http://www.titanwerkzeug.athttp://www.haufwerk.com/hwhttp://www.desire-for-joy.com

Autor Thema: Lebachiaceae  (Gelesen 186 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Lexikon

  • Starter
  • Beiträge: 0

Offline Fliegenklatsche

  • Junior
  • *
  • Beiträge: 16
Lebachiaceae
« Antwort #1 am: 06 Dez 18, 21:53 »
Hallo liebe Freunde der Permokarbon-Flora,

die "Walchien" gehören, in allen Rotliegendbecken, zu den häufigsten Pflanzenresten. In den jüngeren Rotliegend-Formationen sind sie das absolut dominierende Florenelement!

Der große schwedische Forscher Rudolf Florin konnte als erster nachweisen, das es sich um urtümliche Koniferen handelt deren weiblichen Zapfen zusammengesetzte Blütenorgane (compound cones) sind, während die männlichen Zapfen, die terminal an den Zweigen letzter Ordnung sitzen, einfache Blütenorgane sind. Leider hat Florin durch eine übertriebene Aufsplittung neuer überflüssiger Arten (die er ohne Differential-Diagnose publizierte!) auch erheblich zum Wirrwarr beigetragen.

Die Taxonomie der Walchiaceen (i.W.S.) hat einige historische Fehlentwicklungen genommen und so ein "Namens-Chaos" hinterlassen, das auch ambitionierte Laien oft nicht durchdringen. Sammler trauen sich deshalb heute kaum, ihre Walchien-Funde zu bestimmen. Der MA ist das beste Beispiel: hier werden praktisch gar keine eingestellt - obwohl es die häufigsten Fossil-Funde im Rotliegend sind!

Es gibt aber einen Ausweg aus der etwas verfahrenen Situation. In den letzten Jahrzehnten sind wichtige Weichen für eine (wieder) anwendbare Taxonomie (auch für Compressions) gestellt worden. Dazu sind jedoch größere Eingriffe im MA-Lexikon notwendig. Deshalb eröffne ich hier zunächst eine Diskussion und werde die Probleme und ihre "Lösungen" vorher im Detail vorstellen.

Einer der ersten Punkte ist, das die ungültige (und 1984 wieder eingezogene) Gattung Lebachia (Florin, 1938) aufgegeben werden muss!

Viele Grüße,
Stephan

Offline oliverOliver

  • Moderator-Fossilien
  • ***
  • Beiträge: 4.356
  • klopf auf Holz !
    • naja ....
Re: Lebachiaceae
« Antwort #2 am: 07 Dez 18, 15:17 »
ok, ich hab die "Gattung" mal als ungültig gekennzeichnet. Würde die - gekennzeichnete - Seite aber im Lexikon belassen (bevor sie der nächste wieder neu anlegt) - oder gibte es eine neue, alle "Lebachien" umfassende Gattungsbezeichnung? (wohl kaum - denn dann könnte man die Seite einfach umbenennen und "Lebachia" als ungültiges Synonym mit anführen)

Offline Fliegenklatsche

  • Junior
  • *
  • Beiträge: 16
Re: Lebachiaceae
« Antwort #3 am: 07 Dez 18, 23:18 »
Hallo Oliver,   ..erstaunlicherweise geht das doch so halbwegs!   :)
..da die Liste im MA unvollständig ist und z.B. hypnoides fehlt - denn die ist mittlerweile die Typusart der gut bekannten Otovicia Kerp deren Epidermis man besonders gut kennt und die jeweils zwei anatrope Samenanlagen pro fertilem Kurztrieb im weiblichen Zapfen trägt aber keine großen Gomphostrobus-Brakteen hat (wie sie die meisten anderen Walchien-Zapfen haben).

Für alle hier im MA als Lebachia aufgeführten Arten ist die gute alte Walchia Sternberg, 1825 (wieder!) die gültige Gattung.
(Utrechtia Mapes & Rothwell, 1991 ist nach dem ICBN ungültig, weil sie niemals richtig definiert und auch nie ein Typus bestimmt wurde.)

Allerdings sind die meisten (oder sogar alle) dieser "Arten" bestenfalls formae von Walchia piniformis - die sich in ihren Merkmalen z.T. deutlich überschneiden und oft nicht sicher gegeneinander abgrenzen lassen. Die fehlende Differential-Diagnose war Florin's Hauptfehler! - und ein großer offener Widerspruch in seinen ellenlangen detaillierten Beschreibungen.

Übrigens sind alle derzeit im MA als Walchia geführten Formen ausdrücklich nicht Walchia - sondern Ernestiodendron Florin oder Hermitia Kerp - letztere ist nur eine Formgattung für alle (morphologischen) Ernestiodendron - deren Epidermis man einfach noch nicht kennt. Hermitia ist zwar valid nach den Nomenklaturregeln - aber im Grunde wohl überflüssig.  ;)

Ich seh' grad im MA steht ja nur eine:  Walchia arnhardtii.  Zu der ist folgendes zu sagen: Das ist eine großnadelige Ernestiodendron bei der wir die Epidermis noch nicht kennen ..sie wäre also dem Morphogenus Hermitia zuzuordnen (wie es Hans Kerp ja schon getan hat!).
Manfred Barthel (2006) äußerte den naheliegenden Verdacht das die seltsam gerade (regelrecht "ausgerollten") Nadeln der arnhardtii nur ein taphonomischer Effekt sein könnten - es also nur ein "Erhaltungszustand" von Hermitia germanica ist.  ER HATTE RECHT !!!
Mittlerweile kennen wir Neufunde wo die Zweige letzter Ordnung auf einer Seite germanica-Nadeln tragen auf der anderen Seite aber arnhardtii -Nadeln!  ..und beim erneuten Lesen der Monographie von Florin (1938-1945), stellt sich heraus, das er ein vergleichbares Stück auch schon abgebildet hatte.   Als "forma" sollte arnhardtii aber unbedingt weiter beibehalten werden!  Bitte auch von den Sammlern!
Es ist immer hilfreich wenn man die Dinge (auch Erhaltungszustände) beim Namen nennen kann.

Einen längeren Abriss der Forschungsgeschichte poste ich trotzdem noch  ..schon um Fragen wie "Warum ist Lebachia eigentlich ungültig?" zu beantworten.

LG
Stephan


Offline oliverOliver

  • Moderator-Fossilien
  • ***
  • Beiträge: 4.356
  • klopf auf Holz !
    • naja ....
Re: Lebachiaceae
« Antwort #4 am: Heute um 11:21 »
hallo Stephan,

danke für die Erläuterungen - werde mich kommende Woche mal um die entsprechenden Lexikon-Seiten kümmern (bin dzt. nicht zuhause).
lg
oliver

edit:
ich werde also als erstes mal alle unter Lebachia anfgeführten Arten ider Gattung Walchia zuordnen
« Letzte Änderung: Heute um 12:33 von oliverOliver »

 

Mineralienatlas - Fossilienatlas - Info-Center