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Autor Thema: amorphe Mineralien  (Gelesen 3119 mal)

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Offline Embarak

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amorphe Mineralien
« am: 12 Oct 17, 00:11 »
Hallo,

Bei den Recherchen zu einigen Neuzugängen und neuen Fotos bin ich über eine Merkwürdigkeit gestolpert,
die mein kristallografisches Weltbild erschüttert:

Ich hatte bei Umbozerit entdeckt, daß für das Kristallsystem amorph angegeben ist, also gestaltlos und damit keinem der 7 Kristallsysteme zugeordnet.
Dabei hatte ich bei amorph bisher an Hyalit, Opal gedacht.
Als gestaltlos habe ich meinen Umbozerit nicht wahrgenommen...

Russland/Nordwestrussland, Föderationskreis/Murmansk, Oblast/Kola-Halbinsel/Lovozero/Karnasurt, Berg/Pegmatit Nr. 60
amorphe Mineralien


Auch die übrigen Umbozerite im Lexikon und bei mindat nicht.

Das macht neugierig.
Im Lexikon sind 30 amorphe Mineralien gelistet, bei mindat sind es 47 Einträge.

Wenn der Umbozerit amorph ist, muss er pseudomorph nach einem anderen Mineral sein und das sollte im Bildtext erwähnt werden.

Bei den 30 amorphen Lexikon-Mineralien finden wir natürlich auch Hyalit, aber auch Santabarbarait, der eindeutig kristalline Strukturen zeigt.
Hier sind auch alle Bilder korrekt als Pseudomorphose nach Vivianit bezeichnet.

Man findet aber auch Ungereimheitheiten wie Yttrobetafit-(Y), der zwar als amorph geführt wird, aber schon im ersten Bildtext wird ein
"Idiomorpher, ca. 2 cm großer, rötlichgrauer Kristall" vorgestellt. Weiter unten kann man sogar eine 3D-Kristallzeichnung ansehen.
Hier passt etwas nicht zusammen: Entweder ist es amorph. Dann gäbe es keine Kristallzeichnung.
oder es ist eine Pseudomorphose und sollte als solche gekennzeichnet sein.

Diese Einträge zu amorphen Mineralien sollten entsprechend angepasst werden.
Über das Verfahren können wir diskutieren.
Schon allein, um mein Weltbild wieder gerade zu rücken...  ???

Ich möchte mich aber zunächst auf meinen Umbozerit beschränken, werde mich aber weiter mit der Thematik beschäftigen  :)

Weiß jemand, nach welchem Mineral Umbozerit pseudomorph ist, wenn er denn tatsächlich amorph ist?

Viele Grüße
Norbert


Offline skibbo

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Re: amorphe Mineralien
« Antwort #1 am: 12 Oct 17, 00:34 »
Hallo Norbert,

das handbookofmineralogy sagt dazu: Metamict; tetragonal after recrystallization.
www.handbookofmineralogy.com/pdfs/umbozerite.pdf

Müsste man mal in die Primärliteratur schauen, was dort geschrieben steht.
 Es'kova, Y.M., E.I. Semenov, A.P. Khomyakov, A.N. Mer'kov, S.I. Lebedeva,
and L.S. Dubakina (1974) Umbozerite, a new mineral. Doklady Acad. Nauk SSSR, 216, 169{174
(in Russian).

Grüße
Stefan

Offline alfredo

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Re: amorphe Mineralien
« Antwort #2 am: 12 Oct 17, 03:56 »
Alle metamikt Mineralien hatten irgendwann einen Kristallstruktur, was sie dann seitdem verloren haben und sind jetzt amorph.

Offline Fabian99

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Re: amorphe Mineralien
« Antwort #3 am: 12 Oct 17, 08:46 »
Hallo,

nur weil es zeitlich gerade passt, quasi vorgestern vor 60 Jahren:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wigner-Energie
und
https://de.wikipedia.org/wiki/Windscale-Brand

Durch die radiokative Strahlung wird das Kristallgitter zerstört, der Kristall wird amorph. Wird jetzt Energie zugeführt, kann er wieder rekristallisieren. Dabei wird die Kristallisationswärme frei. In der Regel geht das mit einer Volumenkontraktion einher.

LG

Offline Embarak

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Re: amorphe Mineralien
« Antwort #4 am: 12 Oct 17, 09:18 »
Hallo,

Den Begriff metamikt kannte ich noch nicht.
Es gibt ja sogar einen Lexikoneintrag.
Wieder etwas gelernt und die Welt sieht schon wieder viiiel besser aus.  ;)

Zitat
...das handbookofmineralogy sagt dazu: Metamict; tetragonal after recrystallization.
www.handbookofmineralogy.com/pdfs/umbozerite.pdf
...

Wäre es dann nicht sinnvoll, bei den metamikten Mineralien den Eintrag zum Kristallsystem entsprechend zu ergänzen?
Im Moment ist metamikt und amorph gleichgesetzt, obwohl es im Lexikon einen metamikt-Eintrag gibt.
Schließlich ist nicht jedes amorphe Mineral automatisch metamikt, siehe Opal oder die Varietät Hyalit.

Norbert