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Autor Thema: Diskussion zu: Pecopteris oreopteridia  (Gelesen 1699 mal)

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Offline Fliegenklatsche

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Pecopteris oreopteridia
« Antwort #1 am: 28 Sep 18, 19:23 »
Hallo,

Was macht man mit falschen/zweifelhaften Angaben in der Literatur?

Scolecopteris (Pecopteris) oreopteridia wurde von:
Fritz, A. & M. Boersma (1986): Fundberichte über Pflanzenfossilien aus Kärnten 1986, Beitrag 14: Hüttengraben (Ober-Stefan), Rattendorfer-Alm, Karnische Alpen. Carinthia II, 176/96.:241-262, Klagenfurt

von der Lokalität Rattendorfer-Alm gemeldet  ..und darum hier im MA eingepflegt.

Das in Fritz & Boersma (1986) beschriebene und in Abb. 15 gezeigte Stück (mit sehr guter Nervatur-Erhaltung!) ist aber eindeutig keine oreopteridia. Die Seitennerven sind einfach oder gabeln im vorderen Drittel - das sind die Nervaturmerkmale der Sc. cyathea!  Bei Sc. oreopteridia gabeln alle Seitennerven einmal, stets ganz tief basal, niemals weiter oben. Egal aus welchem Teil der großen Wedel die Fiederchen stammen und welche Form (klein und dreieckig oder groß und lineal) sie haben.   Sollte man den Eintrag in der MA-Fossilliste also zumindest mit den Häkchen "zweifelhaft" markieren?

Stratigraphisch und Pflanzensoziologisch würde oreopteridia übrigens gut in die Flora der Rattendorfer-Alm passen!  Es wäre nicht überraschend, sie dort bei intensiverer Suche tatsächlich zu finden. Aber der "Nachweis" in Fritz & Boersma ist nicht stichhaltig.

Glück Auf!
Stephan

Offline Fliegenklatsche

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Re: Pecopteris oreopteridia
« Antwort #2 am: 28 Sep 18, 19:46 »
zur Ergänzung:

den Beitrag 14 von Fritz & Boersma findet man hier
http://www.zobodat.at/pdf/CAR_176_96_0241-0262.pdf

Die vermeintliche Pecopteris oreopteridia (Abb. 15) sieht so aus:

..mmh mit dem Bild einfügen komme ich nicht zurecht, ich versuche mal Anhang :)

Offline oliverOliver

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Re: Pecopteris oreopteridia
« Antwort #3 am: 29 Sep 18, 18:17 »
Zitat
also zumindest mit den Häkchen "zweifelhaft" markieren?

ja

Offline 2045

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Re: Pecopteris oreopteridia
« Antwort #4 am: 30 Sep 18, 18:10 »
Die Art ist aus Kärnten von mindestens 7 Lokalitäten bekannt gemäß meiner Literaturliste.
Zumindest in der Arbeit vom Ulrichsberg ist ebenfalls ein Foto abgebildet.
Artikelname: Fundberichte über Pflanzenfossilien aus Kärnten 1988, Beitrag 17: Ulrichsberg (Unterperm), Kärnten ( ist auch  als free PDF im Netz). Kann man bei diesem Bild auch etwas dazu sagen - korrekt oder ebenfalls zweifelhaft?

LG Markus


Offline Fliegenklatsche

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Re: Pecopteris oreopteridia
« Antwort #5 am: 01 Oct 18, 01:15 »
Hallo Markus,

Die Abb. 11 im Beitrag 17 (Ulrichsberg) ist recht klein geraten. Im Originaldruck kann man die Details vermutlich besser erkennen als in dem eingescannten PDF.  Ich habe mir das Foto nochmal genau angeschaut (in 500% Ansichtgröße). Leider sind nur vereinzelte Seitennerven im PDF klar erkennbar.  Es spricht zumindest nichts gegen oreopteridia!

Die Fiederchen haben die durchschnittliche Größe und Form (sofern der Maßstab 10mm ist, es steht nicht dran), sie sitzen leicht schräg an und stehen dicht. Die Seiten-Nervatur ist relativ locker. ..und soweit erkennbar gabeln sie immer basal. Ich kann nirgendwo eine zweite höhere Gabelung einzelner Gabeläste erkennen.

oreopteridia passt also! :)

Auch die Beschreibung "höchstens einmal dichotom geteilt" passt. Das Fritz und Boersma offenbar auch einfache ungegabelte Adern zu erkennen glauben - ist ein regelrechter "Klassiker" und spricht für oreopteridia. Die unmittelbar basale Gabelung ist erhaltungsbedingt nicht immer eindeutig zu erkennen - dann glaubt man auch einfache ungegabelte Seitennerven zu sehen. Nur excellent erhaltenes Material zeigt das dies nie wirklich der Fall ist.

Achte in der Abb. 11 mal auf das erste vollständige Fiederchen unten rechts. Da sieht man, nahe der Fiederchenspitze, eine geringfügig höhere dichotome Gabelung. In den Spitzen der oreopteridia-Fiederchen (und nur da!) kommt es gelegentlich vor das man diesen kurzen "Stiel" sieht.

Bei oreopteridia enden die Seitennerven am Fiederchenrand fast immer in einer kleinen Drüse (Hydathode). Schau Dir mal das von mir eingestellte Foto vom Sperbersbach an - da sind die kleinen Verdickungen am Ende der Seitennerven ungewöhnlich deutlich zu erkennen. Bei Funden wo die Hydathoden nicht zu erkennen sind liegt es vmtl. nur an der Erhaltung. In dem PDF (Abb. 11) kann ich zwar keine eindeutigen Hydathoden erkennen (dafür müsste man das Original unter dem Bino anschauen) - aber an einigen Stellen (z.B. drittes Fiederchen oben links) enden die Seitennerven am Fiederchenrand in einer ganz schwachen "Kerbe" - vielleicht ein Hinweis auf die Hydathoden??

Wieauchimmer..  Ich sehe keinen Anlass an der Bestimmung als oreopteridia zu zweifeln.

Kritischer sehe ich die Verwendung des Artnamens Pecopteris schlotheimii (Sternberg, 1825) bei Fritz & Boersma - der nur ein (überflüssiges!) Synonym von cyathea ist!   Aber das ist ein anderes Thema..  ;)

LG
Stephan


 

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