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Was ist das für eine Gesteinsschicht/für ein Gestein ?
Timo72:
Hallo ihr Lithophilen :)
vielleicht habt ihr diesen Beitrag von mir schon im Gastbereich gesehen. Da es mit dem Verlinken oder Hochladen der Bilder nicht geklappt hat, habe ich entschieden mich zu registrieren und es nochmals zu versuchen.
Die letzten Tage habe ich beschlossen tätig zu werden, und herauszufinden um welches Gestein es sich nachfolgend handelt. Meine Hoffnung war, daß ich im Netz ein "Steine-Forum" finde und man mir dort helfen kann. Wie ihr seht hat das geklappt :D
Gerne liefere ich einige Hintergrundinfos damit ihr verstehen könnt warum ich mich an euch wende, versuche mich aber andererseits auf das Nötigste zu beschränken. Vermutlich ist die Bestimmung an sich für euch sogar recht leicht, weil es sich meines Erachtens nach um kein "besonderes" Gestein handelt.
Ich habe Weinbau im Nebenerwerb. Es ist mehr ein Hobby, aber trotzdem 2000 - 3000 Flaschen im Jahr. Eine Weinbergsparzelle macht mir Schwierigkeiten - und das schon seit über 35 Jahren. Ich möchte gerne herausfinden warum die Reben dort nicht g´scheit wachsen. Obwohl von dieser Parzelle noch keine Bodenanalyse (für eine Düngeempfehlung) vorliegt (von einer Parzelle 100m entfernt könnte ich das hochladen falls es hilft), vermute ich sehr, daß es am Untergrund und evtl. dem nicht vorhandenen Wasserspeichervermögen liegt. Dazu darf ich euch gleich das "Geröll" präsentieren welches sich unter dem Oberboden befindet.
Der exakte Fundort ist hier (Baden-Württemberg, LKR Ludwigsburg, Bottwartal): https://maps.app.goo.gl/AxfZgDxp21ewFQSm8
Es gibt ein "nettes" Bild auf den Weinberg selbst, auf welchem man gut erkennen kann, wie sich eine Schichtung quer durch die Parzellen zieht. Vom Nachbarwengert (rechts) über meinen Wengert. Das ist das angehängte Bild 1
Der Komplette Berg wurd 1983 Flurbereinigt (war vorher alles in kleine Schrannen mit Mauern unterteilt). Meine Parzelle wurde vor 10 Jahren neu bepflanzt und dazu der Boden mit einem Bagger rigolt (umgebaggert, gelockert). Aber die Reben kommen nicht aus dem Klee. Der ganze untere Teil der Parzelle ist extrem schwachwüchsig, während der obere Teil der Parzelle voll im Saft steht. Interessanterweise ist die Nachbarparzelle rechts davon ebenfalls von dieser Schichtung betroffen. Allerdings stehen die Reben dort schon seit der Umlegung 1983.
Die Parzelle links von mir wurde erst vor 2 Jahren neu angelegt - da bleibt noch zu sehen ob sich das ähnlich entwickelt...
Ich weiß nicht ob man 1983 Material von irgendwoher angefahren hat um aufzufüllen, ob da früher ein Weg lief oder ob das früher eben auch schon so war.
Für euch also evtl. wichtig: Der Boden muss nicht "original" sein.
Auf alle Fälle ist er untypisch für den gesamten Berg und findet sich nur in diesem unteren Bereich. Der Rest ist alles Mergel (rot, blau und bunt).
Das seht ihr auf dem angehängten Bild2.
Hier die "Auffindesituation".
Zu sehen in Bild 3
Nach einem halben Spaten tief stößt man auf "Gestein". Es liegt wie eine Art Schotter im Boden und mit Gewalt am Spaten kann man es auch zerkleinern. Ein Umgraben wie in Gartenerde ist aber vollkommen unmöglich. Auf dem Bild sieht es so aus als wäre da nur dieses eine Nest - das liegt daran daß der Oberboden das darunterliegende Geröll zugedeckt hat.
Im nassen Zusatnd ist die Farbe Anthrazit, und trocken hellgrau oder mittelgrau. Einerseits scheint das Zeug recht hart zu sein, aber wenn man den richtigen Punkt erwischt bricht es mit geringer Kraft in Schuppen und scharfkantige Stücke auseinander. Mit Säure zeigt es keine Reaktion. Beim Befeuchten kann man zugucken wie das Gestein abtrocknet. Das Wasser zieht also in das Material ein. Natürlich nicht wie bei einem Schwamm, aber wenn ich den Stein mit der Zunge abschlecke dauert es keine Minute und er ist wieder trocken.
Das Corpus Delicti zu sehen auf Bild 4
Vielleicht ist diese "Struktur" noch hilfreich ?
Zu sehen auf Bild 5
Gerne schicke ich weitere Bilder des Grölls und beantworte mit Freude jegliche Frage die euch weiterhilft.
Ein Nachtrag noch: Jeder hier in der Gegend der meint er wisse etwas über die Bodenschichtungen im Zusammenhang mit Weinbau sagt "Bei uns hier ist alles Keuper (oder Gipskeuper".
Was ich sehe ist: Hier ist alles rot und mit mehr oder weniger starken Mergelschichten (ich interpretiere das zumindest als Mergel - siehe Bild oben) durchsetzt. Ich habe mal gelesen, daß der Keuper (weil er die unterste/älteste Formation darstellt ?!) meistens am Hangfuß zu Tage tritt.
So, und jetzt hoffe ich daß das mit dem Hochladen klappt.
Zunächst vielen Dank für eure Mühe !
Grüße aus dem Ländle sendet
TIMO
Timo72:
Hier liefere ich noch Bild 5 nach:
Geomaxx:
Hi Timo,
ist offensichtlich ein nicht so ganz einfaches Thema, deshalb etwas magere Resonanz, aber hier mal mein Erklärungsversuch:
Ich denke, dass die unterschiedliche Wuchsstärke in Deinem Wingert ttsächlich mit den im Untergrund vorhandenen Gesteinsschichten zusammenhängen.
Wie Du in der Geologischen Karte von Bden-Württemberg im Maßstb 1:50.000 erkennen kannst, liegt Dein Wingert im Bereich des "Gipskeupers" (Grabfeld-Formation, Kürzel: KmGr), in dem eine bunte Wechselfolge aus Tonsteinen, Mergelsteinen, aber auch Gips und gipshaltige Sulfatgesteine auftritt.
Der link zum Geodatenviewer:
https://maps.lgrb-bw.de/
Gib unter "Ortssuche" ein: Gronau
unter Themen/Inhalte klickst Du unter dem Ordner "Geologie" den Unterordner "Geologische Karte 1:50.000" an und wählst folgende Auswahltabs aus:
- "GK50: Geologische Einheiten (Flächen)"
- "GK50: Geologische Einheiten (Linien)"
dann erscheint die Geokrte des Gebietes. mit dem Infobutton und der Maus kannst Du die einzelnen Schichten der Region abfragen.
Für den Gipskeuper habe ich Dir den Auszug der Legende hier vorbereitet:
https://media.lgrb-bw.de/link/geo/geo_gle_133.pdf
Über der Grabfeld-Formation folgt die Stuttgart-Formation (Schilfsandstein), eine Wechsellagerung aus Sndstein, Tonstein, Mergelstein uvm, nachstehend link zum Legendenblatt
https://media.lgrb-bw.de/link/geo/geo_gle_132.pdf
Interessant ist meines Erchtens auch der Blick auf die Bodenkarte, sie spiegelt die im tieferen Untergrund anstehenden Gesteine wieder, sie findest Du unter "Themen/Inhalte"--->Bodenkunde--->Bodenkarte 1:50.000
Als Auswahltab wählst Du "BK50: Bodenkundliche Einheiten" aus,
dann erscheint die Bodenkarte für das Gebiet.
Und hier erkennt man quasi sofort die quer durch den Hang verlaufende Grenze von zwei Bodentypen, unten die rosafarbene "k5 Pelosol aus Gipskeuper-Tonfließerde", auf dem offensichtlich Deine Rebsorte gewisse Probleme hat, sich mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen. Vermutlich wegen des hohen Anteils an Gips in den Bodenhorizonten auf den gipshaltigen Ausgangsgesteinen des Gipskeupers (Stein2).
Das Legendenblatt zum Bodentyp k5 mit vielen interessanten Bodeneigenschften findest Du unter:
https://media.lgrb-bw.de/link/bod3200/k5.pdf
Drüber folgt der Bodentyp "k71 Kalkhaltiger Rigosol aus Bodenmaterial über Ton-, Mergel- und Sandstein", auf diesem Bodentyp scheint sich Deine Rebsorte erheblich wohler zu fühlen. Tatsächlich wurden hier wohl großflächige Bodenverbesserungsmaßnahmen wie Zugabe kalkhaltiger Gesteinskörnungen, Zugabe von Lössen zur Strukturverbesserung der meist schweren Böden auf den Ton- und Mergelgesteinen vorgenommen. Ursprünglich lag hier wohl der Bodentyp "k6 Pelosol aus Keuper-Tonfließerde" vor
Das Legendenblatt zum Bodentyp k71 mit vielen interessanten Bodeneigenschften findest Du unter:
https://media.lgrb-bw.de/link/bod3200/k71.pdf
Hoffe, dass Dir die Recherche Spaß macht. Vielleicht gibt es ja Rebsorten, die erheblich besser sulfatverträglich sind und ggf. als Alternative fungieren können?
Grüßle und Glück Auf!
GEOMAXX
Timo72:
Hallo Geomax,
zuerst werde ich mal eine schnelle Vorab-Antwort senden und mich dann in die Infos von Dir eingraben.
Die Geo-Karte habe ich mir vor ein paar tagen schon angeschaut und war überrascht was ich da gesehen habe ! Vorallem nachdem ich die Geo-Karte über die Flurstückkarte (Geoportal-BW) gelegt habe. Der Bodentypwechsel findet tatsächlich nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Theorie (= auf den karten) in dieser Parzelle statt). leider sind die Geo-Daten nur in 1:50.000 zu haben und die Flurstücksgrenzen in Gelb - das ist sehr kontrastarm.
Ich habe beim Suchen auf dem Rechner noch ein Bild aus dem Frühjahr 2014 (gebaggert wurde Jan. oder Feb 2014) gefunden. Hat auch was, oder ?!
Auch fand ich ein Video als der Bagger in diesem Bereich tätig war. Das ist aber nicht ganz klein. Ich guck mal ob ichs für hier passend bekomme.
Ausführliche Antwort folgt. Da sich hier zwei "Disziplinen" begegnen (Boden und Pflanze) wird es vielleicht nicht ganz so einfach den letztendlichen Grund zu finden. Normalerweise haben Reben kein Problem mit Sulfat - aber mit Carbonaten schon. Die Unterlagen auf welche diese Reben gepfropft sind können das normalerweise wegstecken. OK, blabla - jetzt lese ich mich ein, dann melde ich mich wieder.
Grüße sendet
Timo
Hier noch das Bild:
Timo72:
So, ich glaube jetzt bin ich durch und habe Fragen und Anmerkungen.
Grundsätzlich habe ich nicht verstanden welche der beiden Karten (GK50 Geologische Einheiten und BK50 Bodenkundliche Einheiten) mir den für Reben nutzbaren Bodenhorizont anzeigen.
Auch wenn Reben tief wurzeln können, so spielt sich die Hauptsache bis 1 oder maximal 2m Bodentiefe ab.
Kannst Du mir das beantworten ? Ich habe zwar eine Vermutung, aber sie passt nicht zu dem was ich im Wengert erlebe.
Ich habe hier mal die Flurstückskarte jeweils unter GK50 und BK50 gelegt. Der Wengert ist eingezeichnet. Siehe Anhänge.
GK50 zeigt wunderbar die quer durch den Wengert verlaufende Schichtgrenze. Unten Grabfeld Formation und oben Stuttgart Formation.
BK50 zeigt daß der komplette Wengert (nein, sogar der komplette Wengerts-Berg) k71 kalkhaltiger Rigosol ist.
Auffallend ist, daß alle Weinbergslagen im ganzen Bottwartal "rosa mit Wellen" sind und damit irgendein "Rigosol". Wenn ich die dahinterstehenden Infos korrekt verstehe, dann bedeutet das immer daß dort menschengemacht Erde bewegt wurde. Ich vermute sehr stark bei den Rebflurbereinigungen !
Das würde bedeuten daß BK50 für den Rebwurzelhorizont maßgeblich ist. Aber lt. Karte soll der ja bei uns einheitlich "k71 kalkhaltiger Rigosol" sein. Der Boden ist aber definitiv nicht einheitlich, sondern eher so, wie GK50 zeigt.
Oder ist k71 ein so weit gefasster Begriff daß das fast alles sein kein - vielleicht nicht für den Geologen, aber für die rebe über Leben und Tod entscheidet ?
Grüße sendet
Timo
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