr spezielle Bildung von Sphärolithen von der gemeinen sphärolitischen Bildung abzugrenzen. Seit dieser Veröffentlichung wird der Begriff auch in anderen wissenschaftlichen Betrachtungen verwendet und zitiert.

"Holo" ist aus dem Griechischen übertragen und bedeutet "vollständig" - die weiteren Wortbestandteile stammen ebenfalls aus dem Griechischen "sfaira (Sphäro)" steht für "Ball, Kugel"und "lithos" für "stein". Der Begriff bezeichnet damit ein wesentliches Kriterium der Definition, nämlich die naturgegebene Vollständigkeit der Sphärolithe, die wie du in der Frage wiederholt hast, ein Aufwachsen und somit eine nur teilweise Ausbildung des Sphärolithen ausschließt. Die Bildung der Sphärolithe fand "freischwebend" in bandartiger Anordnung im Achat statt. Das Auftreten von spiralartigen Bildungen innerhalb dieser Sphärolithe unterstützt die Notwendigkeit einer Wortneuschöpfung für dieses Phänomen.

Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat
Indonesien/Sulawesi (Celebes)/Westsulawesi (Sulawesi Barat), Provinz/Mamuju, Bezirk
Wachstumsphänomene bei Chalcedon / Achat


Alex, dein Foto zeigt miteinander verwachsene, nicht eingeregelte sphärolithische Bildungen, die in einem späteren Stadium (evt. zeitgleich) von Achat eingebettet wurden. Das zweite Bild zeigt Chalcedon aus Sulawezi, der nur aus miteinander verwachsenen, nicht eingeregelten sphärolithischen Bildungen besteht. Hier befindet sich kein Achat in den Zwischenräumen. Per definitionem sind beide Stücke also keine "Holosphärolithe".

Vielen Dank für eure konstruktive Mitarbeit und schöne Feiertage, Klaus
« Letzte Änderung: 22 Dec 16, 13:35 von Klaus Schäfer »

 

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