Hallo,
es ist aber auch schwierig, jemanden mit einem maximalen Budget von 500 € immer an Firmen wie Zeiss oder Leica zu verweisen.
Auch gibt es einen Unterschied ob jemand 8 - 10 Stunden am Tag auf der Arbeit an einem solchen Gerät sitzt oder 2 - 3 Stunden in der Woche bei sich Zuhause.
Die verwendete Zielvergrößerung spielt sicherlich auch eine Rolle. Löten bei 20x, Mineralien bei max. 40x oder sogar Vergrößerungen von 80 - 100x +.
Das Thema Stereomikroskope finde ich nicht ganz so trivial. Verschiedene Modelle haben Vor- und Nachteile.
Stereomikroskope vom Typ Greenough bilden nur in der Mitte scharf ab, die Schärfentiefe ist aber aufgrund höherer Auflösung manchmal sehr begrenzt.
Es ist auch ein Unterschied ob ich eine 30x Vergrößerung mit 15x Okularen bei 2x Zoomstellung erreiche oder mit 10x Okularen bei 3x Zoomstellung.
Stärkere Okulare heben vorhandene Bildfehler noch deutlicher hervor, außerdem ist das Sehfeld bei diesen kleiner. Vergrößernde Vorsatzlinsen reduzieren dagegen den Arbeitsabstand.
Apochromatisch korrigierte Optiken sind toll, gehen aber ebenfalls auf Kosten der Schärfentiefe und kosten wirklich viel Geld.
Die 3 dimensionale Abbildung scheint aber doch gerade bei Mineralien sehr wichtig zu sein.Eine zu hohe Auflösung macht nicht immer Sinn, bei hohen Vergrößerungen schon.
Aber gerade wir hier schauen uns ja in der Regel keine flachen Geldscheine oder Briefmarken unter dem Mikroskop an.
Zeiss hat mit dem
Stemi 305 (40x) für rund 1000 € ein Einstiegsgerät auf den Markt gebracht. (
Bild)
Für eine apochromatisch korrigierte Version wie das
Stemi 508 (50x) muss man mindestens das doppelte bezahlen.
Leica bietet mit den Stereomikroskopen
A60 (30x) und
S9 (55x) zwei Geräte mit FusionOptics Technologie (
Link) für mehr Schärfentiefe an.
Ob das gut funktioniert weiß ich nicht, manche Anwender sollen laut Internet teilweise Probleme mit diesem System haben.
Nikon bietet ein
SMZ-745 Bino (50x) für 1600 € (inkl. Okulare) und ein Trino für 2400 € an.
Hier in dem Video mal ein Gerätebeispiel mit LED Ringlicht mit Polfiltervorsatz. (
Link)
Olympus hat das
SZ51 Bino (40x) für 1300 € (inkl. Okulare), das
SZ61 Bino (45x) für 1900 € (inkl. Okulare) und das
SZ61 Trino für 2600 € im Programm. (
Link)
Hier in dem Video mal eine Gerätebeispiel mit einer Industriekamera am Trinoanschluss. (
Link)
Die Firma
Hund aus Wetzlar bietet das
Wiloskop (45x) für etwa 1500 € an. (
Bild)
Wie man an den Preisen diverser Geräte sieht, kann man generell auch sehr viel Geld für Stereomikroskope ausgeben die nicht aus dem Hause Zeiss oder Leica sind.In den Preisklassen darunter gibt es Geräte von
Motic, zum Beispiel das
SMZ-171 (50x) für rund 1000 € (
Bild).
Oder
Euromex Nexius (45x - 55x), je nach Ausführung zwischen 650 und 1000 € (
Bild)
Bei den meisten oben aufgelisteten Geräten handelt es sich nur um die Stereoköpfe, dazu kommt dann noch, sofern noch nicht vorhanden, die Wahl eines passenden Stativs, Stereokopfhalters und ganz wichtig Beleuchtung. (Schwanenhals, Ringlicht usw.)
Außerdem handelt es sich bei allen Geräten um Stereomikroskope die nach dem Greenoughprinzip aufgebaut sind. Für galiläische Baukastensysteme nach Ernst Abbe muss man nochmal deutlich tiefer in die Tasche greifen.
Hier seien nur die günstigeren Modelle (
Nikon SMZ 800) und (
Olympus SZX 7) genannt.
Den Satz "You get what you pay for" hat sicherlich jeder schonmal gehört und das gilt auch für Stereomikroskope.
Einige Modelle auf dem Markt sehen sich zum verwechseln ähnlich, man kann davon ausgehen, dass derselbe oder ein ähnlicher Korpus benutzt wird.
Die Güte des verarbeiteten Glases bleibt aber den Firmen überlassen und hier trennt sich dann neben der Mechanik auch entgültig die Spreu vom Weizen was sich auch im Preis widerspiegelt.
Vergleicht mal den Stereokopf von
Optika für 960 € mit dem von
Olympus Sz61 Trino für 2600 €. (
Bild)
Wie lange halten heutige Mikroskope aus diesen Preissegmenten wohl durch? Nikon und Olympus verbauen leider auch bei 2600 € Mikroskopen in einem recht soliden Metallgerüst Kunststoffzahnräder die wohl schonmal bei Wärme platzen.
Alte Mikroskope sind dahingehend noch sehr solide mit einem Metallkorpus ausgestattet. An Neugeräten aus Metall fallen mir da im Moment nur
Meiji z.B.
EMZ-5 (45x) (
Bild) und Geräte der deutschen Firma
Askania Rathenow ein. (
GSZ 2 +
GSZ 2T,
SMT und
SMC)
Achja die
Euromex ZE Serie bietet noch einen Meiji Nachbau für 3299 €. (
Link).
Wenn es kein Nachbau ist, wird das Gerät vielleicht von Meiji gebaut und von Euromex gegen Gebühr gelabelt.
Um endlich auf den Punkt zu kommen, der Markt ist nicht klein und wird eigentlich nur durch das eigene zur Verfügung stehende Budget begrenzt. Zu dem was man investieren kann kommt noch das was man überhaupt investieren will, welche Ansprüche man hat, wieviele Stunden man da so am Gerät sitzt, ob hohe Vergrößerungen benötigt werden, Langlebigkeit der Technik usw.
Grundsätzlich fände ich hier ein paar Reviews von verwendeten Stereomikroskopen für Mineralien bis 40x schon interessant.
Gruß
René