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Synthetische Diamanten
felsenmammut:
Glück Auf!
kannst Du uns bitte mitteilen, welchen Artikel Du da gelesen hast. Literaturangaben oder ein (Permanent-)Link wären da sehr hilfreich.
Es kommt zwar langsam etwas Licht ins Dunkel, aber man stolpert doch noch, will man der Argumentation folgen. Ich nehme mal an, es geht um Schmuckdiamanten, auch wenn De Beers ebenso reichlich den Industriediamantenmarkt beliefert.
Laut Deiner Angabe funkeln die synthetischen Diamanten wie die natürlichen Originale - und das ist nur Deine These. Damit wäre also erst einmal Gleichstand hergestellt.
Deine Aussage "Was aus dem Labor kommt, ist absolut rein" ist auch eine Deiner Thesen oder entspricht überprüfbaren und belastbaren Fakten?
Ich kann ruhigen Gewissens behaupten, nur einiges über Diamantsynthesen zu wissen. Aber alles was ich weiß, ist, dass synthetische Diamanten herstellungsbedingte Verunreinigungen enthalten. Nun muss man sicherlich unterscheiden, über was für Verunreinigungen man redet. Verunreinigungen als einzelne Atome oder kleine Atomverbindungen, die im Kristallgitter eingebaut werden oder Verunreinigungen, die sich als Ansammlung von hunderten oder mehr Atomen beschreiben lassen. Art der Verunreinigung, Menge und Größe haben dann mehr oder weniger Einfluss auf die optischen und mechanischen Eigenschaften des Diamanten. Es wird sicherlich einen Parameterbereich für die Verunreinigungen geben, in dem die Auswirkungen auf die gewünschten optischen Eigenschaften vernachlässigbar klein sind. Das ist aber ein komplexes Wechselspiel aus Chemie und Physik, was nicht pauschal mit dem Zusammenhang weniger Verunreinigung = höhere Reflektanz beantwortet werden kann.
Wenn jetzt aber die Aussage, dass die synthetischen Diamanten reiner und "überlegen" sind auf einer der vorangegangenen Thesen basiert, wäre ich mit weiteren Schlussfolgerungen vorsichtig ohne die Thesen überprüft und mit belastbaren Fakten untersetzt zu haben. Schließlich ließe sich aus der ersten These nur ableiten, dass die synthetischen Diamanten genauso viel Licht reflektieren, weil ja nur Gleichstand besteht.
Ich würde aus den hier gegebenen Informationen erst einmal nur ableiten, dass es wohl möglich ist, synthetische Diamanten in gleicher Qualität herzustellen, wie sie bei natürlichen Diamanten höchster Qualität gegeben ist und das zu niedrigeren Gestehungskosten. Dass der Markt darauf reagieren wird, ist naheliegend. Nur verstehe ich die Schlussfolgerung mit dem Alter nicht. Wogegen soll der Markt wirken? Wenn der Diamantwert weiterhin künstlich hochgehalten wird, um die Glaubwürdigkeit der Diamanten als Wertanlage zu erhalten und gleichzeitig die Gestehungskosten sinken, dann führt das automatisch zu mehr Gewinn für denjenigen, der diese Diamanten herstellt. Kannst Du bitte Deine Gedanken zum Einfluss des Alters (letztlich geht es aber wohl nur darum, ob natürlich oder synthetischer Diamant, also 0 oder 1; wieviel Millionen Jahre ein Diamant schon in der Erde lag, spiel hier wohl keine Rolle) als Parameter der Wertermittlung darlegen. Ich verstehe noch nicht, wo die natürlichen Diamanten wieder die Nase vorn haben sollen und warum.
Nicht entmutigen lassen. Hilf uns, Deinen Gedanken folgen zu können. Dann kommst Du sicherlich auch mit Deinem eigentlichen Anliegen weiter.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut
steinfroilein:
Nicht nur DeBeers, auch Swarovski arbeitet mittlerweile mit synthetischen Diamanten. Auch Leonardo Di Caprio macht(e) 2015 von sich reden und investierte in synthetische Diamanten. Die Abnahme ist noch recht schwach, USA ist derzeit allerdings größter Abnehmermarkt.
Die Bewerbung läuft und wie bei den synthetischen Rubinen, synthetischen Saphiren und synthetischen Smaragden werden auch die synthetischen Diamanten Einzug in den Schmuckmarkt halten.
Unterschieden wird dennoch und zwar im Preis und in natürlich und künstlich.
Wenn man nur drandenkt, wie hoch in den 70ern der Zirkonia als Diamantimitation gehandelt wurde und wie schnell der Preis verfallen ist, dann ist/war es auch nicht verwunderlich wie imaginär hoch der synthetische Moissanit als Diamantimitation gehandelt wird/wurde. Jetzt, nachdem das Patent abgelaufen ist, verfallen auch hier die Preise.
Nicht aber beim natürlichen Diamant. Wie gesagt, hier wird der Preis über Rapaport dirigiert.
Beim synthetischen Diamant wird zwar nachgedacht, auch hier eine Orientierungs-Preistabelle zu führen, doch aufgrund der immensen Mitbewerber und der -ich-unterbiete-den-anderen-Manier wird sich hier nichts gestalten können und ein Preisverfall ist auch bereits abzusehen.
Ich habe nun über 25 Jahre mit echten und mit künstlichen Steinen gearbeitet und viele Diskussionen darüber geführt. Das wichtigste an allem ist, die richtige Deklaration einzuhalten.
Auf was Sabrina eingehen möchte, sind Berichte wie beispielsweise:
https://www.miningscout.de/blog/2018/11/19/diamanten-de-beers-veraergert-die-konkurrenz/
https://www.welt.de/icon/schmuck/article192630241/Diamanten-Was-macht-den-wahren-Schmuckstein-aus.html
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kuenstliche-diamanten-milliardengeschaeft-mit-falschen-steinen-1.3654978
https://www.capital.de/wirtschaft-politik/diamanten-business?article_onepage=true
Ist doch klar, daß auch synthetische Diamanten beworben werden müssen.
Doch die "echten" werden sie nie ganz ablösen.
Statt einem Markt verlagert sich das dann auch zwei Märkte.
Ich kenne sogar einen Händler, der abgemahnt wurde, weil er irreführend geworben hat. Das "synthetisch" muß in den Vordergrund gestellt werden. Auf die CIBJO-Richtlinien und die DIN EN ISO 18323 hatte ich ja schon Bezug genommen.
Fabian99:
Hallo,
da ist eine ungültige Verallgemeinerung in den Aussagen: "Die im Labor gezüchteten Diamanten".
Auf Anhieb fallen mir drei Methodengruppen ein, um Diamanten im Labor zu züchten.
1. CVD Verfahren. Der einfachste Aufbau ist ein Schneidbrenner und eine gekühlte Platte. Wenn die Spitze des inneren Konus auf die Platte trifft und auf unter ca 1000°C bleibt, scheiden sich Diamant und Graphit ab. Diamant ist in der Minderheit, löst sich aber mit den reaktiven Gasen langsamer auf. So werden CVD-filme hergestellt, sei es mittels Plasma, Mikrowelle mit Acetylen oder mit Flour-Chlor-Kohlenwasserstoffen oder oder oder. Das Ergebnis ist eine polykristalline Diamantschicht aus dem Labor. Synthetische Diamant aus dem Labor - wenig spektakulär was ich bisher gesehen haben. https://books.google.de/books?id=9U5_AQAAQBAJ&pg=PA13&lpg=PA13&#v=onepage&q&f=false
2. das gute alte Hochdruck-Verfahren von GE, ca 1950-1960.
3. Nickel-basierte "Flux"-Verfahren mit Temperaturgradienten. Siehe https://www.scielo.br/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0103-97332000000300003&lng=en&nrm=iso
Crystalline perfection of high purity synthetic diamond crystal
https://doi.org/10.1016/S0022-0248(96)00797-X
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den unter 3 hergestellten Diamanten. Da sind deutlich in Figur 1 im UV-Transmissionsspektrum die Unterschiede zwischen synthetischem Ib und synthetischen IIa diamanten aufgezeigt. Der unterschied ist mit Sicherheit mit dem Auge zu erkennen. In Abbildung 2 kommt das IR- Spektrum. Auch da sind die Unterschiede zwischen den synthetischen und den natürlichen Diamanten zu erkennen. Die Spektren der synthetischen unterscheidne sich auch.
Kurz gesagt: Es gibt nicht den synthetischen Diamanten aus dem Labor.
Kommen wir nun "funkeln". Das Funkeln setzt sich aus der Brechzahl (zum Glück ein kubisches Material) und der Dispersion der Brechzahl zusammen.
Der Vergleich der Brechzahlen ist in https://www.researchgate.net/publication/322140767_Near-infrared_refractive_index_of_synthetic_single_crystal_and_polycrystalline_diamonds_at_high_temperatures
"Near-infrared refractive index of synthetic single crystal and polycrystalline diamonds at high temperatures" zu sehen. Die Unterschiede auf der 3. Nachkoma-Stelle werte ich als unbedeutend. Das sieht keiner und kann schon mit einer fehlerhaften Korrektur der Luft-Brechzahl erklärt werden. Das crisselige "synthetische=aus dem Labor" CVD-Diamanten abweichen ist zu erwarten. Daraus macht auch keiner ernsthaften Schmuck. So wenn die Brechzahl gleich ist, gehe ich davon aus, das die Dispersion der Brechazhl ebenfalls gleich ist, da es das "gleiche" Material ist, oder schaue in "Index of refraction from the near-ultraviolet to
the near-infrared from a single crystal
microwave-assisted CVD diamond " https://commons.erau.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1754&context=publication in das Diagramm 1, Plot oben links. Die haben wohl einen besseren CVD-Prozess ;-)
Bleibt nur noch der Farbstich und der wurde in der ersten zitierten Arbeit abgehandelt. Also ist wieder einmal Proben abhängig.
Jetzt wage ich mich auf ganz dünnes Eis, da ich da nicht wirklich Experte bin:
Wenn ein Einschluss in einem natürlichen Diamanten so groß ist, dass er die Optik einfach sichtbar beeinflusst, ist der Stein nicht gerade gute Ware. Gleiches gilt aber auch für die synthetischen Steinchen. somit ist die "Clarity" bei beiden Gruppen (ausser CVD-Diamanten) von miserabel bis perfekt vertreten.
"Die These besteht darin, dass die Diamanten aus dem Labor eben so stark funkeln wie die natürlichen originale. Was aus dem Labor kommt, ist absolut rein."
Klares Nein zu dieser Verallgemeinerung, schau mal die Klunker unter http://www.3bdiamond.com/?action=text|xiongxl|861|en|796|712
an.
Also in meinen Augen kann ein guter natürlicher IIa und ein guter synthetische IIA Diamant nur schwer unterschieden werden. Da brauchst du UV Fluoreszenz-Analysen etc.
Nimmst du die gelben Ib sieht die Welt anders aus - aber wer hängt sich "kamillentee"-farbene Diamanten um den Hals? Genauso wir die erste Reihe in https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,24537.msg193904.html#msg193904 die Naturdiamanten sind.
LG
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