Hallo!
Sorry, ich bin jetzt noch mal etwas off-topic, dann halte ich mich in diesem Thread aber auch wieder zurück.
@fassi:
Es gibt ne Menge an Sammlern die sich echte Gedanken darüber machen was sie da finden und schleifen .-
aber solche Hochwissenschaftlichen Theorien wird wohl keinen diese Sammler Intressieren .-
Das sollte es sie aber, zumindest, wenn sie dann selber Theorien aufstellen und wollen, dass diese einer Diskussion standhalten und wirklich als Erklärungsmodell taugen

Theoriefindung ist ja nicht nur, sich jahrelang eine Sache anzuschauen und dann die eigenen Einfälle dazu zum Besten zu geben, sondern auch und vor allem, die eigenen Ideen mit bereits existierenden Kenntnissen abzugleichen bzw. Erstere mit Letzteren zu modifizieren und/oder anzureichern. Sprich, die eigene Idee braucht auch immer ein externes Korrektiv und Wegweiser. So funktioniert im wesentlichen der wissenschaftliche Theoriefindungsprozess.
Infos über Radiolarien und Diatomeen finden sich bspw. in jedem Einführungsbuch über rezente oder fossile Wirbellose, und natürlich im Internet. Daten zum areoben und anaeroben Stoffwechsel bietet schon ein Oberstufen-Biologiebuch - und natürlich das Internet. Ausgehend vom Stichwort "Radiolarien" denke ich durchaus, dass ein völliger Laie der Biologie innerhalb weniger Tage und ohne Recherche an weit entfernten Universitätsbibliotheken die Fakten zusammen gesammelt haben könnte, warum Radiolarien nicht in dunklen Gesteinshöhlungen koloniebildend auftreten. Schon der erste Satz zur "Ökologie und Lebensweise" der R. bei Wikipedia reicht eigentlich zur Theoriewiderlegung. Wenn es ihm denn ernsthaft daran gelegen ist, die Stichhaltigkeit seiner eigenen Theorie zu ergründen...
Btw, ich kenne etliche Sammler die sehr fundiert und tiefgängig Theorien zu einigen Themen formuliert und belegt haben und durchaus in einer Position sind, diese vor der Fachwelt überzeugend verteidigen zu können. In der Regel geht das aber auf jahrelange gründliche Beschäftigung mit der Materie - nicht nur mit den Funden, sondern auch mit der einschlägigen und auch der eher fach-randlichen Literatur - zurück. Daran führt kein Weg vorbei, auch nicht für uns Sammler, wenn wir wirklich wissen wollen, "wie" und "warum". Es ist nur ziemlich mühsam und zeitaufwändig...
So beschäftige ich mich schon seit mehreren Jahren mit der Genese bituminöser Quarze im hiesigen Muschelkalk, werde mich mangels eigenen Expertenwissens in Kristallographie und angesichts sehr dürftiger (und überalterter) Literatur aber hüten, meine Theorien dazu irgendwo zum Besten zu geben, bevor mir nicht ein Mineraloge handfeste Untersuchungsdaten liefert, die ich mit den Theorien abgleichen kann.
Die Berufung auf das berühmte Shakespeare-Zitat (übrigens in der korrekten Übersetzung: "Philosophie" oder "Weltanschauung", nicht "Schulweisheit", hier liegt ein himmelweiter Unterschied und der Quell aller Missverständnisse!) um noch unentdeckte Faktoren als Ursache zu postulieren, ist übrigens ein Scheinargument in der üblichen Verwendungsweise, nämlich als Begründung dafür, auf dem unbekannten Faktor gleich auch noch ein ganzes Theoriegebäude zu errichten. Erst muss der postulierte Faktor gefunden werden, nur dann kann es weitergehen.
Gruß,
Rainer