Moin Zusammen
Wenn man wegen so einem kleinen nervigen Virus zuhause "eingesperrt" ist, kommen einen schonmal merkwürdige Ideen, hierzu eine etwas ausführlichere Einleitung: Seit geraumer Zeit bastle ich nebenbei an mehr oder weniger komplexen Elektronikprojekten. Um eine elektronische Schaltung aus dem PC in die Realität zu transferieren ist es nötig, die Schaltkreise in irgendeiner Form auf eine Platine zu bringen und diese dann mit den nötigen Bauteilen zu bestücken. Eine Möglichkeit zur Platinenherstellung ist das sogenannte Fotopositiv-Verfahren. Dabei werden die Leiterbahnen (das Layout) in einem speziellen Programm nach dem Schaltplan gezeichnet, auf eine Folie gedruckt und diese dann als Maske auf eine mit Kupfer und Fotolack beschichtete Epoxidharzplatte gelegt. Der Fotolack ist fotopositiv, d.h. dunkle Bereiche bleiben als Lackschicht erhalten und helle Bereiche werden vom Entwickler weggelöst. Zum Belichten wird langwelliges UV-Licht (ideal um 405nm, also schon im violetten Bereich) verwendet, als Entwickler dient verdünnte Natronlauge (ca. 1%ig). Danach wird die Platine mit einem Ätzmittel behandelt wobei die vom Lack befreiten Kupferbereiche weggelöst werden und übrig bleiben die Leiterbahnen.
Ich wende dieses Verfahren nun schon seit etlichen Jahren an. Irgendwann kam mir die Idee "Wieso eigentlich immer nur Leiterbahnen, wieso nicht auch mal etwas anderes, z.B. ein kleines Bild?" An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, das - logischerweise - keine Graustufen in den Platinen möglich sind; entweder bleibt Kupfer stehen oder nicht, wahrlich binäres schwarzweiß. Demzufolge sind Bilder etwas problematisch, da sie auf ein solches binäres schwarzweiß-Format reduziert werden müssen. Das ist z.B. mit Photoshop leicht machbar, man merkt jedoch schnell, dass das Bild sofort entsprechend pixelig erscheint, da alle Grauwerte in ein Schwarz-Weiß-Pixelmuster übersetzt werden. Man muss also ein möglichst großes, hoch aufgelöstes Bild nehmen welches danach auf einer Platine entsprechend groß erscheint - normalerweise eher unpraktisch, soll doch die Platine nicht nur funktional sondern auch möglichst klein sein. Aber gelegentlich war genügend Platz für ein "Mikrologo", so das ich schon einige Erfolge hatte.
Nun hatte ich noch aus meinen Anfangszeiten einen 300x210mm großen, einseitig mit Kupfer und Fotolack beschichteten Platinenrohling übrig und da ich inzwischen nur noch doppelseitig arbeite, drohte dieser endgültig zu verstauben. Ich habe mich also kurzerhand dazu entschlossen, ihn zu "verbrauchen" und mal ein "richtiges" Bild zu versuchen. Da ich ohnehin nur schwarz-weiß darstellen kann, fiel meine Wahl auf die Calcit-Rose, die ich im Steinbruch Winterberg gefunden hatte. Sie ist auch mein Avatar-Bild.
Hier das Originalbild:

Mineralfotos einmal anders
Mit Photoshop habe ich das Bild in die Schwarzweißform umgewandelt. Da beim Ätzen immer mit einer leichten Unterätzung (der Ätzvorgang schreitet auch minimal unter dem Fotolack voran) zu rechnen ist, kann als kleinste Auflösung nicht ein Pixel herhalten, dieser würde weggelöst werden. 3x3-Pixel als Minimum hatte schon mehrfach funktioniert, also wurde das Bild in Schwarzweiß umgewandelt und die Pixelzahl dann verdreifacht. Spiegelverkehrt deshalb, damit die bedruckte Seite der Folie möglichst dicht auf dem Fotolack aufliegt.

Mineralfotos einmal anders
Dieses Bild wurde dann auf eine Folie gedruckt, schön tintenfressend mit meinem Uralt-Tintenstrahldrucker (mit Tinte bedruckte Folien funktionieren aufgrund ihres hohen Kontrastes besser als mit Laserdrucker oder Kopierer erstellte).

Mineralfotos einmal anders
So, und nach dem Belichten und Ätzen kam dann das dabei raus:

Mineralfotos einmal anders
Das Selbe nochmal im Durchlicht:

Mineralfotos einmal anders
Man sieht deutlich, das - leider - in den "hellen" Bereichen doch einiges an Pixeln durch Unterätzung verloren gegangen ist. Aber immerhin, ein Bild, in Kupfer verewigt. Erinnert etwas an die Anfänger der Fotografie mit Daguerreotypie und dergleichen. Sicher kann das Verfahren noch etwas in Hinsicht auf den Kontrast verbessert werden. Leider ist es ein vergleichsweise teurer Spass: Ein Platinenrohling der Größe 30x21cm (etwas DIN-A 4) kostet knapp 12 Euro, dazu reichlich Tinte, eine Folie, Ätzmittel. Ok, die letzten Posten liegen im Centbereich aber der Platinenrohling schmerzt natürlich, daher wird es erstmal bei diesem Exemplar bleiben. Auch ist es nahezu unmöglich das fertige Resultat richtig abschätzen zu können: Man müsste zunächst eine Testplatine belichten und ätzen um zu sehen, ob der Kontrast richtig gewählt wurde, dann korrigieren, erneut drucken, ätzen etc.. Hinzu kommt, dass die Beschichtung der Rohlinge mit dem Fotolack nicht perfekt und 100%ig gleichmäßig ist. Gerade bei großflächigen Platinen (so in der Vergangenheit auch mit für Elektronik gedachten) treten häufig Schlieren und ähnliche Unregelmäßigkeiten auf, was man auch auf dem letzten Bild sehen kann. Dadurch muss nicht selten länger geätzt werden als theoretisch nötig und damit steigt auch die Unterätzung. Das Verfahren steht also in keinem Verhältniss zur z.B. Schwarzweißfotografie, wo Fotopapier und Negativ von hoher Güte sind. Aber bevor der Rohling irgendwann mal im Müll landet, kann man ja auch nochmal etwas rumprobieren

Viele Grüße
Markus