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Autor Thema: Geschiebefund  (Gelesen 904 mal)

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Offline Angler

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Geschiebefund
« am: 13 Okt 20, 19:54 »
Hallo werte Experten und Foristen,

wir haben mal wieder ein Steinchen, aus dem wir nicht so recht schlau werden. Wir haben ihn beim Pilzesuchen gefunden. Also eigentlich war es wohl ein Fuchs, der ihn bei der Anlage eines Baus aus Selbigen befördert und auf dem feinen Sand uns, wie auf dem Präsentierteller, legte.
Es ist zweifellos ein Sedimentgestein, dass deutlich erkennbar geschichtet ist. Seine alte Bruchstelle ist der Grund weswegen wir ihn hier vorstellen wollen bzw. die dort gut erkennbaren Einsprenglinge. Für uns sehen sie wie eingeregelt aus und sind sicherlich kein Quarz. Auf den Bildern leider nicht zu erkennen ist, dass sie silbrig, metallisch „funkeln“, wenn man die Bruchfläche leicht ankippt und etwas schräg auf sie schaut.
Es ist aber nur schwach und nicht zu vergleichen mit den Lichtreflektionen, wie man sie von den Bruchflächen der Feldspäte kennt. Einige meinen es könnte Biotit sein, aber . . .

Was meint Ihr, was könnten die Einsprenglinge sein?
Wie könnte man unseren Stein benennen?
Wie erklärt sich geologisch, die eingeregelte Einbettung fremder, gleichartiger „Kristalle“ in eine Sedimentmatrix? 
         
Wie immer bedanken wir uns im Voraus, für Eure freundliche Hilfe und Unterstützung!

VG von der brandenburger Rentnerband und Michael

Offline smaragd123

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Re: Geschiebefund
« Antwort #1 am: 13 Okt 20, 20:35 »
Wo habt ihr das Stück den gefunden?

Vielleicht geht es in Richtung Bleisandstein (Knottenerz). Ich hab mal ein Bild aus meiner Sammlung angefügt.

Grüße Noah

Offline Angler

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Re: Geschiebefund
« Antwort #2 am: 13 Okt 20, 20:42 »
Hallo Noah,
im Wald bei Eberswalde (Nord Bb.). Ist sicherlich ein skandinavisches Geschiebe, hier ist Moränen-Gebiet, aber eine gewisse Ähnlichkeit sehen wir auch.

VG

Offline Detlef

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Re: Geschiebefund
« Antwort #3 am: 13 Okt 20, 20:53 »
Halo Michael,
as Stück erinnert mich an Rätrsandstein. Dieser wurde bei uns östlich von Wolfsburg im Landkreis Helmstedt als Werkstein gewonnen. Im Sandstein fein verteilt kommt Pyrit vor. Die dunklen Flächen erinnern an inkohlter Pflanzenhäcksel. Der Pyritanteil ist so hoch, daß in den alten abgesoffenen Steinbrüchen durch den Schwefelsäureanteil des verwitterten Pyrits keine Fische vorkommen. as Material scheint rin Geschiebefund zu sein
Mit freundlichen Gruß
Frank-Detlef Paul

Offline smoeller

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Re: Geschiebefund
« Antwort #4 am: 14 Okt 20, 19:52 »
Hallo,

Meine Vermutung geht auh in die Richtung Rhät/Lias. Meist ist in solchen Funden das genaue Alter nicht leicht zu bestimmen, weswegen man von Rhät-Lias-Übergangsschichten spricht. Gesteine dieses Alters finden sich im Bereich der Ostsee um Bornholm und dort auf der Insel.

Glück Auf!
Sebastian

Offline Angler

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Re: Geschiebefund
« Antwort #5 am: 14 Okt 20, 21:58 »
Hallo Detlef und Sebastian,
zunächst vielen Dank für Eure Expertisen. Wir haben etwas nachgelesen und denken, dass Eure Verortung unseres Fundstückes sehr gut passen könnte. Da der Rhätsandstein aus sedimentären Ablagerungen in fließenden Gewässern entstanden sein soll, erklärt sich für uns die feine Schichtung und die richtungsgebundene Einlagerung der "Einsprenglinge".
Dann bliebe nur noch eine Frage offen, die nach dem Wesen der "Einsprenglinge". Wenn wir Dich Detlef, richtig verstanden haben, dann sollte es sich um pyritisierte Pflanzenreste handeln können.
Da Pyrit sehr hart ist, denken wir einige Kristalle freilegen zu können, um diese anzuschleifen. Dann sollte sich zeigen, ob Detlefs These richtig ist oder es sich um eins der anderen Minerale im Rhätsandstein handelt.
Eine engere zeitliche Verortung ist für uns ebenso sekundär, wie die Frage, Geschiebe oder Verschleppung. Wobei wir letztere Möglichkeit nur als theoretisch denkbar ansehen, wegen des oben beschriebenen Fundortes und Sebastians Hinweis auf Bornholm.

Wenn wir neue Erkenntnisse haben, werden wir Euch berichten. Bis dahin,

VG von der brandenburger Rentnerband und Michael   

Offline Detlef

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Re: Geschiebefund
« Antwort #6 am: 15 Okt 20, 13:32 »
Hallo Michael,
der Pyrit im Rhätsandstein ist im Prinzip fein verteilt und in den meisten Fällen bereits oxidiert, was dem Stein die cremig bräunliche Färbung verleit. Der pflanzliche Häcksel hat sichelich zur Anreicherung von Pyrit/Markasit gedient. Ich glaube ein Anschliff bringt nichts, auch ist der Sandstein nicht polierfähig. Pyrit kommt hier nur mikroskopisch klein zwischen den einzelnen Sandkörnern vor, mit maximaler Anreicherung an einzelnen Stellen. Auch ist der Pflanzenhäcksel nur ein Hauch von Kohlenstoff.

Liebe Grüsse Frank-Detlef Paul

Offline Eckard

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Re: Geschiebefund
« Antwort #7 am: 15 Okt 20, 16:12 »
Hallo Frank-Detlef,

Du schreibst: ..., auch ist der Sandstein nicht polierfähig.   

Meine Frage: Gilt das speziell für diese Art Sandstein?

Besten Gruß
Eckard






Offline Detlef

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Re: Geschiebefund
« Antwort #8 am: 15 Okt 20, 17:33 »
Hallo Eckard,
dieser Sandstein, sowie auch andere sind generell nicht polierbar.
Quarzit dagegen müsste mit mä0igen Erfolg polierbar sein, da die Zwischenräume zwischen den einzelnen Sandkörnern durch Quarz ausgefüllt sind.

Offline Eckard

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Re: Geschiebefund
« Antwort #9 am: 15 Okt 20, 19:42 »
Danke, Frank-Detlef

Den Satz:
dieser Sandstein, sowie auch andere sind generell nicht polierbar

möchte ich so nicht unterstreichen. Den Stein von Michael kenne ich nicht, kann ihn also nicht beurteilen. - Ich habe ja erst vor zwei Jahren begonnen, mich mit Steinen zu befassen, habe darum alles Mögliche an meinen Schneider und Polierer geschickt, geschnitten und poliert zurückbekommen; auch Sandsteine und, soweit ich sie so einstufen kann, auch Quarzite.

Gelegentlich werde ich mal zwei Kalmarsundsandsteine zum Schneiden und Polieren schicken. Mal schauen, was daraus wird.

Du schreibst weiter:
Quarzit dagegen müsste mit mäßigen Erfolg polierbar sein, da die Zwischenräume zwischen den einzelnen Sandkörnern durch Quarz ausgefüllt sind.

Bei Vinx lese ich das etwas anders. Er schreibt:
Typischer Quarzit zeigt ein einheitliches Mosaik von unmittelbar aneinander grenzenden oder auch miteinander verzahnten Quarzkörnern ohne Bindemittel.
Also ohne zwischenraumfüllenden Quarz.

Jetzt bin ich ein wenig verunsichert bezüglich des Quarzits. Aber ich lerne gerne noch etwas hinzu.

Besten Gruß
Eckard

Offline oliverOliver

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Re: Geschiebefund
« Antwort #10 am: 16 Okt 20, 13:45 »
du hast völlig Recht -
Quarzit: Quarzkörner engstens miteinander verzahnt (durch metamorphe Überprägung)
hingegen:
gut abgrenzbare Quarzkörner in "glasiger" Quarzmatrix: eingekieselter Quarzsandstein.
wird leider oft verwechselt bzw. durcheinandergewürfelt.
« Letzte Änderung: 16 Okt 20, 19:44 von oliverOliver »

Offline Eckard

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Re: Geschiebefund
« Antwort #11 am: 16 Okt 20, 19:38 »
Hej Oliver,

danke für Deine Einschätzung.

Die richtige Einordnung der Sedimente fällt mir mitunter etwas schwer. Muss wohl mal einen Lehrgang machen. :) - Sandsteine, Quarzsandsteine, Quarzite, Quarze in allen Variationen sind ein interessantes Gebiet, mit dem sich, wenn ich es richtig erkannt habe, Geschiebesammler weniger befassen. Aber vielleicht hört man nur zu wenig darüber von diesen. 

Für mich ist es blöd, weil ich in meiner Nähe niemand habe, der sich mit Steinen befasst. Ich lese möglichst viel in Büchern und im Internet, aber nicht immer ist es möglich, nach den da aufgeführten Daten und Fotos‚ seine eigenen Funde’ zu bestimmen. Da bleibt es dann eben bei den Angaben wie ‚Granit’, Sandstein’, ‚Porphyr’ oder was auch immer. Also ähnlich, wie auch Michael es geschrieben hat.

Ich bin kein Geologe, werde auch keiner mehr, darum kann ich mit ‚Brüchen’ nichts anfangen. Ich möchte mich nur noch an der Schönheit der so unterschiedlichen Gesteinsarten erfreuen. Die Wissenschaft überlasse ich anderen.

Schönen Abend
Eckard

Offline felsenmammut

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Re: Geschiebefund
« Antwort #12 am: 18 Okt 20, 03:33 »
Glück Auf!

Noch ein paar Anmerkungen zu diesem schönen Thema:

Quarzsand und (Quarz-)Sandstein haben einen fließenden Übergang. Die Diagenese, die Sande zu Sandstein verfestigt, ist ein kontinuierlicher Prozess. Das kann man sich z.B. in der Buckschen Schweiz anschauen. Der dort vorkommende Quarzsand ist stellenweise so fest, dass sie an der Oberfläche Felsen bilden. In Teilen der Quarzsandlagerstätte ließ sich der wenig verfestigte Sand tatsächlich baggern. In den derzeit gewonnenen Lagerstellenteilen ist der Quarzsand so verfestigt, dass man mit ihn mit einem Hochdruckwasserstrahl schneidet.

Auch Sandstein und Quarzit haben einen fließenden Übergang. Wo Diagenese aufhört und Metamorphose anfängt, lässt sich wohl nicht eindeutig festlegen. Und der Grad der Metamorphose von Quarziten ist auch sehr verschieden. Es gibt schwachmetamorphe Quarzite, wo an (einigen) Quarzen noch Rundungen zu erkennen sind und ein geringes Porenvolumen noch vorhanden ist. Es gibt Quarzite mit sehr schön eckig begrenzten Quarzkörnern und einem porenfreien Gefüge. Und es gibt Quarzite, an denen man die Korngrenzen nur noch erahnen kann, da sie keine scharfe Grenze mehr ausbilden.

Und dann kommt ja noch die chemische Mobilisierung von Silizium dazu. So werden verkieselte Quarzsedimente auch als Quarzit bezeichnet, obwohl sie keine Metamorphose erfahren haben. Allerdings ergänzt man die Benennung mit dem Hinweis der sedimentären Bildung und nennt sie dann Sedimentärquarzit.

Was die Bearbeitung angeht, so gibt es ebenso ein großes Spektrum. Natürlich ist ein krümeliger Sandstein unbehandelt keine Freude für einen Schleifer. Aber auch Quarzit ist nicht gleich Quarzit was die Polierfähigkeit anbetrifft. Chiasma-Sandstein bzw. Kalmarsund-Sandstein lassen sich schon brauchbar gut polieren. Sie sind auch so weit verfestigt, dass das Schleifen keine Probleme bereitet. Eine richtig gute Politur, die mit der von reinen Chalcedonen gleichzusetzen ist, zeigen z.B. lausitzer Sedimentärquarzite. Aber auch hier gibt es Unterschiede.

Und um auf die Frage zum Anfangsbeitrag zurückzukommen. Auch ich würde die dunklen Einschlüsse als pflanzliche Relikte deuten. In den grobkörnigen Sandsteinen ist der Erhaltungszustand meist miserabel. In Tonen sieht es deutlich besser aus, so dass der fachkundige Sammler eine nähere Bestimmung wagen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Offline Eckard

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Re: Geschiebefund
« Antwort #13 am: 20 Okt 20, 19:17 »
Hallo Markus,

danke für Deinen interessanten Bericht zu Sandsteinen, Quarziten, Sedimentärquarziten etc. Ich brauche solche Informationen um mich in dem für mich eigentlich unbekannten Wissensgebiet zurechtzufinden.

Ich hänge mal einen Stein an, gefunden an der Flensburger Förde bei Habernis, geschnitten und poliert im Erzgebirge. - Ich mag die Sedimente. :)

Besten Gruß
Eckard

 

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