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Wir brauchen eine Mineraliensammler-Gewerkschaft!

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rudi_strolz:
Hallo zusammen,

angeregt durch die Diskussion zum Steinbruch Wirtenbach melde ich mich heute hier erstmals zu Wort. Wie die meisten, die sich in diesem Forum tummeln, sammle ich bereits seit einigen Jahren, wobei mir der Spaß daran in letzter Zeit allerdings immer mehr getrübt wird. Grund ist nicht abflauendes Interesse an der Materie sondern viel mehr die immer geringer werdenden Möglichkeiten, diesem Hobby halbwegs gepflegt nachzugehen, da die Fundstellen zum erfolgreichen Sammeln immer geringer werden. Verärgert bin ich dabei keineswegs über Steinbrüche oder Bergwerke, die aus konjunkturellen Gründen oder aufgrund erschöpfter Vorräte schließen müssen. Da kann man nun wirklich nichts machen. Auch das Versagen einer Sammelerlaubnis durch den Steinbruchbesitzer kann ich zumindest grummelnd akzeptieren. Ich stehe allerdings fassungslos vor dem Wegfall von Fundstellen aus teilweise haarsträubenden Gründen. Einige Beispiele:

Die Halde der Grube Virneberg bei Rheinbreitbach war viele Jahre eine der besten deutschen Fundstellen für ged. Kupfer, Pseudomalachit, Cuprit etc. bis irgendwer auf die grandiose Idee kam, die Halde und in den nahe gelegenen Tagebau einzuzäunen und dort Rotwild spazieren gehen zu lassen. Seltsamerweise folgt der Zaun genau dem Haldenrand, keinen Meter vor und keinen zurück. In unmittelbarer Umgebung befindet sich ein alter Stollen, der vor einigen Jahren ausgeräumt und untersucht wurde. Eine Hinweistafel weist u.a. darauf hin, dass dort "eine ganze Menge blauer und grüner Steine weggeräumt werden mussten". Außerdem sind einige Wissenschaftler aufgeführt, die an der Erforschung beteiligt waren. Mineralogen wagen dummerweise offensichtlich nicht dabei.
Das Quarzriff bei Badenweiler, das u.a. in LAPIS beschrieben wurde und zur damaligen Zeit Mimetesite in für deutsche Verhältnisse feinster Qualität hervorbrachte, wurde kurzerhand zum Naturdenkmal erklärt. Warum ausgerechnet dieser 2 m hohe Felsen, von dem es im dortigen Wald einige gibt, nun besonders schützenswert sein soll, weiß der Geier. Sammeln ist jedenfalls verboten, und der Herr Förster nimmt das sehr genau.
Auf einem Teil der Halde der Grube Leibnitz-Dante bei Rösrath wurden in diesem Jahr hübsche kleine Bäumchen gepflanzt. Offensichtlich soll das Areal über kurz oder lang wieder völlig begrünt werden. Die feinen Azurit-, Olivenit- etc. Funde werden damit bald Vergangenheit sein.

Wie gesagt, ich ärgere mich nicht über Steinbrüche und Gruben, die geschlossen werden müssen, obwohl man sich auch hierbei manchmal fragt, ob den entscheidenden Personen die Tragweite eines Wegfalls von z.B. Altenmittlau als Deutschlands bester Azurit-Fundstelle wirklich bewusst ist bzw. bewusst gemacht wurde. Es geht mir lediglich um Fälle der o.g. Art. Denn was macht ein Mineraliensammler zumeist in solchen Fällen? Genau! Nichts! Er ist betrübt, dass mal wieder eine Fundstelle versiegt ist und zieht seine Straße. Was würde hingegen ein Tierschützer machen, wenn er davon Wind bekäme, dass auf einem Gelände, in dem kleine Löcher im Boden auf das Vorhandensein von Hamsterbauten (ohne je einen Hamster gesehen zu haben) hindeuten, eine Fabrik errichtet werden soll? Genau! Er würde sich sofort an den BUND wenden, eine Demo organisieren, die Presse informieren und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Baubeginn zumindest um einige Monate herauszögern. Ähnlich wäre es bei seltenen Pflanzenarten oder auch Naturdenkmälern. Denn all das steht nunmal unter Schutz, was Mineralien dummerweise nicht tun. Nichtsdestotrotz fragt man sich, warum es keine Organisation gibt, die den Verlust eines Fundortes und damit von teilweise für Deutschland einmaligen Mineralien nicht zumindest anprangert? Warum herrscht hierbei nur bedauerndes Schweigen? Selbstverständlich könnte man nun anführen, dass es doch den VfMG gibt, die Interessenvertretung der Mineraliensammler schlechthin. Aber habe nur ich als lediglich zahlendes Mitglied dieses Vereins das Gefühl, oder ist da in dieser Richtung noch nie etwas geschehen?

Nun ist die im Betreff genannte Forderung nach einer Mineraliensammler-Gewerkschaft, die sich um unser ureigenstes Interesse, nämlich das Sammeln an sich, kümmert, sicherlich ein wenig humorvoll gemeint. Den Kern der Sache trifft es aber irgendwie schon. Mir ist bewusst, dass meine Ausführungen sicherlich vor allem dazu dienen, meinen Frust mal endlich von der Seele geschrieben zu haben, über Reaktionen und eigene Erfahrungen in Bezug auf die o.g. oder ähnliche Fälle würde ich mich allerdings freuen.

Glück auf! Carsten
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der Sauerländer:
Hallo Carsten

Irgendwo hier gibt es ein Thema über seltsame Hinweisschilder.
Da findest Du mein Foto von der Verbotstafel im Wildgatter Virnebach.

füttern und sammeln verboten :D ::)

dein Ärger wird dir/uns aber nicht weiterhelfen. Hättest Du ne eigene Halde mit guten Funden, was dann?
"Steine für Alle?", oder was?

Glück Auf

rudi_strolz:
Hallo Sauerländer,

Steine für alle? Warum nicht? DAS WÄRE MAL WAS  ;)

Carsten

geomueller:
Hallo rudi-strolz,

in Deutschland ist es eigentlich kein Problem geologisch/mineralogisch oder bergbauhistorische Objekte schützen zu lassen. Die zahlreichen Naturdenkmähler, Geotope, bergbauhistorische Anlagen usw. bezeugen das. Wenn du, ein Verein oder sonstige Institution so was bei den entsprechenden Behörden beantragst wird es nach entsprechender Prüfung geschützt wenn es gerechtfertigt ist oder eben nicht wenn es sich nicht lohnt.

Dein Ansinnen ist ein ganz anderes, du willst für dich Sammelmöglichkeiten erhalten, weiter nichts ::) ;D. Wer will z. B. einen Eigentümer verwehren sein privates Grundstück zu schützen, in dem er einen Zaun drum zieht. Wenn man den Zustand mancher Fundstellen über mehrere Jahre verfolgt kann man dies durchaus verstehen. Genauso gibt es aber auch Gegenbeispiele wo Privateigentümer von Fundstellen gegen Bezahlung auf ihrem Grundstück buddeln lassen, ob das erstrebenswert ist glaub ich auch nicht.

Gruß Jürgen ;)

Harjo:
Ich bemerke das in Deutschland eifrig gearbeitet wird an das erhalten von "Geotopen" und "Bergbaumonumenten".

Ich mochte dazu etwas ponieren:

Eine Halde ist nicht aus naturlichem Weg als solches entstanden.
Wenn man eine Halde nicht mehr beruhrt wird es wieder was es vor die Bergbauaktivitat war: Natur (etwas modifiziert ;))
Also wenn man eine Halde prezervieren will muss man aktivitaten entwikkeln auf die Halde, sonst ware es blodsin das als solches zu erhalten.

Dies gilt auch fur alte Steinbruche, wenn nichts mehr passiert kann nach einige Jahren das Schild mit nahme des alten Steinbruches und die damahls vorkommenden Mineralien nach aufwendiges graben und mahen vielleicht noch zuruck finden.

Ich glaube das ein zu erhalten wurdiger Geotop einer ist die von die Natur erschaffen ist, denn sonst konnte ja auch arbeiten im Garten oder Bauarbeiten in die Grossstadt als Geotop erhalten werden.....

Gruss

Harjo

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