Hi Thomas,
im Prinzip widersprechen sich unsere Ansichten nicht wirklich. Ich habe ja geschrieben, dass in dem Fall, dass nicht neutral gefiltert werden kann, bei der Lampe, oder sagen wir besser Lichtquelle, anzusetzen ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass wenn problemlos neutral gefiltert werden kann, die Lichtquelle bezüglich der Farbwiedergabe ausreicht. Auf Mindat bin ich derzeit nicht registriert, vielleicht mache ich das doch jetzt noch. Die Diskussion würde mich interessieren.
Mich stört in der ganzen Diskussion in diesem Thread, dass über neue Optiken und dergleichen gesprochen wird, aber das naheliegende, die Lichtquelle, und die damit bedingten Einstellmöglichkeiten bei der Kamera mehr oder weniger außer Acht gelassen werden. Und das, obwohl der Punkt nun wirklich finanziell einen Bruchteil von neuen Optiken ausmacht - wenn man natürliches Licht nutzen kann, natürlich umso besser. Wenn a) nicht genügend Licht vorhanden ist, ist man gezwungen auf ein höheres ISO zu wechseln, oder entsprechend eine sehr lange Belichtungszeit zu wählen, zumal man ja die Blende nutzt, um die anvisierte Tiefenschärfe zu erhalten. Wenn dann noch b) massiv beim Weißabgleich angepasst werden muss und die Lampe per se ein eher problematischen Spektrum hat, darf man sich nicht wundern, wenn es rauscht und die Farbwiedergabe suboptimal ist. Ein Weißabgleich ist natürlich das Mittel der Wahl, um möglichst gut neutral zu filtern, aber der kann auch nicht hexen, auch wenn wir oft glauben, dass digital fast alles möglich ist. Wie oft ich auf Messen Leute hatte, die die Farbe in ihren Bildern angepasst haben, ohne den Monitor zu kalibrieren, mit den entsprechenden Folgen, oder wie wild an ihrem Histogramm rumgedreht haben, das regelrechte Löcher entstanden (Philip, deswegen macht man auch seine Anpassungen bevorzugt in RAW und/oder konvertiert das RAW nach 48bit nicht 24bit, wenn man nachher noch anpassen möchte), kann ich nicht mehr zählen. Ich bin da ein gebranntes Kind.
Bzgl. der Sonne und ihrem Spektrum möchte ich anmerken, dass die Sonne natürlich kein Plankscher Körper und zudem abhängig von der Durchlässigkeit der Atmosphäre ist. Allerdings liegt ihre Farbart mittags bei bedecktem Himmel ungefähr bei der Plankschen Kurve. (Diese Lichtart wird demnach D65 für 6500K genannt). D65 ist zugegeben eine rechnerische Lichtart, bezogen auf die Möglichkeiten eine entsprechende künstliche Lichtquelle zu schaffen. Hier geht ein kleiner Gruß an die Nutzer von Tageslicht bei bedecktem Himmel und Nordfenster. Das ist natürlich super, aber den richtigen Platz dafür muss man natürlich erstmal haben. Ich gehe mal davon aus, dass wir nicht von Bildern in der Abenddämmerung reden. :-)
Ich habe mal „Farbmetrik und Farbfernsehen“, Lang, Heinwig, 1978 hervorgezogen. Dort sind die einzelnen Aspekte und Herausforderungen bei der Farbwiedergabe sehr gut und verständlich erläutert, finde ich. Ob bewegtes oder stilles Bild ist da erstmal unerheblich. Ich habe zum Teil direkt zitiert (in Anführungszeichen), manche Dinge kann man einfach nicht besser beschreiben. Wen es interessiert, der lese bitte weiter, oder auch nicht. Dies soll als ein wenig Hintergrund für meine Bemerkung dienen:
Erstmal ist sicherlich ist für die Farbempfindung entscheidend, dass nicht derselbe Farbreiz (Lichtstrahlung, die eine Farbempfindung auslöst) auf dem Bildschirm oder wo auch immer erzeugt werden muss, sondern lediglich ein gleichaussehender. Dabei kann für jeden Farbreiz ein gleichaussehender aus drei Grundfarben nachgemischt werden.
Die Farbreizfunktion, also die spektrale Strahldichte, die ein Objekt physikalisch kennzeichnet, ist zudem keine Eigenschaft des Objektes. Sie ist „Ergebnis einer Wechselwirkung zwischen der auf den Körper auffallenden Strahlung und seiner Oberfläche. Die auffallende Strahlung rührt von einer ( oder mehrerer) Lichtquellen her. Die Farbe eines Gegenstandes ist also durch drei Einflussgrößen bestimmt:…Art der Beleuchtung, ..Eigenschaft seiner Oberfläche, das auffallende Licht wieder in die Umgebung zurückzustrahlen, und … der Fähigkeit des Auges, diese Strahlung nach drei verschiedenen spektralen Empfindlichkeitskurven zu bewerten. Daß wir trotzdem im Alltag mit der Vorstellung, die Farbe sei eine Eigenschaft des Gegenstandes alleine, Erfolg haben, liegt zum Teil an der Fähigkeit der Umstimmung“, gewissermaßen der Weißabgleich des Auges, „, durch die der Einfluss der Lichtquelle bis zu einem gewissen Grad kompensiert werden kann. Zum Teil liegt es daran, dass wir als Lichtquellen für Beleuchtungszwecke im Allgemeinen nur solche akzeptieren, die… ganz bestimmte spektrale Eigenschaften haben“.
(Kleiner Einschub von meiner Seite: Dies hat meines Erachten heutzutage deutlich abgenommen, glaubt man doch oft, dass man alles schon digital wieder korrigieren kann. Hinzukommt, dass auch Profiphotographen in der kreativen Photographie gerne auch unkonventionelle Beleuchtungen verwenden, um einen bestimmten Effekt zu erreichen. Die wiederum wissen in der Regel, was sie warum tun.)
Zum Thema „Einfluss der Beleuchtung auf die Körperfarben“: „…..zwei bei Tageslicht bedingt gleiche (metamere) Körperfarben, die zwar in ihren Farbwerten, nicht aber in ihren Farbreizfunktionen übereinstimmen, zeigen bei einer anderen Beleuchtungsart...einen Farbunterschied …Andererseits ergeben sich im allgemeinen zwei verschiedene Farbarten, wenn man ein und dieselbe Oberfläche, charakterisiert durch einen bestimmten spektralen Strahldichtefaktor, mit zwei Lichtquellen beleuchtet, deren Farbart gleich ist, die aber unterschiedliche spektrale Strahlungsverteilungen haben. Wir verdeutlichen dies an einem extremen Beispiel…“ (Das Beispiel kann ich bei Bedarf nachliefern, aber dann muss ich den Teil des Artikels scannen) „…dieses Beispiel soll zeigen, dass z.B. eine Leuchtstofflampe, deren Lichtart sehr gut mit der des mittleren Tageslichtes übereinstimmen, wegen der kräftigen Spektrallinien in ihrem Spektrum zu deutlichen Farbverschiebungen der beleuchteten Objekte gegenüber natürlichem Tageslicht führen kann. Man sprich deshalb auch von der Farbwiedergabe einer bestimmten Lichtquelle“.
Natürlich ist jetzt - unter anderem - noch nicht der Aspekt des Farbabstandes berücksichtigt, aber ich denke als grobe Erläuterung/Unterstützung, was ich sagen wollte, reicht das.
LG Micki