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Autor Thema: Calcitschicht über Bergkristallstufen entfernen  (Gelesen 444 mal)

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Offline S-C-H-U-B-E-R-T

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Liebe Sammler,

ich habe vor ein paar Wochen einige schöne Bergkristallstufen aus dem Steinbruch "Glockenpöhl" nahe Bösenbrunn/Oelsnitz i. Vogtland bergen können. Ein anderer Sammler, der vor Ort war und den ich nur flüchtig kenne, meinte, dass ich doch die Stufen "aussäuern" soll. Dies würde sich lohnen.

Ich habe mal Fotos von zwei Stufen angefügt. Wie auf dem zweiten Foto zu sehen, gibt es auch Stufen, die zentimeterdicken Calcit auf den Bergkristallspitzen sitzen haben.

Ganz praktisch gefragt: Welche Salzsäure in welcher Konzentration nehme ich? Wie lange dauert die Behandlung schätzungsweise? Und wie/wo entsorgt man eigentlich die Säure danach?

Selbstverständlich dokumentiere ich mit Fotos das Ergebnis am Ende!

Dank im Voraus & Grüße,
Benedikt

Offline oliverOliver

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Re: Calcitschicht über Bergkristallstufen entfernen
« Antwort #1 am: 14 Nov 20, 20:50 »
Zitat
Welche Salzsäure in welcher Konzentration nehme ich?

Kommt drauf an, ob die sonstige Stufe ganz aus SiO2 besteht, oder ob da in der Matrix evtl. auch Calcit dabei ist ....
Wenn du`s vorsichtig angehen (und zudem das Ensorgungsproblem umgehen) willst - ich hab beim Entfernen von Calcit/Sinter auch gute Erfahrungen mit Essig gemacht - bei 7,5%igem Essig verschwindet Kalk/Calcit/Sinter recht schnell, bei 5%igem dauerts halt ein wenig länger.
Danach ausreichend lange Wässern (Wasser mehrfach wechseln) nicht vergessen!

Ist aber wie immer ein zweischneidiges Schwert - kommt drauf an ob du "schöne" Stufen willst, oder Belege für die Paragenese - in letzterem Fall gehört der Calcit eben dazu ....

Offline Pcheloyad

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Re: Calcitschicht über Bergkristallstufen entfernen
« Antwort #2 am: 14 Nov 20, 21:16 »
@Benedikt :

Ganz der Meinung von Oliver.

Falls Du doch HCL nehmen solltest: Schutzbrille,Handschuhe und am besten im Freien + der olle Spruch :

"Erst das Wasser dann die Säure, sonst...."

Wenn Du dann die Säure auf ein erträglich Maß verdünnt haben solltest, findest Du bestimmt noch Verwendung als Entsorgung. ( Rohrreiniger )

Muss ich gerade dran denken, was hier ( in BG ) den Leuten für Fayance ( Waschbecken-Kloschüssel )-Reiniger verkauft wird. Enthält 13%HCL. Warnhinweise auf der Flasche ? Pustekuchen !  Schon traurig für ein sog. EU Mitgliedsland.

Viel Erfolg beim Aussäuern

Marcus

Offline felsenmammut

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Re: Calcitschicht über Bergkristallstufen entfernen
« Antwort #3 am: 15 Nov 20, 01:42 »
Glück Auf!

Wenn es wirklich Calcit ist, empfehle ich Essigsäure. Das dauert zwar deutlich länger, liefert aber das bessere Ergebnis und macht deutlich weniger Probleme beim anschließenden Neutralisieren der Stufe. Essigsäure gibt es in konzentrierter Form in Gebinden z.B. für den Gastronomiebedarf. Bezugsquellen gibt es viele. Da muss man halt schauen, was für einen das Preiswerteste und Bequemste ist. Den Stein setze ich mit warmem (wenn ich es dem Stein zutraue, dann auch heißem) Wasser an, warte bis der Stein vollgesogen ist und schütte dann die Essigsäure dazu. Die Endkonzentration dürfte so geschätzt bei 20% liegen. Ich schaue aber weniger auf die Konzentration sondern mehr auf die Blasenentwicklung. Bei zu niedriger Konzentration dauert es ewig, weil zu wenig Säuremoleküle am Calcit vorbeikommen. Bei zu hohen Konzentration ist zu wenig Säure dissoziert und das ganze System genauso träge. Bei einer ausreichenden Blasenentwicklung entwickelt sich auch eine langsame aber ausreichende Bewegung in der Lösung. Dann steht das ganze abgedeckelt für eine Woche, manchmal auch zwei oder drei Wochen rum. Bei Sommerwetter steht es draußen. Bei kaltem Wetter ist die Reaktionskinetik deutlich abgeschwächt. Regelmäßiges gucken ist erlaubt. Manchmal ist die Stufe fertig, manchmal muss man die Prozedur mit frischer Lösung von vorne beginnen. Zuletzt hatte ich eine Natrolithstufe in drei Zyklen vom Calcit befreit. Da die Säure auch entlang der Risse in den Calcit einzieht, hat man regelmäßig lose Calcitbruchstücke, die man entfernen kann. Wenn der Calcit weggelöst ist, dann Stufe abspühlen und noch einmal eine Woche in Wasser stehen lassen, um den Säureresten die Möglichkeit zum Verlassen der Stufe zu geben.

Essigsäure greift viel weniger Minerale an und diese auch langsamer als Salzsäure. Salzsäure zieht zudem aus vielen Mineralien die erwünschten farbgebenden Bestandteile ohne die Minerale selbst aufzulösen. Klassisches Beispiel sind viele Schichtsilikate, die nach einem Salzsäurebad blasser wirken.
Salzsäure ist deutlich schwerer so weit zu neutralisieren, dass auch nach längerer Zeit sich keine Ausblühungen mehr bilden. Die Cl- und H3O+ Ionen schaffen es problemlos, sich in den porösen Mikrostrukturen vieler Minerale festzusetzen. Z.B. ist Milchquarz prädestiniert für solche offenporigen Mikrostrukturen.
Essigsäure löst viele andere Sekundärminerale wie Eisen- und Manganverbindungen langsamer auf. Es bleibt am Ende ein natürlicherer Gesamteindruck der Stufe.

Zu dem konkreten Fall Karbonate vom Glockenpöhl. Unter den Karbonaten sind Ankerit, Siderit und Dolomit recht weit verbreitet. Der Ankerit ist dabei häufig schneeweiß, Siderit olivgrün bis braun (abhängig vom Grad der Verwitterung/Limonitisierung) und der Dolomit meist in hellen Gelbbrauntönen gefärbt. Die eben drei genannten Karbonate lassen sich erheblich schlechter mit Essigsäure entfernen. Auch monatelanges Einlegen in gut konzentrierter Lösung bei sommerlichen Temperaturen führte bei meinen Versuchen zu unbefriedigenden Ergebnissen. Unabhängig davon sind Tests an unattrakiven Stücken immer angeraten. Nichtsdestotrotz kann das erfolgreiche Weglösen der Karbonate zu unansehnlichen Stufen führen. Ich habe da auch schon Vieles wieder entsorgt.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Offline S-C-H-U-B-E-R-T

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Re: Calcitschicht über Bergkristallstufen entfernen
« Antwort #4 am: 15 Nov 20, 10:03 »
Vielen lieben Dank für Eure Antworten!  :D

Ich versuche es also mit Essigsäure. Im Internet gibt es den Liter Essigsäure (60%) für 12 Euro. Da schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe: Unser Wasserkocher ist nämlich auch verkalkt  ;)

Und noch mal zu den Stufen, denn man sieht es auf den Fotos in der Tat nicht so deutlich: Das ist alles derber Calcit, der auf den Kristallspitzen sitzt. Beim Steinbruch "Glockenpöhl" (wo man übrigens bei höflicher Anfrage vor Ort auch offiziell reinkommt!) gibt es einen angesprengten Quarzgang, bei dem der Hohlraum zwischen den "Quarzzähnen" meist mit unansehnlichem Calcit gefüllt ist.

Grüße
Benedikt
« Letzte Änderung: 15 Nov 20, 16:11 von S-C-H-U-B-E-R-T »

Offline ger steinn

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Re: Calcitschicht über Bergkristallstufen entfernen
« Antwort #5 am: 15 Nov 20, 16:24 »
Essigsäure braucht viel Geduld, sollte aber gut funktionieren, solange nicht auch noch Dolomit/Ankerit neben dem Calcit vorkommen. Kann in Bösenbrunn durchaus passieren.
Ich habe meine Bösenbrunner immer mit 10-12%iger HCl ausgesäuert. Leider stets glücklos, denn die freigelegten Quarze unter dem derben Calcit waren durch die karbonatische Überprägung immer stark angelöst und taugten nur noch als Schotter. Besonders bei deinem zweiten Stück befürchte ich ähnliches.
Verbrauchte HCl nimmt auch dein nächster Wertstoffhof entgegen.

Gruß+viel Glück!
Karsten

Online uwe

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Re: Calcitschicht über Bergkristallstufen entfernen
« Antwort #6 am: 15 Nov 20, 18:31 »
Nur in den seltensten Fällen bringt ein Lösen karbonatischer Gangart eine wesentliche optische Verbesserung. Für einen Sammler ist eine Stufe mit der Orginalparagenese immer wertvoller als eine Stufe an welcher herumgedocktert wurde. Ich würde die besagt Stufe gut einigen. Dann ist sie gut für die Sammlung.

Gruß
Uwe

Offline S-C-H-U-B-E-R-T

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Re: Calcitschicht über Bergkristallstufen entfernen
« Antwort #7 am: 15 Nov 20, 20:09 »
Hallo in die Runde,

klar, kann die Einwände nachvollziehen, aber es juckt mir in den Fingern, die Kristalle darunter zu sehen  ;D

Es ist keineswegs so, dass ich mir damit meine einzigen "Top-Stufen" verderbe. Keine Ahnung, wie es ganz aktuell im "Glockenpöhl" aussieht, aber in den letzten zwei Monaten konnte man echt eine Menge rausholen. Bei manchen Stufen passt der Calcit auch einfach zu dem Gesamtarrangement in ästhetischer Hinsicht: Ein Beispiel, das ich nicht weiter bearbeite, habe ich angehängt.

Grüße
Benedikt

 

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