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"Wilde Eier" als Leitgeröll (ehem. Rhyolith? aus Nordwest-Sachsen)

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ruebezahl:
Glück auf,

Mir erscheint visuell das Stück fast ganz von makrokristallinem Quarz dominiert.

Wollte ich nur als Eindruck beisteuern. Für einschlägige Pflanzenfossilien und spezielle Rhyolithgefüge fehlt mir die Expertise.

MfG ruebezahl

felsenmammut:
Glück Auf!

Sehr wahrscheinlich handelt es sich um ein Gestein, wie es im Anstehenden bei Meißen gefunden werden kann:     

https://www.mineralienatlas.de/?l=35808

Derartige Gesteine sind für das Einzugsgebiet der Elbe (Urelbe +/- eiszeitliche Lokalgeschiebe) recht einzigartig und erlauben nach derzeitigem Kenntnisstand die Einstufung als Leitgeröll. Da derartige Gesteine nicht zu extrem selten Elbe abwärts von den bekannten Vorkommen bei Meißen zu finden sind, nimmt man an, dass die Verbreitung der Anstehenden größer ist oder zumindest es einst war. Man muss da aber vorsichtig sein, weil es in Sachsen noch andere potentiell in Frage kommende Vorkommen gibt. Wobei mir bisher kein echter Doppelgänger bekannt geworden ist.

Diese Evusivgesteine bestehen mineralogisch hauptsächlich aus Quarz, (Alkali-)Feldspat und einem variierenden Glasanteil. Die Zuordnung zum Rhyolith ist daher durchaus angebracht. Bei hohem Glasanteil geht die Zuordnung in Richtung Pechstein. Die mir bekannten Stücke zeigen im frischen Bruch aber immer einen matten oder gar keinen Glanz, was auf eine weitestgehende Rekristallisation der ursprünglichen Glasmatrix hin zu einem Gemenge aus Quarz und (Alkali-)Feldspat hindeutet, und sie damit Rhyolithe darstellen. Bei einer belastbaren Erklärung zu den kugeligen Gebilden wird es im Falle von den Vorkommen bei Meißen schnell dünn. Die kugeligen Gebilde zeigen keine typische Sphärolithtextur, vielmehr deutet sich ein lagiges Fließgefüge an, das gleichermaßen durch die kugeligen Gebilde wie die Matrix geht. Gelegentlich gibt es Hohlräume mit Quarzkristallen. Schon lange werden diese Gesteine als verkieseltes Holz oder etwas vager als Hornstein bezeichnet, was aber anhand der Zusammensetzung und der Gefügemerkmale nicht haltbar ist.

Es wäre für den Mineralienatlas-Fossilienatlas ein wertvoller Eintrag auf der entsprechenden Fundstelle (wenn möglich nicht nur Mulde / Nordwestssachsen). Ein Hinweis auf die vermutliche Herkunft aus dem Raum Meißen mit Referenz zu dem anstehenden Gesteinen bei Korbitz kann bei der Bildbeschriftung eingefügt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

edit Mod.: Link durch die (eindeutige) verkürzte MA-URL ersetzt

Mineralroli:

--- Zitat ---Ich bin mal so frech und nehme folgende Beispiele
--- Ende Zitat ---
Bei genauer Betrachtung ist es nicht abwegig, da knicke ich sogar ein, obwohl die Beispiele weit auseinanderliegen.
Man kann auch mal falsch liegen. Sind schöne Achate  ;D
Gruß Roland

ruebezahl:
Glück auf,

Feldspat istfür mich auf dem Foto nicht erkennbar.

Solche Quarzdominanz sollte nicht durch Kristallisation einer rhyolithischen Schmelze zustande kommen, sondern erst durch nachträgliche Anreicherung im Effusivverband.

Dünnschliffbilder x Nicols könnten eine Charakterisierung des Quarz ermöglichen, ohne bleiben es nur Vermutungen. Visuell verborgener Feldspat wäre dann auch sichtbar.

MfG ruebezahl




jlies:
Glückauf Max!

Danke für deine Einschätzung und die wertvollen Hintergrundinformationen!

Die optische Ähnlichkeit zu den Stücken aus Korbitz ist schon frappierend, auch wenn sie sich farblich etwas anders darstellen. Könntest du die anderen, potentiell in Frage kommenden Vorkommen in Sachsen auch noch nennen? Oder sind die Stücke von dort vom Habitus her noch weiter entfernt (also keine echten Doppelgänger)?

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