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Radioaktiver Galenit ?
harzgeist:
Hallo,
Auf der Galenit-Seite findet sich der folgende Eintrag
--- Zitat ---Radioaktivität
als uranhaltige Galenit-Abart, durch uranhaltiges Blei des Isotops Pb-206
--- Ende Zitat ---
Diese Aussage ist für mich gleich in mehrfacher Hinsicht unverständlich
uranhaltige Galenit-Abart: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Uran in das Galenit-Gitter eingebaut werden kann, zumal ja gleichzeitig noch ein weiteres, elektronegativeres Element eingebaut werden müsste, um das Ladungsgleichgewicht zu gewährleisten.
Eine mechanische Beimengung von U-Mineralen zu Galenit ist m.E. kein Grund, diesen selbst radioaktiv zu nennen.
uranhaltiges Blei: was hat man darunter zu verstehen ?
Blei des Isotops Pb-206: Dieses Isotop ist stabil, also NICHT radioaktiv, ebenso wie das aus der Uran-Actinium-Reihe gebildete Pb-207.
Die anderen beim U-Zerfall gebildeten Pb-Isotope 210,211,214 sind viel zu kuzlebig, um in natürlich entstandenem Galenit relevant zu sein.
Nun enthält aber natürliches Blei einen geringen Anteil von radioaktiven Pb-204, das jedoch unabhängig vom Uran-Zerfall in jedem Blei als primordiales Radionuklid vorhanden ist. Wenn Galenit aufgrund dessen als "radioaktiv" bezeichnet wird, müssten auch alle anderen Bleiminerale als radioaktiv eingestuft werden, ebenso wie alle Kalium-, Wismut-, Samarium-, Lanthan-, ... Minerale.
Sollte der Eintrag geändert werden (wenn ja, wie) oder ganz entfernt werden?
Thomas
Sebastian:
Hallo,
Offensichtlich ist diese Information von Wikipedia entnommen (Quelle?), Wikipdia zitiert hier mindat wo ein Satz dazu steht ohne Quellenangabe. Aufgrund der mangelnden Belege sollte der Zusatz so entfernt werden.
Gruß Sebastian
Fabian99:
Hallo,
ich hatte ja versprochen mal etwas zu lesen.
Galenit wie auch Pyrit wechselwirken mit uranhaltigen Lösungen.
https://link.springer.com/article/10.1007/BF01164232
Conditions of the deposition of uranium from hydrothermal solutions of metal disulfides according to the experimental data
und
https://link.springer.com/article/10.1007%2FBF01115821?LI=true
Some data on equilibria of the systems MeS(MeS2)-UO2SO4-H2O at elevated temperatures
Damit tritt die Fällung von U im Bereich von Sulfiden auf. Siehe auch:
https://de.wikipedia.org/wiki/Uranlagerst%C3%A4tte#Geochemie_des_Urans
somit kann Uran in der Nähe von Sulfiden angereichert vorliegen.
Aber:
Zur Genese der Uran-Lagerstätten in Deutschland
https://e-docs.geo-leo.de/bitstream/handle/11858/00-1735-0000-002B-91E3-1/GeneseUranlagerst%C3%A4ttenD.pdf?sequence=1&isAllowed=y Seite 17
Am Westrand der Böhmischen Masse (Nordost-Bayern) unterscheidet Harald Dill zwei Hauptparagenesen von
U-Erzmineralisationen: „Two different types of ore mineralization may be established. The 'polymetallic U
paragenesis' (U occurs in single oxides with variable sulfides, arsenides, selenides of Fe, Cu, Zn, Pb, Ni, Co, Bi,
and native elements) is assumed to be genetically connected with the granitic activity itself and its postmagmatic phenomena. The 'monotonous U paragenesis' shows a great variability in U bonding (U titanates, U
oxides, U-Ti silicates), pyrite is the only sulfide. Though belonging to the Late Variscan thermal activity, it is
probably more akin to the rift processes which started during Late Variscan. Triassic to Jurassic redeposition is
proved by age datings” (DILL, 1986, S. 288)
Beschreibt das Nebeneinander von U-Oxiden zu den Sulfiden oder noch deutlicher:
Neuerdings wird für die ‚uqk‘-Assoziation eine genetische Beziehung zu den spätvariszischen Lamprophyren
postuliert“ (BAUMANN et al., S. 82). Lamprophyre kommen – ähnlich wie die Granite – als strukturelle
Wegbereiter, als (raumzeitlich begrenzte) Energielieferanten und als Anzeiger für Wärmeströme in Betracht.
Stofflich erweisen sie sich mit ihren sulfidischen Komponenten zwar als Goldlieferanten (SCHADE, 2014) aber
nicht als Uranquelle
Seite 21.
Also liegt vermutlich bis zum Beweis des Gegenteils Uran als Oxid = Pechblende neben den Sulfiden vor.
Daten zu (Galena or Galenite) and Uranium habe ich nicht gefunden.
zum Thema der Isotope kommt später noch was.
LG
smoeller:
Hallo,
Meines Wissens liegt Uran selbst in sulfidreichen Ganglagestätten primär immer vierwertig als Oxid (Uraninit, Brannerit) oder Silikat (Coffinit) vor. Entscheidend ist dabei der Ionenradius bzw. die Wertigkeit. Blei ist in den Sulfiden meist zweiwertig, d.h. relativ groß im Vergleich zum vierwertigen Uran. Da passt das Uran nicht ins Gitter. Uran geht primär mit Sauerstoff Verbindungen ein, selbst unter stark reduzierenden Bedingungen.
Was entscheidend ist: Beim Zerfall von Uran entsteht Blei als stabiles Ende der Zerfallsreihe, ja. In der Regel dürfte das Blei im Uraninit bleiben, es sei denn, es kommt zu einer starken Umlagerung des Primärerzes unter kompletter Rekristallisation. Eher behält Uraninit Blei als dass Galenit Uran einbaut.
Glück Auf!
Sebastian
aca:
--- Zitat von: Sebastian am 15 May 19, 13:45 ---Hallo,
Offensichtlich ist diese Information von Wikipedia entnommen (Quelle?), Wikipdia zitiert hier mindat wo ein Satz dazu steht ohne Quellenangabe. Aufgrund der mangelnden Belege sollte der Zusatz so entfernt werden.
Gruß Sebastian
--- Ende Zitat ---
https://www.mindat.org/locentry-218251.html
Kerr, P.F. (1935) U-galena and uraninite in Bedford, New York cyrtolite. American Mineralogist, 20, 443-450
http://www.minsocam.org/ammin/AM20/AM20_443.pdf
https://www.mindat.org/locentry-108745.html
Geological Survey of Finland 2008. Sivakkaharju - Gold Database
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