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blaue Streifen in Halit

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Hg:
moin Leute,
vielen Dank für eure aufschlussreichen Antworten. Für mich genügt die Aussage "Störstellen im Kristallgitter" im Moment schon mehr als genug. Anhand der gegebenen Stichworte könnte ich jetzt Bücher wälzen (wenn ich denn dazu Zeit hätte  :'().
Gruß
Hg



P.S.: Bitte wegen so was sich nicht gegenseitig zerfleischen  ::) , wir sind doch alle erwachsen, oder?

Krizu:
Werter Herr McSchurf,


--- Zitat von: McSchuerf am 11 May 05, 11:07 ---@Krizu,

als 'kolloidal'... wurde das aber in Lapis beschrieben. Kann ja wohl nicht alles falsch sein, was in Lapis steht oder? ::)


--- Ende Zitat ---

Da zitiere ich mal den Ramdohr und Strunz oder den Ch. Kittel oder den Moore oder die anderen Bücher der Festkörperphysik.

Eine - in meinen Augen schöne - Erklärung ist bei Wikipedia zu finden:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kolloid

Ich möchte dem Lapis nicht zu nahe treten, aber sollten sich die Physiker/Chemiker in den letzten ca. 100Jahren geirrt haben? Da ist mir der Lapis lieber. Interessant ist auch, dass es nur einen wissenschaftlichen Google-Treffer zu "kolloidales Natrium" gibt.


--- Zitat ---
--- Zitat ---genau diese Störstelle ist das F-Zentrum (Farbzentrum). Kolloidal würde ich es nicht nennen. Kolloidale Teilchen sind z.B. Molekülcluster mit Teilchengrößen deutlich unter 100nm. Oftmals wird das am Tyndall-Effekt (selektive Blau-Streuung) in Lösungen festgemacht. Es sind Frenkel- oder Schottky-Defekte, begrenzt auf einzelne Atome/Gitterplätze. (0.1nm-Bereich)
--- Ende Zitat ---

höfliche Umformulierung (editiert): ::)
Werter Herr Krizu:
Würden Sie diese Schlagworte bitte auch etwas verständlicher erklären. Ich bin kein Wissenschaftler. Danke vielmals!

--- Ende Zitat ---

Was ist denn unklar:
Die Störstelle, bei der radioaktiven Bestrahlung ist zu Beginn ein sogenanntes H- und ein sogenanntes F-Zentrum. Das ist genau dieses "kolloidale" Natrium bzw. Chlor. Jede Störstelle hat einen "Namen" zur Klassifizierung. Gerade diese Störstellen in den Alkalihalogeniden sind altbekannt und gut untersucht. Der Grund ist, dass die Spektren in den transparenten Kristallen mit dem grossen optischen Fenster leicht zu messen sind. Auch ist ein "freies" Natrium oder ein elektron auf einem Chlorplatz relativ leicht quantenmechanisch zu rechnen. Deshalb waren diese "blauen" Kristalle lange Zeit - auch synthetisch hergerstellt - im Interesse der Physik.

Fazit: Es sind Effekte/Defekte auf der atomaren Skala.

Im Gegensatz dazu wird von kolloidal meist in Zusammenhang mit Lösungen gesprochen. Trifft ein Lichtstrahl auf verdünnte Milch, Seifenlösungen usw. wird selektiv das blaue Licht zur Seite abgebeugt (Google Stichwort: Mie-Streung - nein erkläre ich jetzt nicht). Das wurde vom Herrn Tyndall gefunden. Die Teilchen sind größer als Atome/Ionen/einfache Moleküle aber kleiner als die halbe Wellenlänge des Lichts. Das ist aber nicht die Ursache dieser Blaufärbung, da sie auch im Durchlicht zu erkennen ist. Beim Tyndall-Effekt ist das Durchlicht gelb.

Zum Thema Blaufärbung durch Natrium sage ich jetzt in dem zitierten Beitrag besser nichts mehr.

Da ich in meiner Frühstückspause nicht unbedingt diesen Roman schreiben wollte, hatte ich mich kurz gefasst und die drei wesentlichen Stichworte genannt. Hätte ich diesen Roman zu Beginn reingestellt wäre mit 90% Sicherheit der Kommentar: Akademisches Geschwaffel gekommen.

Das Angebot aus der ersten Antwort steht nach wie vor.

@Peter:
Wenn Du ein Problem mit meiner Art hast, können wir das per PM/PN ausmachen.

MfG

Frank



Hg:
@ Krizu
vielen Dank für Deine auführliche Erklärung. Ich habe mir die Literaturstellen notiert und werde mir das ganze mal bei Gelegenheit zu Gemüte führen. Die Bücher sollten ja in jeder guten Uni-Bib zu finden sein. Festekörperphysik /-chemie ist nicht unbedingt meine Stäke  :-[
nochmals Danke an alle, die auf meine Frage geantwortet haben,
MfG
Hg

berthold:
Hallo,

@ Krizu: Ein Frage in diesem Zusammenhang: Stinkspat (schwarzer Fluorit, der auf Schlag nach Fluor stinkt) soll durch kolloidales Calcium -durch natürliche Radioaktivität entstanden- gefärbt sein. Ich sehe da eine Analogie, oder ist das beim Fluorit auch "nur" ein Gitterdefekt im atomaren Maßstab ?

Gruß

Berthold


Krizu:

--- Zitat von: berthold am 11 May 05, 16:57 ---@ Krizu: Ein Frage in diesem Zusammenhang: Stinkspat (schwarzer Fluorit, der auf Schlag nach Fluor stinkt) soll durch kolloidales Calcium -durch natürliche Radioaktivität entstanden- gefärbt sein. Ich sehe da eine Analogie, oder ist das beim Fluorit auch "nur" ein Gitterdefekt im atomaren Maßstab ?

--- Ende Zitat ---

Hallo Berthold,

zur Bildung eines Kolloids bedarf es zweier Mechanismen:
- die Zerstörung des Gitters z.B. durch Radioaktivität (z.B. schöne runde Höfe um die "Pechblende" Partikel im CaF2)
- Dann muesste eine Wanderung der doppelt positiv geladenen Ca-Ionen im massiven Massstab zueinander stattfinden.

und zwei doppelt geladene Ionen stossen sich doch ab, oder? Die einzige echte Migration, die ich zur Hand habe, sind die Hämatit-Lamellen in einigen Ilmeniten. Da wandert wirklich Eisen in die eine, Titan in die andere Richtung - freiwillig.

Wenn mir jemand erklärt, warum
a.) die Farben im Durchlicht nicht gelb sind (Streuung an kolloidalen Teilchen ist für blau stärker als für rot) und von der Seite blau.
b.) sich das Metall  im Kristall sammeln, statt verteilen soll

oder gar ein TEM-Bild dieser Ausscheidung zeigen kann, widerrufe ich meine Aussagen. Spätestens in der Röntgenstruktur muessten sich doch "Matschreflexe" zeigen.

@HG: Ch. Kittel  + Moore gefunden

MfG

Frank

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