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Berliner Elbelauf / „gemengtes“ Diluvium

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felsenmammut:
Glück Auf!

Zu den als Keratophyr bezeichneten Stücken: Am nördlichen Rand des Lausitzer Granodiorits gibt es zahlreiche Kontaktmetamorphe Gesteine. Neben der Kontaktmetamorphose haben diese Gesteine meist auch eine retrograde Metamorphose gesehen, weshalb viele Gefüge so relikthaft wirken. Diese sehen nur vom Bild her den abgebildeten Stücken ähnlich.

449: hat Ähnlichkeiten mit Erdbrandgesteinen. Mir sind Funde von Erdbrandgesteinen in den Kiesgruben mit Elbesdimenten bekannt.

100: Solche Gefüge finde ich auch gelegentlich. Derzeit vermute ich noch eher eine Geschiebenatur. Die mir in Sachsen bekannten Rhyolithe im relevanten Einzugsgebiet der Elbe haben immer makrokristallinen, leicht erkennbaren Quarz.

Porphyrbrekzie: Hier würde ich eher auf Sedimentärquarzit tippen. Der Variantenreichtum ist der Sedimentärquarzite ist erstaunlich. Viele gerundete Quarze in der Matrix würden für einen Sedimentärquarzit sprechen. Die Klasten können durchaus sehr eckig sein, was auf einen kurzen Transportweg nach der Zerkleinerung schließen lässt. Es gibt viele mögliche Herkunftsorte. Manchmal lässt sich anhand charakteristischer Zusammensetzung der Klasten eine Herkunft eingrenzen. Hierzu fällt mir bei den Hornsteinklasten aber nichts ein.

11: ja, ist verkieseltes Holz

Särna-Tinguait: Ja, solche Stücke finde ich auch gelegenlich in den Lausitzer Kiesgruben. Den Verdacht auf Särna-Tinguait hatte auch ich da schon mehrmals. Meist  bereits nach dem Schneiden, selten erst nach dem Polieren traten aber andere Gefügemerkmale auf, die eher gegen Särna-Tinguait sprechen. Bei den von mir gefunden Stücken war eher die Ähnlichkeit zu teilweise umgewandelten Phonolithen/Trachyten gegeben. Da die Mineralumwandlung meist recht weit fortgeschritten war und kein vernünftiger Schliff, geschweige denn eine Politur hinzubekommen war, wurden solche Funde von mir meist wieder entsorgt.

489: Würde ich auch als Kallberget-Porphyr ansehen. Mir sind bisher keine Gefüge von Rhyolithen unter die Augen gekommen innerhalb von Sachsen im hier relevanten Einzugsgebiet, die dem Gefüge der Kallberget-Porphyry zum Verwechseln ähnlich sehen. Alle mir bekannten Rhyolithe in Sachsen enthalten deutlich erkennbaren Quarz in nennenswerten Mengen. Kallberget-Porhyry-Gefüge habe ich bisher immer nur in passenden Geschiebegemeinschaften gefunden, so dass aus meiner Sicht kein Anlass besteht, einen dringenen Verdacht eines südlichen Doppelgängers zu hegen.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

karlov:
Hallo Felsenmammut,

Vielen Dank für Deine Einschätzungen! Also Kallberget-ähnliche Porphyrvorkommen gibt es im Süden eher nicht, das ist doch eine Ansage.

Särna-Tinguait: ich habe noch ein paar Papers zum Riftvulkanismus, da müßte irgendwo vielleicht auch mal etwas zu den Ganggesteinen stehen. Das Problem der Abgrenzung zu möglicherweise ähnlichen südlichen phonolithischen Ganggesteinen besteht u.a. darin, dass der Särna-Tinguait in unzähligen Varianten auftritt, siehe
http://www.skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/ganggesteine/saernait/tinguait.html und
http://www.skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/ganggesteine/saernait/sgu.html
Schon erstaunlich angesichts des kleinen Vorkommens. Das Problem der Mineralumwandung kenne ich auch, selten sind Tinguaite in Brandenburg frisch wie die Brandungsgerölle an der Küste.

Porphyrbrekzie_Linthe: unglücklicher Arbeitsname meinerseits. Ja, es ist ein brekziöser Sandstein mit hellen, matten, aber auch leuchtend orangefabenen Hornsteinklasten. Runde und eckige klastische Quarze sind ebenfalls vorhanden. Treten solch bunte Sedimentärquarzite denn auch in der sächsisch-böhmischen Kreide auf?

Nr. 100: diese Porphyrbrekzie sieht leider gar nicht "nordisch" aus. Vielleicht gibt es im Oslograben solche Gesteine. Eine Vermutung von anderer, kundiger Seite war, dass das Gestein zur Vulkanit-folge des Meissener Massivs (Triebischtal) gehören könnte. Manche Klasten besitzen diese braunen oder auch blaß violettgrauen Tönungen, die dort vorkommen. Allerdings habe ich selber derartige Brekzien dort noch nicht gesichtet.

449: Erdbranntgestein, ja, hatte ich auch schon vermutet, nur nicht getraut zu formulieren. Bei Genieser sind sie nur kurz beschrieben (taubenblaue Gerölle), Anstehendes vermutet er in der Nähe von Meißen. In Tschechien gibt es auch eine ganze Reihe von Vorkommen, mitunter sehr bunte mit hoher farblicher Diversität. Hast Du vielleicht Bilder von den erwähnten ähnlichen Funden aus Kiesgruben mit Elbematerial? Die schwarzen "Mandeln" mit hellem Kern könnten dann Cordierit/Sillimanit sein? Makroskopisch wahrscheinlich kaum zu ermitteln.

Keratophyre: diese Kontaktmetamorphite müssten dann aus Grauwacken hervorgegangen sein? Diese enthalten wohl Tuffeinschaltungen, aber dürften die Gesteine dann so grün werden? Das Gestein sieht mir nach basaltischem o.ä. Edukt aus, das in eine Gebirgsbildung geraten ist. Ich hatte auch noch etwas dazu bei Genieser gefunden, hier meine Notizen dazu (falls es sich um den gleichen Gesteinstyp handelt):

Grünlicher, schiefriger metamorpher Quarzporphyr / Keratophyre: Besonders im Wietstocker Aufschluß sowie an anderen Örtlichkeiten gefundene eigentümlich grüne, vielfach schiefrig ausgebildete, aber auch kompakte, quarzführende bis quarzarme Gesteine der Keratophyrreihe (ältere Ergußformen alkaligranitischer Magmen, zu QP zu rechnen). Grün, feinkörnig. Grundmasse aus Albit und Quarz, etwas Chlorit sowie bis 1mm große schwarzgrünliche Körnchen (Augit oder Hornblende) mit rauhen, trachytähnlichen Bruchflächen. Einsprenglinge aus dicktafeligem Albit und wenig Quarz. Schon unter der Lupe zuweilen noch Dihexaederform zeigend. Auch schiefrig ausgebildete, zu Serizitschiefer umgewandelte Keratophyre wurden gefunden.Einsprenglinge bilden hier kleine flache Knoten. Frage nach Herkunft offen, aber zu Alkaligesteinen gehörend. Gesteine treten im Berliner Elbelauf erstmalig auf. Aus dem Senftenberger und Bautzener Elbelauf sind sie nicht bekannt. Grünliche, schiefrige, metamorphe Quarzporphyre werden von Genieser in einer Elbterasse bei Lovosice/CZ (ehem. Klein-Cernosek) gefunden. Schüller & Müller 1937 vermuten eine Herkunft graugrüner, im frischen Bruch schwärzlicher Keratophyre und Keratophyr-Schiefer aus dem Isergebirge und dem Jeschken.

Viele Grüße,
Marc

karlov:
Ergänzung zum Tinguait: tatsächlich werden Gangserien phonolithisch zusammengesetzter „Tinguaite“ mit porphyrischem Gefüge aus dem Roztoky-Intrusivkomplex beschrieben (ULRYCH 2006, 2014).
Sie werden beschrieben mit Phänokristen von Kalifeldspat, Nephelin +/- Sodalith, Plagioklas, Na-reichen Diopsid, Amphibol. Die Grundmasse besteht aus Kalifeldspat, Sodalith und Na-reichem Diopsid. Das Gestein steht an einem Strassenaufschluß (in der Nähe des Elbufers) bei Skrytin in der Nähe von Roztoky an (WGS84: 50.694722, 14.181388).

An die Arbeit von Ulrych 2006 komme ich nicht heran (außer Fernleihe), hat die zufällig jemand?  :)
Ulrych et al 2006 Petrology and geochemistry and K–Ar ages for Cenozoic
tinguaites from the Ohre/Eger Rift (NW Bohemia). N. Jb. Miner. Abh. Vol. 2006 183/1 p. 41-61

Fabian99:
Sci-hub hat die nicht?

LG

karlov:
Ehm, doch!
Danke!

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