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Autor Thema: Versteinerung  (Gelesen 2320 mal)

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buddy

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Versteinerung
« am: 18 Apr 21, 21:26 »
Foto einer Schülerin, Schule in Tirol, Hintergrundstory und Fundort derzeit unbekannt
Weiß jemand, worum es sich handeln könnte?

Offline klausnitzer

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Re: Versteinerung
« Antwort #1 am: 01 Oct 21, 23:13 »
Hallo!

Zu Deinem interessanten Fundstück:
Das Objekt weist einen konischen Verlauf auf Links und rechts befindet sich ein perlschnurartiger Sipho (oder Abdrücke zweier Tiere im Geschiebe); es sind die Ausfüllungen der Kammern zu erkennen, die sich im Steinkern jeweils als längliche Erhebungen manifestieren. Im oberen Bildbereich (= breitester Bereich) sieht man aufgrund günstiger Verwitterung, dass der Querschnitt des Objektes insgesamt rundlich ist (nach links bzw. rechts ist dieser Verlauf zu erkennen). Wir haben somit ein Objekt vor uns, welches konisch ist und im Vertikalschnitt eine Dreiteilung aufweist und dreidimensional einen Kreiskegel repräsentiert, wobei die perschnurartige Struktur (= Sipho) randlich positioniert ist. Besonders deutlich im unteren (schmaleren) Bereich sind deutlich - typisch rückwärts weisende - Kammerscheidewände zu erkennen, etwas weniger deutlich ebenso evtl. Reste der Außenschale. Es besteht also kein Zweifel daran, dass Du hier einen orthoconen Nautiloiden mit marginalem/ventralen, perlschnurartigem (cyrtochoanitischem) Sipho und engständiger Kammerung vor Dir hast. Es dürfte sich wahrscheinlich um einen endoceriden bzw. ellesmoceriden Vertreter der Nautiloidea aus dem Ordovizium handeln.
Woher stammt das Gestein?? Das Fossil besitzt, oberflächlich betrachtet, Ähnlichkeit mit dem Rest eines Lobopoden, was jedoch extrem selten ist oder dem abgerolltem Rest der Oberfläche eines Seeigels.

beste Grüße
T. Klaus
« Letzte Änderung: 02 Oct 21, 03:58 von klausnitzer »

Offline stoanklopfer

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Re: Versteinerung
« Antwort #2 am: 02 Oct 21, 07:49 »
... Es besteht also kein Zweifel daran, dass Du hier einen orthoconen Nautiloiden mit marginalem/ventralen, perlschnurartigem (cyrtochoanitischem) Sipho und engständiger Kammerung vor Dir hast. Es dürfte sich wahrscheinlich um einen endoceriden bzw. ellesmoceriden Vertreter der Nautiloidea aus dem Ordovizium handeln.
...

Das ist ein Kalkstein der Mitteltrias, nicht aus dem Paläozoikum! Es dürfte sich um Moostierchen (Bryozoen) oder um einen Schwammrest handeln, nicht um einen "Nautiloiden". Da kann man noch so viel mit für Laien unverständlichen Begriffen um sich schmeissen, es wird trotzdem keiner...  ::)

Volkmar

Offline klausnitzer

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Re: Versteinerung
« Antwort #3 am: 05 Oct 21, 19:30 »
Da kann ich mich wohl nur entschuldigen. Bin da wohl als Paläontologe etwas übers Ziel hinaus geschossen. Ich habe es meinem damaligen Uni-Professor vorgelegt, der ist jedoch auch meiner Meinung. Wie kommt man ohne Untersuchung des Gesteins auf mittlere Trias? Auch wenn es äußerlich den Anschein eines Muschelkalks macht. Hat der Finder den Fundort nachträglich genannt? Gegen Bryozoen spricht die Unregelmäßigkeit des Musters. Aber darüber kann man natürlich streiten. Ohne mikroskopische Untersuchung würde ich mich nicht festlegen. Beste Grüße!

Offline stoanklopfer

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Re: Versteinerung
« Antwort #4 am: 06 Oct 21, 06:25 »
Foto einer Schülerin, Schule in Tirol, Hintergrundstory und Fundort derzeit unbekannt

... Wie kommt man ohne Untersuchung des Gesteins auf mittlere Trias? Auch wenn es äußerlich den Anschein eines Muschelkalks macht. Hat der Finder den Fundort nachträglich genannt? ...

Ich gehe davon aus, daß die Schülerin das Stück in ihrer näheren oder weiteren Umgebung bei einem Ausflug gefunden hat. Natürlich kann sie den Stein auch im Urlaub an der Nordsee oder in Botswana oder sonst wo gefunden haben, aber das hätte sie mit Sicherheit erwähnt. Nachdem mir Paläontologie und besonders die Tiroler Geologie nicht fremd sind, wage ich zu behaupten, daß es sich am ehesten um Mitteltrias (ich lehne mich sogar so weit aus dem Fenster und sage wahrscheinlich ladinischen Wettersteinkalk) handelt. Auch gibt es wenige paläozoische Karbonate in Tirol, die aber meist dolomitisiert sind und kaum bestimmbare Makrofossilien aufweisen. Also ist die Wahrscheinlichkeit für Mitteltrias aus logischer Betrachtung schon sehr hoch.
Ich habe bei meiner Vermutung (keine Bestimmung!) auch gesagt "dürfte", weil ich weiss, daß von einem Foto eine Bestimmung meist nicht oder nur bedingt möglich ist. Ich stimme zu, daß ein Dünnschliff eher Klarheit bringen würde. Für mich sieht es - natürlich unsicher - nach wie vor nach Bryozoen oder Schwammresten aus.

Auch beste Grüße,
Volkmar

 

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