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Grüner Stein von der Ostsee

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Tycho88:
Ein Hallo an die Petrolgenfront  ;)

Bei einer Strandwanderung, (Ostsee, Nahe Kiel) habe ich einen grünlichen Stein gefunden. Als Petrologe-Neuling konnte ich ihn vor Ort nicht einordnen und ich nahm ihn mit um ihn unter dem Bino zu betrachten. Aber ich merke, dass ich hier schnell an meine Anfängergrenze komme. Von daher wollte ich euch um Rat und Tat bitten.

Hier eine Beschreibung:

Das Gestein ist in seiner Gesamtform stark grünlich. Auffällig ist seine Vielzahl an dunklen aber stark reflektierenden Einsprenglingen. Die Zwischenräume/Matrix ist sehr feinkörnig und erst unter dem Bino sieht man eine Körnigkeit => Einteilung als Plutonit.

Das Abmaß ist 10 x 7 x 6 cm mit einem Gewicht von 750 g.
Auf einer Glasscheibe ist ein Quarren zu vernehmen, allerdings erst nach mehreren Versuchen, da die Einsprenglinge selbst nicht quarren und somit die Zwischenräume selbst eher schwer auf der Glasscheibe zu treffen sind.

Die Einsprenglinge,
sind mit einem Taschenmesser ritzbar, Härte 4-5. Größe reicht von 2-10mm. Auffällig ist der starke Glanz, der sehr lebhaft ist und das ganze glitzert sehr stark. Ich würde diese den Amphibole einordnen (trotz der geringeren Härte).

Zwischenraum/Matrix
Hier habe ich meine Probleme mit der Interpretation der einzelnen Mineralien. Ein Quarren war nach mehreren Versuchen zu vernehmen. Also ist Quarz vorhanden. Unter dem Bino sehen sie leicht grau aus. Muschliger Bruch kann ich nicht auszumachen, dafür sind sie zu klein.

Weitere helle Mineralien
Des Weiteren sind einzelne fleischfarbige Einschlüsse zu sehen. Vermutung liegt bei Alkalifeldspat, allerdings sehe ich keine glänzenden Flächen bzw. Zwillingsglanz. Plagioklase vermag ich selber nicht zu erkennen (wie gesagt Anfänger)  Vereinzelt waren Granateinschlüsse zu erkennen (nur minimal).

Dunkle Mineralien
Neben den großen Einsprenglingen sehe ich hier blassgrüne Einschlüsse. Kann diese aber nicht bestimmen. Vermute, dass es keine Olivine sein können, wenn Quarz vorhanden ist. Sollten das Pyroxene sein??


Und da hört es bei mir mit der Bestimmung schon auf. 
Ist die Farbzahl noch unter 90, damit man hier das Streckeisendiagramm (Quarz/Alkalifeldsat/Plagioklas) anwenden kann?? Oder würdet ihr das schon als mafische Gesteine einordnen?? Aber da habe ich Probleme wegen dem Quarz... und Olivin sollte vorhanden sein. Welches Bestimmungsdiagramm würdet ihr zur Rate ziehen wenn es ein mafisches Gestein sollte ? (habe da Olivin/Pyroxenit/Amhibol - Plagioklas/Pyroxen/Olivin - Plagioklas/Orthopyroxen/Klinopyroxen)

Was sagen die Kenner ??

Tycho88:
weiter Bilder /Details folgen:

Tycho88:
und hier die letzten

Harzsammler:
Hallo,

sicher dass da Quarz drin ist?
Ich hätte aus dem Bauch raus Nephelin-Syenit gesagt...

Grüße,
Michael

karlov:
Moinmoin,
Steine dieses Typs sind gar nicht selten zu finden. Früher hat man die als Uralitporphyr oder Uralitgabbro benannt, je nach Körnigkeit der Grundmasse. Wobei: der Amphibol in einem Uralitgabbro ist dann häufig faserig ausgebildet.
Jedenfalls finde ich dein methodisches Vorgehen bei der Bestimmung vorbildlich. Die großen schwarzen Kristalle dürften ziemlich sicher Amphibol sein, sofern ich das vom Bild beurteilen kann (z.B. Detail_1: Längsschnitt eines Kristalls am linken Bildrand). Pyroxen glänzt in Plutoniten nicht so stark, das kommt eher in Vulkaniten vor. Die Grünfärbung des Gesteins dürfte auf hydrothermale Alteration zurückzuführen sein. Feldspat, Suche nach Plagioklas? Manchmal sind die Kristalle so klein, dass man wirklich mühsam eines suchen muss, das in Reflektionsstellung die polysynthetische Verzwilligung des Plagioklas aufweist. (Warum ich denke, dass es Plagioklas ist? Weil ich vom Habitus des Gesteinstyp ausgehe, den ich bereits kenne. Ich kann mich natürlich irren. Kennt man den Gesteinstyp nicht, ist deine Vorgehensweise absolut richtig).
Plutonit? Ja, das ungeregelte Mineralgefüge scheint zunächst dafür zu sprechen. Aber sind die Minerale in der Grundmasse gleichkörnig? Oder herrscht da ein ziemliches Chaos. Warum kommt das dunkle Mineral auch in der Grundmasse vor? Eine korrektere Bezeichnung für das Gestein wäre wohl eher amphibol-porphyroblastischer Gabbro oder Diorit. Die großen Amphibole sind Porphyroblasten. Wenn ich mich richtig erinnere, entstehen diese Gesteine bei der Metamorphose von Gabbroiden und Dioritoiden bei der Gebirgsbildung unter mittelgradigen Bedingungen (Amphibolitfazies). Es dürfte also, wie im Quarzit und in Marmor, 1. zu einer Umwandlung von evtl. vorher enthaltenem Pyroxen in Amphibol und/oder 2.zu einer Umkristallisation und Kornvergrößerung des Amphibols während der Metamorphose gekommen sein.

Zur Mineralbestimmung: Wenn man es eine Weile betreibt, ist die Bestimmung der etwa 10 gesteinsbildenden Minerale keine große Sache. Es braucht lediglich etwas Routine, und man sollte kein exotisches oder feinkörniges Gestein vor sich haben. Mach dir doch einfach an einem halben Dutzend unterschiedlicher Geschiebe mit ausreichender Korngröße (z. B. über 2-3 mm) Bruchflächen und bestimme die Minerale.
Amphibol, schau mal hier: https://www.kristallin.de/gesteine/minerale_5.htm
Plagioklas: https://www.kristallin.de/gesteine/Gestbest_Bilder/Minerale-062_1600.jpg
Wie gesagt, es dauert manchmal, bis man ein Kristall findet, dass diese Reflektion zeigt. In Metamorphiten findet man manchmal auch gar keine  geeigneten Kristallflächen.

Grüße,
karlov

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