Glück Auf!
Wenn es wirklich Calcit ist, empfehle ich Essigsäure. Das dauert zwar deutlich länger, liefert aber das bessere Ergebnis und macht deutlich weniger Probleme beim anschließenden Neutralisieren der Stufe. Essigsäure gibt es in konzentrierter Form in Gebinden z.B. für den Gastronomiebedarf. Bezugsquellen gibt es viele. Da muss man halt schauen, was für einen das Preiswerteste und Bequemste ist. Den Stein setze ich mit warmem (wenn ich es dem Stein zutraue, dann auch heißem) Wasser an, warte bis der Stein vollgesogen ist und schütte dann die Essigsäure dazu. Die Endkonzentration dürfte so geschätzt bei 20% liegen. Ich schaue aber weniger auf die Konzentration sondern mehr auf die Blasenentwicklung. Bei zu niedriger Konzentration dauert es ewig, weil zu wenig Säuremoleküle am Calcit vorbeikommen. Bei zu hohen Konzentration ist zu wenig Säure dissoziert und das ganze System genauso träge. Bei einer ausreichenden Blasenentwicklung entwickelt sich auch eine langsame aber ausreichende Bewegung in der Lösung. Dann steht das ganze abgedeckelt für eine Woche, manchmal auch zwei oder drei Wochen rum. Bei Sommerwetter steht es draußen. Bei kaltem Wetter ist die Reaktionskinetik deutlich abgeschwächt. Regelmäßiges gucken ist erlaubt. Manchmal ist die Stufe fertig, manchmal muss man die Prozedur mit frischer Lösung von vorne beginnen. Zuletzt hatte ich eine Natrolithstufe in drei Zyklen vom Calcit befreit. Da die Säure auch entlang der Risse in den Calcit einzieht, hat man regelmäßig lose Calcitbruchstücke, die man entfernen kann. Wenn der Calcit weggelöst ist, dann Stufe abspühlen und noch einmal eine Woche in Wasser stehen lassen, um den Säureresten die Möglichkeit zum Verlassen der Stufe zu geben.
Essigsäure greift viel weniger Minerale an und diese auch langsamer als Salzsäure. Salzsäure zieht zudem aus vielen Mineralien die erwünschten farbgebenden Bestandteile ohne die Minerale selbst aufzulösen. Klassisches Beispiel sind viele Schichtsilikate, die nach einem Salzsäurebad blasser wirken.
Salzsäure ist deutlich schwerer so weit zu neutralisieren, dass auch nach längerer Zeit sich keine Ausblühungen mehr bilden. Die Cl- und H3O+ Ionen schaffen es problemlos, sich in den porösen Mikrostrukturen vieler Minerale festzusetzen. Z.B. ist Milchquarz prädestiniert für solche offenporigen Mikrostrukturen.
Essigsäure löst viele andere Sekundärminerale wie Eisen- und Manganverbindungen langsamer auf. Es bleibt am Ende ein natürlicherer Gesamteindruck der Stufe.
Zu dem konkreten Fall Karbonate vom Glockenpöhl. Unter den Karbonaten sind Ankerit, Siderit und Dolomit recht weit verbreitet. Der Ankerit ist dabei häufig schneeweiß, Siderit olivgrün bis braun (abhängig vom Grad der Verwitterung/Limonitisierung) und der Dolomit meist in hellen Gelbbrauntönen gefärbt. Die eben drei genannten Karbonate lassen sich erheblich schlechter mit Essigsäure entfernen. Auch monatelanges Einlegen in gut konzentrierter Lösung bei sommerlichen Temperaturen führte bei meinen Versuchen zu unbefriedigenden Ergebnissen. Unabhängig davon sind Tests an unattrakiven Stücken immer angeraten. Nichtsdestotrotz kann das erfolgreiche Weglösen der Karbonate zu unansehnlichen Stufen führen. Ich habe da auch schon Vieles wieder entsorgt.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut