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Autor Thema: Neugier, 0 Ahnung und aus Verzweiflung hier hilfesuchend gelandet. Was ist das?  (Gelesen 3794 mal)

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Offline Heureka

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Hallo liebe Mineralienkundige,
wegen einem Zufallsfund vorgestern auf der Halde Haniel (Bottrop) hat mich jetzt die Neugier gepackt.
Ich habe jetzt 2 Tage lang jede Menge gelesen und versucht, zu recherchieren, was das ist. Leider habe ich von dem Thema absolut keine Ahnung und bin kaum schlauer geworden. Zumal ich festgestellt habe, dass die Bestimmung von Gestein und Mineralien schwieriger ist, als die Identifizierung von Käfer- und Insektenlarven, worin ich mittlerweile ganz gut bin... Mir raucht der Kopf von Chalkopyrit, Dolomit, Siderit, Citrin, Baryt und für mich als absolute Anfängerin, könnte es alles sein... Daher liegt nichts näher, als Fachleute um Hilfe zu bitten.

Insgesamt sind es 3 Steine gleicher Art. Ich beschränke mich bei der Beschreibung auf den ganz links im Bild. Dieser ist 980 Gramm schwer, verdrängt 275 ml Wasser. Er ist ca. 13 x 5 x 5 cm groß.
Er ist durchzogen von orangefarbenen Adern, die kristallisieren. An einer Ecke hat sich ein etwas größerer durchsichtiger Quarz/Kristall gebildet (ca. 10 x 5 x 5 mm)
Der Stein ist nicht magnetisch.
Strichfarbe macht er so gut wie gar nicht, mit der Kristallseite nur ganz leicht orange erkennbar.
Fühlt sich für mich kompakt an, ein bisschen wie schwerer Schiefer. Mit der Härte kann ich es nicht so gut beurteilen. Wenn ich mit einem Stahlnagel an den Flächen kratze, die eher rötlich braun sind, passiert meist nichts und nur manchmal kommt darunter dann die orange Farbe durch. Wobei aber an der grauen "schiefrigen Seite" auch sehr dünne Plättchen abgefallen sind.

Ich hoffe, das man mit den nicht wirklich guten Fotos etwas anfangen kann. Sie sind heute bei Sonnenlicht entstanden...

Vielen Dank und es würde mich freuen, wenn jemand Zeit und Lust hätte, sich vielleicht kurz damit zu befassen :-).

Viele Grüße sendet
Christiane




Offline ruebezahl

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Glück auf Christiane,

ohne Garantie natürlich, Fundort und Bilder sprechen für mich für karbonischen Kohlenkalk mit hydrothermalen Kluftabscheidungen von Calcit (und Dolomit, Baryt?), das sind die hellen Adern mit den Kristallen. Verdünnte Salzsäure weist bei Schäumen Calcit, Dolomit nach.

Sollten die Brocken Glas ritzen können, kommt (als Gestein, nicht die Mineraladern) eher karbonischer Kalksandstein in Frage.

Die verschiedenen Gesteine des Ruhrkarbon (und das liegt hier vor) lassen sich vom Bild her nur schwer bestimmen.

MfG
ruebezahl
« Letzte Änderung: 13 Feb 22, 00:20 von ruebezahl »

Offline loparit

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Für mich sieht es nach einem typischen Toneisenstein aus dem Karbon aus mit Sideritkristallen. Soweit man ds zumindest auf dem Foto erkennen kann.

Gruß loparit

Offline michaelh

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Für mich sieht es nach einem typischen Toneisenstein aus dem Karbon aus mit Sideritkristallen. Soweit man ds zumindest auf dem Foto erkennen kann.

Gruß loparit

Da gehe ich mit

Grüße Michael

Offline heli

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Schließ mich da Rübezahl an. Siderit kommt dort nicht vor.

Offline harzgeist

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Visuell halte ich das für (eisenhaltigen) Dolomit oder Ankerit. Letzterer setzt mehr Eisen- als Magnesiumatome im Kristallgitter voraus, was nur sehr selten der Fall ist und durch eine Analyse belegt werden müsste.
Siderit (auch wenn nicht am FO aufgeführt) würde ich dennoch nicht völlig ausschließen.
Einen Krümel im Reagensglas mit ein wenig 10-15%iger Salzsäure bringt Aufschluss:
Calcit:  sofortige heftige Gasentwicklung
Dolomit/Ankerit:   nur hin und wieder ein paar Bläschen
Siderit:  bei Zimmertemperatur keine Reaktion, aber beim Erwärmen (Reagensglas im Wasserbad) setzt Gasentwicklung ein

Offline Heureka

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Guten Tag,

zunächst freue ich mich über die Resonanz und daher schon einmal vielen Dank an ruebezahl, loparit, michaelh, heli und harzgeist!

Um hier überhaupt etwas einigermaßen hilfreiches beitragen zu können, muss ich mich wohl mehr mit der Materie befassen. Was aber durchaus interessant ist und ich habe schon etwas über den Ruhrcarbon gelernt :-). Dann habe ich einen Teil der von euch genannten Gesteinsarten erstmal grob nachgeschlagen.

Rein optisch kommt Kohlenkalk wohl hin, aber es gibt auch Toneisensteine, die ähnlich aussehen. Da hatte ich mich jetzt gefragt, ob wenn Eisen drin ist, das nicht für Magnetismus sprechen sollte? Er ist aber nicht magnetisch.
Auch denke ich, dass der Stein nicht homogen ist. Er hat sowohl einen dunkelgrauen äußeren Teil, der aussieht wie Kohlenkalk. Der andere größere und rotbraune Teil, ist von der Oberfläche her anders. Eher wie Toneisenstein. Ich habe ein Foto gefunden "Aufgeschlagene Toneisen-Geode", gefunden in meiner Nähe, Bergehalde Emil-Mayrisch. Das sieht meinem Stein bisher am ähnlichsten und ich weiß nicht, ob ich das hier verlinken darf. Ist aber sogar mit dieser Seite verknüpft: Lizenz: Nur zur Mineralienatlas-Projekt-Verwendung Copyright: Herr Kirchhoff

Den Ritzversuch an Glas habe ich gemacht und er ritz nicht.
Verdünnte Salzsäure und Reagenzien habe ich nicht zur Hand. Aber ich will`s wissen und eine Freundin, die Apothekerin ist, kann vielleicht helfen. Ich werde es versuchen.

Wenn ich heute Abend mehr Zeit haben sollte, versuche ich noch ein paar bessere Fotos zu machen.

Ich werfe mal laienhaft Toneisen-Geode in den Raum und warte ab, ob ich da auf dem Holzweg bin.

Als ich auf der Halde Haniel war, geriet ich in einen regelrechten Sammelwahn, weil da so vieles, für mich Schöne, rumlag. Ich hab so viel ich konnte nach Hause geschleppt. Da hätte ich demnächst wohl auch noch eine Frage zu einem anderen Stein. Aber zunächst möchte ich an diesem Stein hier dranbleiben :-).

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag!

Viele Grüße
Christiane




Offline ruebezahl

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Glück auf,

dann tendiere ich ebenfalls zu Toneisenstein. Indifferenz gegenüber einem (schwachen?) Magneten spricht nicht dagegen

Calcit, Dolomit, Siderit, vom Bild her alles möglich. Ein Salzsäure-Test, wie Harzgeist vorschlug, bringt hier weiter. Evtl. sind auch verschiedene Carbonate anwesend.

MfG
ruebezahl

Offline vandendrieschen

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Schließ mich da Rübezahl an. Siderit kommt dort nicht vor.
Aha...
https://www.mineralienatlas.de/?l=27528
Deutschland/Nordrhein-Westfalen/Düsseldorf, Bezirk/Oberhausen/Zeche Franz Haniel
Neugier, 0 Ahnung und aus Verzweiflung hier hilfesuchend gelandet. Was ist das?

Offline oliverOliver

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    • naja ....
Zitat
. Das sieht meinem Stein bisher am ähnlichsten und ich weiß nicht, ob ich das hier verlinken darf. Ist aber sogar mit dieser Seite verknüpft: Lizenz: Nur zur Mineralienatlas-Projekt-Verwendung Copyright: Herr Kirchhoff

Hallo Christiane,
natürlich darfst du Fotos aus dem Lexikon hierher verlinken  :)

Zitat
Als ich auf der Halde Haniel war, geriet ich in einen regelrechten Sammelwahn,

das kommt hier vermutlich so manchem bekannt vor (incl. mir)  ;D

lg
oliver

Offline Heureka

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'N Abend und Glück auf,

lieben Dank an alle Helfer hier in diesem schönen Forum!

Wie angekündigt, habe ich jetzt versucht, noch einmal ein besseres Foto zum direkten Vergleich mit der hier gesehenen "Aufgeschlagene Toneisen-Geode" hinzubekommen und bin gespannt, ob es sowas sein könnte.

Dann interessiert und fasziniert mich besonders noch dieser kleine glänzende Quarz. Wobei ich gar nicht weiß, ob diese Bezeichnung richtig ist. Das max. 1 cm Teil ist jedenfalls sauschwer zu fotografieren und ich habe mit einem speziellen Fernglas, so ner Art Stereo-Nah-Bino-Lupe, was ich sonst zur Insektenbeobachtung nutze, geschaut. Dabei sieht man, dass es komplett klar und durchsichtig ist. Die orangenen Kristalle liegen nur auf oder unter dem "Quarz". Mir ist es leider nicht möglich, dass auf einem Foto sichtbar zu machen.
Jedenfalls frage ich mich, warum und aus was dieses Teil gewachsen sein soll...
Wenn die orangenen Kristalle Calcit, Dolomit, Siderit oder sonstwas sein sollten, ist der "Quarz" dann wahrscheinlich aus dem gleichen Stoff entstanden?

Ich hoffe, ich nerve noch nicht und sende erstmal die Fotos, bevor mir noch mehr solcher Fragen einfallen ;-)

Hier das Vergleichsbild:

Deutschland/Nordrhein-Westfalen/Köln, Bezirk/Düren, Kreis/Aldenhoven/Emil-Mayrisch Bergehalde
Neugier, 0 Ahnung und aus Verzweiflung hier hilfesuchend gelandet. Was ist das?


Ich wünsche einen schönen Abend
Christiane


Offline ruebezahl

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Glück auf Christiane,

könnte tatsächlich Quarz sein. Wenn der Kristall ca. 1 cm groß ist, wäre evtl. ein Ritzhärte-Test unter Vergrößerung mit einer feinen Nadel machbar.

Bezüglich Toneisenstein möchte ich mein erstes Post noch korrigieren. Trifft die Ansprache zu, sind die Carbonat-Adern nicht hydrothermalen, sondern diagenetischen Ursprungs.

Diagenese bezeichnet in der Geologie einen Verfestigungs- und Entwässerungsvorgang in hAblagerungsmassen (Sedimenten), aus welchen auch das Ruhrkarbon  besteht.

Das bedeutet, dass bei zunehmender Sedimentmächtigkeit ( ungeheure Verwitterungsablagerungen im absinkenden Vorland des varistischen Gebirges zur Karbonzeit) in Kilometertiefen (Druck) durch Verfestigung der Sedimente separiertes mineralstoffreiches Porenwasser Bereiche mit Volumenschwund und niedrigerer Temperatur mineralisiert hat.

Die hauptsächlich gelösten Stoffe hängen von der Zusammensetzung der Sedimente ab, Quarz zusammen mit Carbonaten (Calcit, Dolomit/Ankerit, Siderit) sind im Ruhrkarbon durchaus zu erwarten.

MfG
ruebezahl

« Letzte Änderung: 13 Feb 22, 23:52 von ruebezahl »

Offline Heureka

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Glück auf und guten Abend,

vielen Dank und auch besonders noch für den letzten Post an ruebezahl.

Das ist alles sehr interessant und lehrreich. Es freut mich, dass ich so etwas dazulerne.

Die Salzsäure ist besorgt, sodass ich den von Harzgeist vorgeschlagenen und gut erklärten Test hinbekommen sollte. Spannend, weil ich so etwas noch nie gemacht habe und ich werde berichten. Wenn ich mich dann morgen oder die Tage daran versuchen werde, mache ich den Test direkt auch mit einem anderen Fundstück vom gleichen Ort und Tag, welches ebenfalls orangene Kristalle hat. Vielleicht in die gleiche Kategorie bei den Kristallen gehören könnte. Daher macht es vielleicht Sinn, das hier zusammenzufassen.

Die größte Überwindung wird wahrscheinlich das Ablösen der Kristalle sein, weil ich da eigentlich nichts zerstören möchte ;-).

Genauso verhielt es sich jetzt mit dem Vorschlag, mit einer spitzen Nadel in den größeren Kristall zu stechen. Sowas von murkelig, weil eine Lupe nicht ausreichte. Aber es ging dann einigermaßen mit dem Nah-Bino hinzubekommen. Die Nadel drang jedenfalls nicht ein. Wobei ich sagen muss, dass ich so sehr feste auch gar nicht stechen konnte. Mit dem Kratzen war noch schwieriger und wahrscheinlich zu zaghaft, weil ich Angst hatte, dass der vielleicht rausbrechen könnte... Kratzspuren konnte ich jedenfalls hinterher nicht ausmachen. Würde uns das jetzt etwas verraten?

Der zweite Stein mit ebenfalls orange/gelblichen Kristallen (auch Halde Haniel Bottrop), ist vielleicht für die Fachleute hier leichter zu bestimmen und ich lade noch ein paar Bilder dazu hoch.
Soweit ich recherchiert habe, könnte es bei den Kristallen wieder in die selbe Richtung gehen (Dolomit/Ankerit/Calcit/Siderit+vielleicht Chalkopyrit?) Oder liege ich da ganz falsch?
Hier kommt ein erneut laienhafter Beschreibungsversuch:
Außen sieht ist dieser Stein unscheinbar hellgrau aus, aber wenn man genau schaut, sieht man silbrig glänzenden Glimmerflitter.
Er hat eine eher körnige Struktur.
Die Fläche mit den wohl ehemals eingeschlossenen Kristallen ist ca. 6 x 8 cm groß. Er läuft hinten spitz zu und ist 15,5 cm lang. Die einzelnen Kristalle sind 3 bis max. 5 mm groß.
Er ritz Glas, aber gleichzeitig hab ich mit dem Fingernagel ein Stück abgebrochen bekommen.
Er wiegt 766 gr. und verdrängt 220 ml Wasser.
Ich hoffe, man kann damit etwas anfangen...

Vielen Dank schon einmal und es würde mich freuen, wenn ich auch zu diesem Stein ein Feedback bekommen könnte.

Beste Grüße sendet
Christiane







 

Offline harzgeist

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Hallo Christiane

Es freut mich, dass du mit so viel Elan daran gehst, heraus zu finden, was du gefunden hast. Für die Härtebestimmung musst du allerdings mit der Nadel (sie sollte aus Stahl sein - normale Nähnadel z.B.) KRATZEN und nicht stechen. Bei den  von dir gefundenen Mineralen sollte ein Kratzer machbar sein (im Calcit leichter als im Siderit, aber um da einen Unterschied zu merken, braucht man Erfahrung. Das kommt noch).
Chalkopyrit sieht METALLISCH golden aus und ist -nicht nur- für Anfänger leicht mit Pyrit (und Gold) zu verwechseln. Hier hilft der Nadeltest:
Pyrit wird von der Nadel nicht geritzt
Chalkopyrit wird geritzt, wobei 'Abrieb/Pulver' entsteht
Gold wird auch geritzt, aber ohne Abrieb, sondern mit einer Wulst (etwa so wie wenn man eine Vertiefung in Butter drückt)

Thomas

Offline ruebezahl

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Glück auf Christiane,

zu Stein 2a: wenn er Glas ritzt, dann sind wohl Quarzkoerner die Ursache, wir hätten hier also einen Quarz führenden Sandstein vorliegen.

Zu den Steinen 2b-c verweise ich auf Harzgeist, füge nur noch an, dass die Bilder bezüglich der orangen Kristalle schon sehr für Dolomit (eisenhaltig)/Ankerit sprechen.

MfG
ruebezahl

 

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[erledigte Bestimmungen / completed determinations] Re: Koslenz ??? / FO nicht zuordenbar von Bruno80090 07 Feb 26, 18:29