Hallo,
bin inzwischen aus Norwegen zurück.
Im Fossheim Steinsenter in Lom war im (sehenswerten) Museum ein sehr schöner Citrin
aus der Gegend von Hurum (südlich Oslo) ausgestellt, dieser war intensiv grünlich-gelb,
so wie Stücke aus Hasawarka im Polar-Ural, nur nicht so dunkel.
Diese Citrine sehen farblich völlig anders aus als die gebrannten Amethyste
oder z.B. die "neuen" mit Sprossen aus dem Kongo.
Ich habe leider nur ein eher niedliches Kriställchen als Belegstück im Laden-Sortiment finden können.
Inzwischen hatte ich Zeit, mir den Artikel von Nassau durchzulesen.
Der Mann hat anscheinend einige berufliche Erfahrung bei der Edelsteinsynthese
und darüber auch ein Buch verfasst.
Er schreibt, dass bei der Hydrothermal-Synthese von Quarz im Autoklaven
die Zugabe von Fe-Ionen ins Wasser bei oxidierendem Mileu zu gelben Quarzen führt
(ein Hinweis dazu findet sich auch bei Rykart).
Reduzierende Bedingungen führen - entsprechend dem Einbau von
2-wertigem Fe zu grünen Kristallen, ähnlich Prasiolit.
Bei Bestrahlung mit Gamma-Strahlen würden nun in Abhängigkeit
von der Wachstumsrichtung, wenn, wörtlich übersetzt "alles richtig gemacht wird",
sowohl die gelben als auch die grünen Quarze zu violetten Amethysten.
Dabei werden die Bereiche, die unter dem r-Rhomboeder wychsen, violett,
die Bereiche unter dem z-Rhomboeder oder unter dem Basis-Pinakoid
(senkrecht zur c-Achse, bei natürlichen Quarzen extrem selten) nicht.
Er beschreibt dann, wie Amethyste zu gelben Quarzen gebrannt werden,
und was in Abhängigkeit von der gewählten Temperatur passiert.
Bei relativ niedrigen Brenntemperaturen wird der Quarz reversibel hellgelb, d.h.
Bestrahlung führt wieder zur violetten Farbe, oft mit zusätzlichen
Rauchquarz-Farbzentren, die durch gelindes Erhitzen auf 200 C
wieder entfernt werden können. Bei Amethyst von einigen Fundorten
wird der Amethyst nicht gelb, sondern grün.
violett -400C-> hellgelb -Gammastr.-> violett(+grau) -200C-> violett
violett -400C-> grün -Gammastr.-> violett(+grau) -200C-> violett
Höhere Temperaturen führen zur irreversiblen Orange-Braun-Färbung.
violett - 550C -> gelb/orange/braun -Gammastr.-> gelb/orange/braun
Der Autor gibt an, dass bei diesen Temperaturen das Eisen in Eisenoxid-Partikeln
aggregiert - es wäre dann ein Einschluss, und der "Citrin" ein Eisenkiesel.
Die angegebenen Temperaturen decken sich nur z.T. mit denen,
die sich in Werner Liebers Buch unter Verweis auf ältere Literatur finden.
Allerdings beschreibt Lieber, dass Amethyste bei niedrigen Temperaturen
vor allem ausbleichen, dasselbe geschieht gelegentlich beim Überbrennen.
Bei Nassau findet sich kein Hinweis darauf, was beim Erhitzen auf
bis 200C passiert, wenn dieser milde Brand allerdings benutzt wird,
um Rauchquarzfarbzentren zu zerstören, müssten die Amethyst-Farbzentren
bis etwa 200C stabil sein.
vereinfacht nach Lieber (1994):
violett -200C-> hell -300C-> grau/gelb -500C-> weiss/gelb -570 bis 700C-> gelb/braun
Kurt Nassau hat dann noch einige Experimente an brasilianischen Amethysten
durchgeführt, bei denen es geringe Farb- oder Farbintensitätsunterschiede
zwischen Bereichen unter der r- und der z-Fläche gab.
Wenn man diese auf 400C erhitzt, dann verfärben sich lediglich
die Bereiche unter den z-Flächen gelb, das Resultat ist ein Kunst-Ametrin
mit den typischen alterierend gelben und violetten Sektoren im Querschnitt.
Gamma-Bestrahlung hat die violette Farbe unter den z-Flächen
dann wiederhergestellt.
Ebenso lassen sich Kunst-Ametrine herstellen, wenn man die Amethyste soweit
erhitzt (450C), dass beide Flächen gelb werden, dann sind anscheinend
die Bereiche unter den z-Flächen irreversibel gelb, während Bereiche unter r
bei Bestrahlung wieder violett werden. Stärkeres Erhitzen führt,
wie gesagt, zu irreversibler gelb/orange/braun-Färbung.
Wenn man jetzt auf den Citrin zurückkommt, kann man folgendes zusammenfassen:
- Es gibt wenigstens synthetischen Quarz, der aufgrund Eisengehaltes gelb ist,
bei dem Eisen jedoch möglicherweise nicht als eingeschlossene Verbindung
(z.B. Limonit) vorliegt, sondern im Kristallgitter eingebaut ist.
Solche natürlichen Quarze wären dann kein Eisenkiesel. Jedenfalls
sind Ametrine wohl keine Amekiesel.
- Solche Quarze sollten sich bei Bestrahlung gelegentlich wenigstens
partiell violett färben.
- Wenn sich (eisenhaltiger) gelber Quarz durch Gamma-Bestrahlung
nicht violett färbt, liegt das Eisen in Verbindungen (wahrscheinlich Oxide)
in Form von Einschlüssen vor, das wäre dann Eisenkiesel.
- Wenigstens einige alpine Citrine entfärben sich bei Erhitzen bereits bei 200C,
andere erst bei 450C. Die Ursache der Gelbfärbung ist bei diesen nach dem vorher
gesagten sehr wahrscheinlich kein Eisen.
- Manche Citrine untescheiden sich in ihrem Aufbau von typischen Amethysten.
So hat der in Rykart vorgestellte brasilianische Citrin (Farbtafel

eine sehr grosse s-Fläche.
So etwas gibt es bei Amethysten meines Wissens nicht (hier warte ich noch auf Widerspruch)
Es wäre sehr interessant, ob der Synthese-Amethyst polysynthetisch verzwillingt ist.
Dazu stand leider nichts im Nassau-Artikel.
Ich habe vom Peterson-Mountain (a.k.a. Hallelujah Junction) einen transparenten,
gleichmässig gelblich gefärbten Quarz "über". Den sollte ich mal bestrahlen lassen
(leicht gesagt).
Es ist natürlich unwahrscheinlich, dass das Teil lila wird, denn es hat ja
eigentlich schon lange genug im Granit gelegen. Danach sollte der Stein mal
kontrolliert erhitzt werden (Feuerzeug wäre etwas unpräzise).
Wird er gelber, ist es wahrscheinlich Eisen, wird er bleich, eher Aluminium.
Es sei denn, es handelt sich um einen Eisenkiesel,
dann tut sich weder beim Bestrahlen noch beim Erhitzen was.
Vom Peterson Mountain kommen übrigens auch Kristalle, die sowohl Amethyst- als auch
Rauchquarz-Zonen zeigen, teilweise auch mit zusätzlichen gelben Bereichen.
Fehlt noch die Lektüre des Schmetzer-Artikels. Das wird aber dauern.
Amir