Moin
Noch zum Thema Salzsäure und "hinterlässt keine Spuren": Das kann ich so auch nicht stehen lassen, selbst für den Fall, das man absolut reine Salzsäure verwendet und den äußerst theoretischen Fall, das es keinerlei Reaktionsprodukte gibt. Ich habe vor etlichen Jahren bei eBay einige recht ansehnliche Neptunit/Benitoit-Stufen ergattern können, ohne Privatinsolvenz anmelden zu müssen. Allerdings waren mir die Natrolithreste auf den Stufen doch (wahrscheinlich aufgrund der Lagerung) zu sehr verschmutzt, schön weiß wollte ich sie haben. Also habe ich im berühmten Duthaler nachgeschaut, wie die vor Ort diese Stufen präparieren und habe das nochmal gemacht: Zunächst die Stufe in relativ konz. Salzsäure (ab 20%) einlegen, dabei wir der Natrolith zersetzt und die Neptunite/Benitoite kommen langsam zum Vorschein. Nach einiger Zeit (ein paar Stunden) habe ich das dann abgebrochen, etwas Natrolith sollte ja auch noch zwecks Kontrastes auf der Stufe verbleiben. Nun sehen die Stufen zwar in der Salzsäure schön sauber aus, aber wenn man die rausholt sieht man, das sich der Natrolith in einen milchigweißen Glibber (großvolumiges Kieselsäuregel) verwandelt hat. Um Glibber runter zu bekommen, wird die Stufe in ca. 10%iger Natronlauge bei 80°C einige Stunden "gekocht", danach ist das Kieselsäuregel als Natriumsilikate in Lösung gegangen. Bei mir hatte das ungefähr 8 - 12 Stunden gedauert. Also: In relativ konz. Salzsäure geätzt, dann kurz gewässert und danach 8 - 12 Stunden in heißer Natronlauge, danach noch keine Ahnung mehr wie lange gewässert, um die Natronlauge runter zu bekommen. Ich hätte jeder Wette angenommen, das nach der Prozedur alle Salzsäure neutralisiert gewesen wäre. Pustekuchen! Nachdem die Stufe ein paar Jahre in meiner Vitrine lag - dummerweise in der Nähe des Türscharniers - ist eben jenes Scharnier mit einer typischen rotbraunen Eisenoxid/chloridkruste überzogen. Da es das einzige Scharnier in diesem Zustand in der Vitrine ist kommt als Quelle der korrosiven Dämpfe nur die Neptunit-/Benitoitstufe in Frage. Seit dem weiß ich, wie Mobil Salzsäure bzw. Chlorwasserstoff ist und wie schwierig es ist, diesen aus einer - zugegeben recht porösen - Stufe zu bekommen. Einzig Ammoniak scheint mir ähnlich mobil zu sein wie der Chlorwasserstoff.
Zum Thema Gelbfärbung und abwechselndes Wässern/Trocknen: Diesen Effekt kenne ich auch nur zu gut. Ich hatte mal das Problem, einige Pegmatitstufen mit schönen Feldspat und Quarzkristallen von recht dicken Eisenoxidkrusten befreien zu müssen. Die Eisenoxidkruste habe ich mit Salzsäure (24%ig) recht gut und auch vergleichsweise schnell runter bekommen. Nur das Wässer wurde zum Drama: Nach ein paar Tagen war die Stufe zwar sauber und das Wasser neutral, nach dem Trocknen war aber jeder noch so feine Riss oder Spalt mit einem feinen gelben Belag umsäumt - sehr unästhetisch. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich die Stufe nachgesäuert (mit sehr verdünnter Salzsäure) und gewässert habe, die gelben Säume kamen immer wieder. Abhilfe hat dann einlegen in Oxalsäure und 4 Wochen in Urlaub fahren gebracht. Seit dem sind die Stufen ok und haben keine Säume mehr.
Bei Pyrit hatte ich ein ähnliches Problem: Nach der Behandlung mit Dithionit kam immer wieder eine deutliche Rostfarbe hervor, hervorgerufen durch das Trocknen und den Kontakt mit Luftsauerstoff. Was tun? Im Dithionit ist der "Flugrost" sofort weg, kommt aber nach dem Trocken wieder und wie soll das gehen, wässern ohne Wasser. Antwort: Mit Isopropanol! Die Stufe nach der Dithonitbehandlung und kurzem Wässern mit deionisiertem Wasser in reichlich Isopropanol legen. Der Isopropanol entzieht nun der Stufe das Wasser und somit kann sich auch kein Flugrost mehr bilden. Man muss natürlich ausreichend Isopropanol verwenden, mindestens soviel, das die Stufe vollständig darin untertaucht. Das Isopropanol kann man danach z.B. mit wasserfreiem (!!) Magnesiumsulfat (gibt es bei eBay) wieder trocknen. Es versteht sich hoffentlich von selbst, das man beim Hantieren mit Isopropanol in einem gut gelüfteten Raum oder draußen arbeitet und nicht raucht.