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Rauchquarz - Fadenquarz vs Gwindel
Josef 84,55:
Hallo Klaus,
schöne Erklärungen, ich möchte aber noch etwas anmerken um ein Missverständnis auszuschließen.
Die Entstehung des Fadens und des umwachsenden Kristalls sind keine zeitlich getrennten Vorgänge. Ich denke der Normalfall ist, dass sich in der Wachstumsphase zwei "Fadenquarze" schon mit ihrem typischen Habitus von den gegenüberliegenden Kluftwänden treffen und bei weiterer Öffnung der Kluft an der schwächsten Stelle reisen. Diese kleine Lücke verheilt und bildet durch die Fluideinschlüsse ein weiteres Stückchen des Fadens.
Es gibt zwar auch Stücke bei denen nur der dünne Faden vorhanden ist, diese kann ich mir allerdings nur durch gleichzeitiges Wachstums eine anderen Phase z.B. Calcit erklären, der später weggelöst wurde.
Ähnlich ist es bei den Gwindeln. Es gibt wahrscheinlich bei der Entstehung der meisten Gwindel einen Zeitpunkt bei dem keine "offenen" Bereiche vorhanden waren. Man darf es sich aber absolut nicht so vorstellen, dass sich immer zuerst ein stängeliges geschlossenes Gwindel bildete aus dem sich dann im Anschluss ein offenes bildete. Auch diese Prozesse kann man nicht Zeitlich trennen warum ich untern anderem auch die Bezeichnung jung oder alt bei Gwindeln für irreführend halte. Ein geschlossenes Gwindel hatte die selbe Zeit um sich so auszubilden wie jeder auch andere Quarz in der Kluft. Warum es am Ende der Wachstumsphase noch den geschlossenen Habitus zeigt, hängt denke ich von anderen Faktoren ab, z.B. wie "dicht" und wie "groß" hat sich der zentrale Bereich entwickelt, was sich auf die Verzerrung und Drehung auswirkt, oder wie stark wurde das Gwindel durch andere benachbarte Quarze behindert... Aber zurück zum zeitlichen Ablauf, ich denke man kann davon ausgehen, dass ein offenes Gwindel den aller größten Teil der Wachstumsphase auch schon "offen" ausgebildet war, es gibt auch Gwindel mit Phantom die diese Hypothese belegen.
Viele Grüße,
Josef
Klaus Schäfer:
Hallo Josef,
Danke für deine konstruktive Kritik.
Im Bezug auf Fadenquarze ist die derzeit favorisierte Theorie (Rykart, 1989, Ott Verlag Thun, "Quarzmonographie" Seite 224 ff.) die von mir kurz angedeutete. (Ein Kristallkorn zerreist, bei der Öffnung der Kluft bildet sich der Faden, dann wächst der Quarz gemäß der Orientierung des Fadens an dem Faden als Keim weiter). Anders lässt sich ein weißer (weil einschlußreicher), dezidierter Faden in einem ansonsten einschlussfreien Quarz nicht erklären. Auch hilft hier die Betrachtung von Stufen, die nicht einen, sondern eine Vielzahl von Fadenquarze zeigen, insbesondere, wenn diese von einer Kluftwand zur gegenüberliegenden Kluftwand konsequent die gleiche kristallographische Orientierung beibehalten.
Zur Bildung von Gwindln lässt sich folgendes sagen: Gwindl sind Einkristalle (keine Aggregate). Sie beginnen ihr Wachstum durch einen Fehler in der Nähe der makroskopisch zu beobachtenden Drehachse (die senkrecht auf die c-Achse steht) als winziger Kristall, der sich zu einem geschlossenen Gwindl weiterentwickelt, da dieser Baufehler mitgeschleppt wird. Solange die Anzahl zusätzlicher Baufehler beim weiteren Wachstum gering bleibt, bleibt die Formvariante "geschlossenes Gwindl" mehr oder weniger erhalten. Nehmen die Baufehler überhand (was allzu oft passiert), können sich an ihnen "Subindividuen" artikulieren, die makroskopisch dann zu offenen / halboffenen Gwindln führen. Geschlossene Gwindl, die über eine Größe von 20 mm hinausgehen, sind auch aus diesem Grund echte Raritäten.
Gruß von Klaus
Josef 84,55:
Hallo Klaus,
zum schließen der Lücke bei der Fadenquarzbildung ist ein gleichzeitiges Quarzwachstum notwendig und dieses Wachstum findet nicht nur an der Bruchstelle statt. Näher an der Kluftwand wächst der Kristall gleichzeitig Wachstum gemäß den nach Richtung verschiedenen Geschwindigkeiten ungestört ohne viele Einschüsse. An schnellsten wächst er entlang der c-Achse und am langsamsten senkrecht zum Prisma. Entsprechend entsteht ein sich zur Bruchstelle verjüngendes Gebilde, welches im dickeren Bereich schon den typischen Fadenquarz-Habitus mit der eingeschossenen Fadenzone zeigt. Im Schweizer Strahler Heft 3 August 1991 ist ein sehr guter Artikel von Mullis mit einer schönen Zeichnung auf Seite 144 die dies schön zeigt. Wenn die Öffnungsbewegung der Kluft zu schnell für das schließen der Lücke war, endete der Prozess der Fadenbildung und im Anschluss bildeten sich zusätzliche einschlussarme Bereiche um den Faden. Wie lange sich der Fadenbildungsprozess hielt, hängt von der Öffungs-Geschwindigkeit der Kluft, der allgemeinen Wachstums-Geschwindigkeit und der Orientierung des Quarzkorns aus dem der Fadenquarz entstand ab. Diese Orientierung beeinflusst auch die Wachstums-Geschwindigkeit an der Lücke. Fäden entlang der C-Achse sollten, durch ihr schnelleres Wachstum in dieser Richtung, die Lücke schneller schließen als bei Fäden deren Orientierung senkrecht zu einer Prismenfläche ist. Diese Art der geometrischen Auswahl sollte sich in der Häufigkeitsverteilung der Orientierungen zeigen. Wenn aber die Orientierung entlang der C-Achse ist, bildete sich durch die langsame Wachstumsgeschwindigkeit der Prismenflächen ein insgesamt ein so dünnes Gebilde, dass es sehr wahrscheinlich der mechanischen Belastung nicht Stand hielt und gleichzeitig zwei Bruchflächen bildete, also ein größeres Stück heraus brach.
Zu den Gwindeln, Einkristall ist hier ein relativer Begriff. Aus Sicht einer Spitze eines offenen Gwindels zur benachbarten Spitze gesehen sind es zwei Kristalle mit einer Korngrenze zwischen ihnen. Diese Grenzfläche unterscheidet sich meiner Meinung nach nicht von jeder zwischen zwei beliebig orientierten Quarzkristallen.
Ob man dies nun Aggregat, Gebilde oder was auch immer nenn, ist eigentlich egal, so lange es nicht zu Missverständnissen kommt. Die Nomenklatur ist hier ja das reinste Minenfeld aus vorbelasteten Begriffen. >:D
Viele Grüße, Josef
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