Hallo,
von einem Steinkern-Mitglied, das dieses Thema hier gesehen hat, habe ich dazu folgende PM erhalten:
„Hallo Oliver,
Der Ammonit ist so eine typische Form des ausgehenden Mitteljuras, in dem ja auch in DE verstärkt Eisenoolithe auftreten. Für eine zuverlässige Bestimmung bräuchte man bessere Ansichten. Vorbehaltlich diesen könnte man wegen der ausgeprägten Kugelform und der dicken Rippen an Cadoceras sublaeve denken, das passt auch stratigraphisch.
Ich habe wegen der Mehrfarbigkeit des Ooliths und insgesamt der Lithologie den sehr starken Verdacht, dass es sich um Material des Wittekind-Flözes im ehemaligen Bergwerk Porta Westfalica (
https://www.mineralienatlas.de/?l=43018) handeln könnte (Untercallovium, koenigi-Zone). Ganz weit aus dem Fenster gelehnt würde ich es im sog. "Hauptlager", den oberen 2/3 des Flözes, verorten. In dem Eisenoolith des Flözes sind inkohlte und gagatisierte Holzreste häufig, was ich bemerkenswert finde, weil das in den süddeutschen Mitteljura-Oolithen nicht so gängig ist und die Holzstücke dort auch im Durchschnitt nicht so groß sind.
Eine sehr anschauliche Publikation über das Flöz und seine Fossilführung wurde verfasst von MÖNNIG (1991): Das Wittekind-Flöz (Mittlerer Jura) des Wiehengebirges (Nordwestdeutschland)
Volltext frei verfügbar:
https://www.lwl.org/wmfn-download/Geologie_und_Palaeontologie_in_Westfalen/GuP_Heft_19.pdf Mir fallen sonst keine gängigen Eisenoolithvorkommen ein, die so aussehen, weder in DE noch drumherum. Sengenthal bspw., von dem nach Jahrzehnten der Fossiliengrabungen reichlich Material im Umlauf ist, sieht über alle Bänke hinweg anders aus, wie ich mich schon selbst intensiv überzeugen konnte. Auch sind die Ammoniten meist nicht so dick auskristallisiert. Die Mitteljura-Eisenoolithe von Blumberg-Zollhaus und Geislingen an der Steige, die auch lange bergmännisch gefördert wurden und die unter süddeutschen Fossiliensammlern bekannt sind, haben eine flaserartige Verteilung der Oolithe in einer feinkörnigen Mergelkalkmatrix, während die Matrix in Porta deutlich sandig-schluffig ist.
Wenn es sich bei dem Ammoniten tatsächlich um einen C. sublaeve handelt, eher ein Element der borealen Ammonitenfauna und in Süddeutschland m. W. selten, dann spricht das zumindest nicht gegen einen norddeutschen Eisenoolith.
Das Wittekindflöz ist schon recht charakteristisch. Insofern ist auch das im Thread präsentierte Stück mit Ammonit, Holz und "bunt" sehr typisch. Der Ammonit selbst ist nur fragmentarisch erhalten, auch das ist typisch in diesen ausgesprochenen Kondensationshorizonten. Ich persönlich würde weder den Ammoniten noch das Holz weiter präparieren (oder nur durch einen Profi, der es so aussehen lassen kann, als sei nichts präpariert), weil das Handstück eher eine montanhistorische Bedeutung hat als eine paläontologische. Halt ein typisches Stück aus einem heute nicht mehr existierenden, recht bekannten Bergbau. Deswegen schreibe ich letztlich diesen ganzen Sermon: Das Stück ist meines Erachtens nicht so wegwerfwürdig, wie es ein beliebiger anderer Oolith in diesem Zustand wäre. Zumindest, wenn man sich für seine historischen und sedimentologischen Aspekte interessiert.
Während der Abbauzeit wurde nicht auf die reichlich vorkommenden Ammoniten geachtet. Nach der Schließung des Bergwerks wurden die aufgelassenen Halden von Sammlern fleißig durchgearbeitet, aber im Lauf der Zeit renaturiert, abgefahren und recycelt, oder sind einfach zugewachsen, und heute ist die ganze Gegend ein NSG mit strengem Schutzstatus. Die Zugänge zum Bergwerk sind verschüttet oder verplombt. In Altsammlungen findet man immer wieder Porta-Ammoniten, die galten immer als begehrenswert und haben sich daher weit verbreitet.
Das Doberg-Museum in Bünde hat übrigens einige schöne Beispiele von Porta-Ammoniten, auch wenn sein thematischer Schwerpunkt das Oligozän des Dobergs ist.“