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Autor Thema: Sägen & Flachschleifmachinen auf dem Gebrauchtmarkt: ein Erfahrungsbericht  (Gelesen 2324 mal)

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Offline isbjoern

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Liebe Sammlerkollegen,

über das letzte Jahr hinweg habe ich mich (letztlich erfolgreich) darum bemüht, mich mit Mineraliensäge und Flachschleifmaschine zum Schleifen und Polieren auszustatten. Beim Schleifen wollte ich mich ganz bewusst auf die Verwendung von „gebundenem Korn“ konzentrieren, also z. B. mit magnetischen Diamant-Schleiftellern oder den z. T. recht günstig erhältlichen Diamant-Schleifpads.

Weil das für mich nur ein Nebenaspekt des Hobbys ist, habe ich mich zu Gebrauchtgeräten hin orientiert und den Markt über ca. ein Jahr hinweg beobachtet. Die Ergebnisse (sicherlich etwas subjektiv) möchte hier kurz zusammenfassen. Sie basieren v. a. auf der Beobachtung der gängigen Kleinanzeigenportale. Natürlich macht es auch immer Sinn, auf Sammlervereine o. ä. zuzugehen, in meinem Fall hat das aber nicht zum Erfolg geführt.

Ich hoffe, dass das für den einen oder anderen Sammler hilfreich ist, der sich auch für die Anschaffung solcher Maschinen interessiert, aber nicht in Neugeräte investieren kann oder will.


Sägen
  • Vor allem kleine Trimmsägen für max. 250 mm Blätter (u. a. Homberg & Brusius) tauchen auf dem Gebrauchtmarkt immer wieder mal auf. Wenn sie gut gepflegt sind, sind die Maschinen auch nach vielen Jahren z. T. noch in einem guten Zustand und man kann Maschinen dieser Kategorie durchaus für ca. 300 € ergattern. Von einem „Blindkauf“ würde ich dennoch abraten. U. a. sollte man unbedingt darauf achten, dass das Blatt gut „in der Spur“ läuft. Ich habe (ohne vorherige Prüfung) eine (markenlose?) Säge dieser Kategorie erstanden, bei der das Blatt etwas geflattert hat (was ich zunächst dem Blatt zugeschrieben hatte). Um das wieder in Ordnung zu bringen, musste man dann den Flansch nacharbeiten lassen, was doch recht aufwändig war. Die Klemmen der mir bekannten kleinen Sägen finde ich überwiegend nicht so toll, scheinbar führen die meisten Nutzer die Stücke auch von Hand.
  • Größere Sägen scheinen deutlich seltener zu sein und werden auch deutlich teurer gehandelt. Hier muss man auf jeden Fall Geduld mitbringen und bei einer entsprechenden Gelegenheit zuschlagen. Für mich habe ich eine Säge von Otto Eigner für 350 mm-Blätter ergattern können, die mir sehr gut gefällt. Eine noch (viel) größere Säge in gutem Zustand habe ich nur einmal gesehen.

Flachschleifmaschinen
  • „Markengeräte“ für Sammler scheinen nur sehr selten auf dem Gebrauchtmarkt aufzutauchen und wenn dann nur zu hohen Preisen. Scheinbar sind Eigenbauten viel verbreiteter in der Sammlercommunity (siehe unten). Anders sieht es bei Vibrationsschleifmaschinen aus, die häufiger auftauchen und z. T. auch sehr günstig zu bekommen sind (für die habe ich mich aber aus den o. g. Gründen nicht interessiert).
  • Eigenbau-Maschinen von/für Mineraliensammler tauchen durchaus sporadisch im Gebrauchtmarkt auf, hier lohnt es sich, die Augen offen zu halten und etwas Geduld zu haben. Ich konnte so ein Schätzchen (mit Drehstromanschluss) für unter 100 € aus einem Nachlass erstehen und habe erst nach dem sehr umfangreichen Reinigen und einer kleinen Instandhsetzung herausgefunden, was für eine tolle Maschine das eigentlich ist: komplett aus Edelstahl „für die Ewigkeit“ gebaut, mit schwerem Gussteller und einem Wechselsystem mit Holzplatten.
  • Töpferscheiben: eigentlich ein anderes Thema, aber offensichtlich lassen sich elektrische Töpferscheiben für unsere Zwecke zweckentfremden (was ich ursprünglich nicht auf dem Schirm hatte!). Bewährt scheinen z. B. die HSL Profi-Modelle zu sein, die Finger lassen sollte man von den sehr billigen Geräten chinesischer Herkunft und auf jeden Fall auf einen ausreichend kräftigen Motor und eine geeignete Konstruktion (Auffangschale mit Ablauf) achten. Vorteilhaft ist, dass die Maschinen in der Regel eine Drehzahlregelung und eine Bat-System mit Wechseltellern mitbringen. Hier kann man sich dann Teller mit Magnetfolie, Klett oder einem Poliermaterial belegen, ganz wie man es braucht.
    Scheinbar sind gute Töpferscheiben recht gesucht sind und werden relativ hoch gehandelt. Trotzdem macht es sicher Sinn, auch hier die Augen offenzuhalten (wenn man nicht mit losem Korn auf Gussscheiben arbeiten möchte, dann passt das weniger). Man kann ab und zu auch leistungsfähige Eigenkonstruktionen finden.
  • Labor-Planschleifmaschinen: Diese Maschinen von Herstellern wie Struers, Jean Wirtz, Buehler (Tellergröße 200, 250 oder 300 mm) hatte ich vorher nicht auf dem Schirm. Neu sind bzw. waren sie nicht gerade billig, das gilt auch für Ersatzteile. Auch professionelle Verwerter verlangen selbst für Exemplare aus den 90ern gerne noch 1000-2000 € und die sind bei weitem nicht immer in einem guten Zustand. Auf dem privaten Gebrauchtmarkt tauchen allerdings gar nicht so selten Maschinen für sehr viel weniger Geld auf (z. T. 200-300 €) und manchmal sind die auch in einem guten Zustand. Die meisten Maschinen haben entweder zwei Drehzahlen (z. B. 150/300 rpm) oder eine stufenlose Drehzahlregelung und einen Wasserzu- und -ablauf.
    Beim Test einer solchen Maschine würde ich empfehlen, nicht nur den Lauf des Schleiftellers sondern möglichst auch den Zu- und Ablauf zu testen. Der Ablauf scheint sich über die Jahre gerne zuzusetzen, weil er im Gegensatz zu den meisten Sammler-Maschinen im eigentlichen Gerät flach verläuft.
    Die Wechselteller der Hersteller sind extrem teurer, man kann einen Teller am besten mit einer Magnetfolie versehen (falls nicht schon vorhanden) und dann mit magnetischen Schleifscheiben bzw. Stahlblechen mit Klett (für Klett-Diamantpads) oder Polierfilz o. ä. als Wechselmedien arbeiten.


Soweit meine Erkenntnisse aus der „Beschaffung“!


Viele Grüße

- Björn

Offline grauerstar

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  • Wulfenit - Los Lamentos
    • Mistermineral.com
Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Test und die vielen Tipps!

Offline Anrheiner

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  • Beiträge: 426
Ich habe mir eine Flachschleifmaschine selbst gebaut.
Motor: 250W Gleichstrom, 7,50 Euro
Getriebe: selbst gedruckt mit dem 3D-Drucker.
Trafo: 260W LED-Trafo, gebraucht, 50,-- Euro
Lochwinkel: 10,-- Euro
2 Endkappen 220mm und 250mm, 17,-- Euro (aus Polen)
Kabel und Stecker aus der Gruschkiste
Drehzahl: ca 400 U/min
Geeignet für Schleifpads und Diamantbestückte Schleifscheiben D= 200mm zum Nassschleifen.
Diamantscheiben D=200 kosten ca. 11 - 15 Euro (aus China)

Im Betrieb hat sich herausgestellt, daß der Motor sehr heiß wird. Das hat auswirkungen auf die PETG-Zahnräder.
Ich muß wohl noch einen Lüfter anbauen.
Bisher habe ich einige Anschliffe von Fossilien gemacht, das hat sehr gut geklappt.


« Letzte Änderung: 18 Aug 23, 12:54 von Anrheiner »