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Was ist ein Ametrin?

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Chris18:
hier noch ne seite dazu

http://minerals.gps.caltech.edu/AMETRINE/Index.htm

aca:
Hallo,

dazu vielleicht noch folgendes:

Amethyst und Ametrin sind in ihrer inneren Struktur sehr ähnlich:
(man müsste jetzt eigentlich einen Kilometer ausholen, aber ich lasse es,
nur so 50 Meter vieleicht...)
Quarze "drehen", salopp ausgedrückt, wenn die innere Struktur
im gesamten Kristall einheitlich ist (ein sog. Einkristall),
in bestimmter Richtung durchfallendes Licht entweder
nach links oder nach rechts.
Das ist keine besondere Eigenschafte der Quarze, sondern findet sich
- wenn ich da richtig liege - bei allen nicht-kubischen Kristallen/Substanzen
mehr oder weniger stark ausgeprägt.
Quarz besteht aus SiO4-Tetraedern, die entlang
der Längsachse des Kristalls spiralartig miteinander vernetzt sind,
und die Spriralen können links oder rechts umlaufend sein.
Natürliche Kristalle haben - äusserlich oft nicht sichtbar -
im Inneren meist verschiedene aneinander grenzende Bereiche,
die entweder links- oder rechts drehend/spiralig sind,
man sagt, der Kristall ist "verzwillingt"
(der Kristall kann übrigens u.U. auch verzwillingt sein, wenn er
z.B. nur aus "rechten Bereichen" besteht, aber es gibt
hier ja ein Lexikon auf der Seite...)

Amethyst ist in dieser Hinsicht sehr speziell. Bei den meisten natürlichen Amethysten
sind die Bereiche unter den 3 sogenannten r-Flächen der Spitzen auf eine bestimmte Art
verzwillingt, und zwar schichten-weise abwechselnd rechts- und links
(geschwollen ausgedrückt: "polysynthetische brasilianer Verzwilligung").
Unter den 3 anderen sogenannten z-Flächen ist diese Art der Verzwilligung nicht zu finden.
Amethyste sind unter den r-Flächen meist stärker gefärbt.

Bei dem Ametrin ist der Unterschied zwischen den r- und z-Bereichen
besonders ausgeprägt, und er ist unter den z-Flächen gelb.

Eine Theorie besagt, dass das Eisen an r-Flächen anders ins Kristallgitter
eingebaut wird als an z-Flächen und dadurch sowohl die spezielle Verzwilligung
bedingt wie auch die Möglichkeit, bei Bestrahlung Fe4+
und violette Farbzentren zu bilden. Es gibt natürlich noch andere Theorien.

Vielleicht ist beim Ametrin der Eisengehalt viel höher als beim Amethyst
(ich weiss die Werte natürlich nicht auswendig), so dass man auch
das Fe3+ als Färbung deutlicher wahrnimmt.

Andere Möglichkeit: die Kristalle wurden natürlich erhitzt.
Eventuell unter der z-Fläche gebildete Fe4+-Farbzentren sind
thermisch nicht so stabil und gehen eher kaputt als die unter den r-Flächen.

Wenn man es geschickt anstellt, kann man so etwas auch
mit Amethysten künstlich nachbilden.
Genaues dazu steht etwas versteckt im Diskussionsforum
unter "Citrin vs. Amethyst".


--- Zitat von: berthold am 23 Aug 05, 13:21 ---Hallo Philip,

...hast Du einen natürlichen unbearbeiteten Kristall? Ich habe nämlich noch keinen gesehen dafür aber geschliffene Klunker mit fast poppigen Farben.


--- Ende Zitat ---

Ich habe einen natürlichen unbearbeiteten Ametrin,
leider noch nicht abgelichtet.
Aber kleiner und schlanker als der unter http://minerals.gps.caltech.edu/AMETRINE/Anahi_1_Large_Crystal.jpg
gezeigte, eher so wie die auf dem unteren Bild unter
http://www.ametrine.com/specimens.htm

Sieht aussen teilweise etwas matt aus, die Flächen sind nicht
sehr scharfkantig ausgeprägt, aber man sieht, wo "oben und unten" ist.
Die sektorielle Färbung ist nicht perfekt, es gibt nur 4 deutliche Sektoren,
da der Kristall nicht allseitig gleich gut ausgebildet ist.
aber ich habe das gute Stück noch nicht zersägt und nachgesehen,
wär ja auch noch schöner.
Die Farbe ist so mittelkräftig.
Natürlich habe ich das Teil nicht selbst gefunden und kann
nicht beschwören, dass es echt ist.

Es gibt anscheinend nicht nur in der Anahi Mine in Bolivien welche,
sondern auch in Brasilien und Indien, wobei "anscheinend" heissen soll,
dass ich mir nicht sicher bin, ob da nicht mit Brennen und Bestrahlen
nachgeholfen wurde.

Wenigstens einige Citrine sind übrigens völlig anders aufgebaut als
Amethyste und Ametrine, sie sind nicht polysynthetisch verzwillingt,
gleichmässiger gefärbt und werden bei Bestrahlung nicht violett,
und beim Brennen weiss.

Und "einfach" ein Kristall mit gelb und violett "gildet nicht":
Ein lila Szepter auf einem gelben Prisma ist eigentlich
kein Ametrin (habe sowas vom Peterson Mountain, Nevada).

Amir

Krizu:

--- Zitat von: aca am 24 Aug 05, 01:57 ---
Quarze "drehen", salopp ausgedrückt, wenn die innere Struktur
im gesamten Kristall einheitlich ist (ein sog. Einkristall),
in bestimmter Richtung durchfallendes Licht entweder
nach links oder nach rechts.
Das ist keine besondere Eigenschafte der Quarze, sondern findet sich
- wenn ich da richtig liege - bei allen nicht-kubischen Kristallen/Substanzen
mehr oder weniger stark ausgeprägt.


--- Ende Zitat ---

Bis auf das Zitat oben volle Zustimmung.
Die Sillenite (Punktgruppe 23) zeigen optische Aktivität und sind kubisch.
Von den 32 Punktgruppen zeigen 15 optische Aktivität. Diese 15 Gruppen sind nicht inversionssymmetrisch, meist zeigen die Systeme Enantiomorphie - es gibt eine links und eine Rechtsform (so wie der trigonale Tieftemperaturquarz mit der Punktgruppe 32)
Die vier Punktgruppen
m
mm2
4quer
4quer 2m
passen nicht in dies einfache Schema.

Ansonsten ein schöner Beitrag über das Facettenwachstum mit den damit verbundenen Einbau von Störstellen!

MfG

Frank

berthold:
Hallo,

hmm, sehr interessant, wieder was dazugelernt.

Ich bin nicht ganz sicher ob Trystin und Ametrin synonym sind (ich will das hier mal nicht synonym machen). Die Ausführungen von amir treffen wohl auf Trystin zu. Die überwiegende Anzahl der (geschliffen angebotenen) Ametrine weisen nur einen Farbübergang Amethyst-Citrin auf, selten auch zwei: Amethyst-Citrin-Amethyst oder umgekehrt. Beispiel: http://www.bayer-gems.com/32a.html. Da frage ich mich schon, wie man so einen Stein (aus einem Trystin) herausscheiden kann, damit die Farbbänder kantenparallel laufen.

Manchmal ist der Farbübergang auch extrem scharfkantig Beispiel: http://hoer-edelsteine.de/shop/p417.html

Die Umstände, die zu solchen Quarz-Farben führen sind -wie amir schreibt- schon recht komplex, ich folgere daraus auch selten. Und deswegen - und auch weil ich sicher weiß dass Ametrine künstlich hergestellt werden - denke ich (nach wie vor) dass die große Mehrzahl dieser Schmucksteine auf dem Markt nicht naturbelassen (oder syntetisch) sind. Wie anders wären die Mengen (einer mineralogischen Rarität) im Handel zu erklären?

Gruß

Berthold

Moni:
Hallo Bertold,

Ametryn (also mit y geschriebn) ist eindeutig ein Pflanzenschutzmittel. Gehört zur Gruppe der Herbizide und zur Untergruppe Thiotriazine, d.h. es bestitzt Schwefel in der Verbindung.
Heißt chem. in der Summenformel wie folgt: N-Ethyl-N`-(1-methylethyl)-6-(Methylthio)-1,3,5-Triazin-2,4-Diamin.

So daraus kannst Du Dir nun die Strukturformel basteln. ;)

---- Aber ich wußte es ja -- das wolltest Du eigentlich nicht wissen, gelle? ;D

Lieben gruß Moni

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