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Bernstein - Mineral ?????
Collector:
In unserem lieben Lexikon steht Bernstein als Mineral ( Strunz IX/C.01-10; Kurzformel (C,O,O). Dann aber nichts weiter, anscheinend hat den Verfasser der Mut verlassen.
IMA - / - international ist Bernstein nicht als Mineral anerkannt, da fossiles Harz.
Was isses denn nun ? Weiß jemand was aktuelles ?
Wenn kein Mineral - dann sollte es aus dem Mineralienverzeichnis verschwinden und unter Geologische Begriffe. Und dann die zweite Frage: Ist Bernstein dann unter "Fossilien" einzuordnen oder .... alternativ ?
gruß
collector
P.S. Apropos: Auf der Seite " Rekorde im Mineralreich " steht auch immer noch ein Riesenkristall "Bernstein " - ich konnte den Verfasser nicht überzeugen, daß Bernstein nicht ins Mineralreich gehört.
giantcrystal:
Ja, ja, der Bernstein...
offensichtlich ein ungeliebtes Kind der Mineralogen. Wie häufig, wenn es ins Detail geht, wird es schwierig.
Zum einen wurde Bernstein natürlich seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden als Mineral begriffen und als solches auch immer wieder beschrieben. Es gehört sogar zu den ältesten beschriebenen Materialien überhaupt - Plinius etc...
Zum anderen wurde Bernstein - zumindestens bis in die jüngste Vergangenheit hinein - auch in praktisch allen Mineralogiebüchern als Mineral geführt, wenn auch in der "ungeliebten" Klasse der organischen Verbindungen.
Das Lapis Mineralienindex Stand 4/2002 beschreibt es nach wie vor als Mineral mit der Strunznummer : IX.C.1-10
Warum nun eigentlich Bernstein auf einmal kein Mineral mehr sein soll, ist mir nicht ganz klar, denn :
- es gibt etliche andere, anerkannte organische Minerale
- es gibt viele amorphe Minerale
- es gibt sehr viele Minerale mit einem mehr oder minder variablen Chemismus. Wobei zu sagen ist, das reiner Bernstein chemsch eigentlich relativ gut definiert ist und andere Harze seit altersher auch mit anderen Namen bezeichnet werden : Siegburgit, Krantzit, Stantienit etc.
Es wäre auf jedenfall einmal interessant, die Begründung der IMA zu erfahren, warum ein seit dem Altertum recht gut definiertes Mineral auf einmal diskreditiert wird.
Glück Auf
Thomas
berthold:
Hallo,
Bernstein ist ein Mineral. O.k. ein organisches. Natürlich kann man Bernstein AUCH als Fossil ansehen. Aber aus was bestehen denn Fossilien: Richtig, in aller Regel aus Mineralien (ja, es gibt auch Ausnahmen).
Welche Kriterien muss man an die Definition von Mineralien stellen (ich bin mit der Definition hier im Lexikon nicht ganz glücklich) ?
1.) natürlich, ohne menschlisches zutun entstanden (ja, ich weiß, da gibt es die schwammige Grenze mit den Schlacken-Mineralien)
2.) makroskopisch und mirkoskopisch einheitlich aufgebaut.
3.) chemisch einheitliche Struktur (da könnte man drüber streiten)
4.) unter normalen Bedingungen ein Feststoff (ist man nicht immer einheitlich verfahren, siehe Hg)
Die Sache mit organisch/anorganisch oder kristallin/amoprh kann wohl nicht das Argument sein.
Ich denke Bernstein kann problemlos als Mineral geführt werden.
Gruß
Berthold
Collector:
Hi Thomas,
die drei anerkannten Grundvoraussetzungen für die per se Definition eines Minerals sind
-kristalline Struktur
-identifizierbare und nachweisbare Formel
-natürlicher Ursprung
Bernstein erfüllt nur 2 dieser 3 Voraussetzungen. Es gibt keinen kristallinen Bernstein und keine Bernsteinkristalle. Ergo - kein Mineral.
Amorphe Mineralien (wie Opal und gewisse Montmorillonite, hydrat. Fe-, Mn-, Al-Oxide etc.) bilden sich durch Konsolidierung kolloider Lösungen (Gele), sind jedoch, selbst in der kolliden Lösung kristallin; selbst Gele können in der Entstehungsphase in kürzester Zeit kristallisieren. Insofern erfüllen diese " amorphen " Mineralien die o.a. Grundvoraussetzung. Bernstein nicht !
Es gibt eine IMA-angelehnte Arbeitsgruppe internationaler Geowissenschaftler / WGOM (working group on organic minerals ); diese arbeitet seit 2003 an der definitiven Diskreditierung des Bernsteins ( preliminary report on valid and rejected names for fossil resins ).
link: wwwobs.univ-bclermont.fr/ima/w3/download/Com-WG-reports. .
Da kannst Du ja mal weiter recherchieren.
gruß
collector
Collector:
ich habe bewußt die bisher geläufige vierte Voraussetzung - anorganisch - weggelassen, da sie aufgrund der anerkannten Mineralien Humboldtin, Whevellit und Mellit nicht mehr haltbar ist.
Da gibts ja recht unterschiedliche (tw. philosophische ) Definitionen, wobei diejenige von Betechtin, redigiert von Prof. Rösler, noch am einleuchtendsten erscheint:
"Mineralien sind natürliche chemische Verbindungen und seltener gediegene Elemente und treten als natürliche Produkte physiko-chemischer Prozesse auf, die sich in der Erdrinde vollziehen. Diese Produkte besitzen bestimmte physikalische und chemische Eiegnschaften. Diese Eigenschaften stehen in enger Beziehung zur chemischen Zusammensetzung und zum Kristallbau der betreffenden Substanz ""
(hier passen also auch die o.a. anerkannten organischen Mineralien rein - aber nicht der aus Pflanzenharz gebildete Bernstein )
nochmals gruß
collector
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