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Autor Thema: Vulkanisches Glas - Obsidian?  (Gelesen 712 mal)

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Offline TobiC

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Vulkanisches Glas - Obsidian?
« am: 20 Feb 26, 20:57 »
Guten Abend,

ich benötige bitte mal eure Hilfe.

Habe im Umland von Leipzig ein paar Feldfunde gemacht.
Diese hinterlassen allerdings ein großes Fragezeichen.
Es gibt zwar, durch den Rochlitzer Supervulkan, reichlich vulkanisches Gestein in Sachsen...
Obsidian oder andere vulkanische Glase, sind aber in Deutschland nicht beschrieben.

Was kann es also sein?

Dichte: ca. 2,6
Strichfarbe: klar / weiß
Bruch: muschelig
Farbe: tiefschwarz - glänzend
Einige Stücke haben goldfarbene, andere grünliche Teilflächen.

Vielleicht hat jemand eine Idee,

Ganz lieben Dank.

Offline nwsachse

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Re: Vulkanisches Glas - Obsidian?
« Antwort #1 am: 20 Feb 26, 21:14 »
Hallo,

das dürfte Schlacke sein.

Jörg N.

Offline Reinhold

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  • Reinholdo
Re: Vulkanisches Glas - Obsidian?
« Antwort #2 am: 20 Feb 26, 22:21 »
Hallo Tobias,

als einziges Vorkommen für Obsidian in Deutschland ist der ehemalige Steinbruch Peter oberhalb von Baden - Baden genannt.

Siehe
https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Deutschland/Baden-W%C3%BCrttemberg/Karlsruhe%2C%20Bezirk/Baden-Baden/Steinbruch%20Peter

Also Obsidian kannst du wohl ausschließen.

Gruß
Reinhold

Offline guefz

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Re: Vulkanisches Glas - Obsidian?
« Antwort #3 am: 20 Feb 26, 23:10 »
Sieht mir auch nach Glas bzw. Glasschlacke aus. Gab es alte Glasproduktion in der Gegend? Auch in kleinem Maßstab?

Offline TobiC

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Re: Vulkanisches Glas - Obsidian?
« Antwort #4 am: 21 Feb 26, 09:43 »
Vielen Dank für die Antworten.

Ich weiß, dass in vergangener Zeit, Schlacken als Wegbefestigungen etc. aufgebracht wurden.
Allerdings sind die Mengen auf den Feldern schon extrem.
In der Region, wo ich es gefunden habe, ziehen sich die Funde über eine Fläche von mehreren Hektar.
Also nicht nur am Feldrand.
In dieser Region gab es weder Metall- noch Glasindustrie.
Ob die Schlacken aus den Industriezentren auf die Felder gebracht und dort "entsorgt" wurden, weiß ich nicht.
Die Suche nach Hinweisen ist hier eher schwierig.

Aber wer weiß, was ganz früher hier war...?

Meine Hoffnung als Hobbysucher ist immer, dass die gute alte Eiszeit oder die urzeitlichen Flüsse mal ein Fundstück übrig haben,
welches hier sonst nicht zu finden ist...

Habe schon schöne Achate, Amethyste, Bergkristall etc. gefunden.

Ist schon schwierig, wenn sich Schlacke und vulkanische Glase wie Obsidian so sehr ähneln.
Möchte nicht wissen, wie viele Heilsteinliebhaber an Schlacke lecken, statt an Obsidian... ;-)

Nochmals vielen Dank und ein schönes Wochenende.

Die Suche geht weiter...


Offline Klaus Schäfer

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Re: Vulkanisches Glas - Obsidian?
« Antwort #5 am: 21 Feb 26, 10:33 »
Hallo Tobias,

In unserer Region verbringen die Bauern gerne sogenannte "Thomasschlacke" (Thomasläuterungsverfahren für Stahl) auf den Feldern aus, da sie sehr phosphatreich ist. Die Hüttenbetriebe im Saarland verkauften dieses Nebenprodukt recht erfolgreich, nach dem sie es aus den Werkhallen gekehrt hatten. Im Prinzip sind diese Schlackepartikel aber recht kleinstückig, da sie beim Sauerstoff-Durchblasen der Stahl-Konverter wegspratzen. Dies bedingt eine Vergrößerung der Oberfläche, so daß der Phosphor bei der Verwitterung der Schlacke schneller in den Boden eindringen kann. Ich vermute, dass eine solche Bodenverbesserung durch Schlackepartikel auch in deiner Region ein Ziel der Landwirte gewesen sein könnte.

Wenn ich mit Schülern Achate sammeln gehen, werden diese "Pseudometeoriten" noch vor etwaigen Achatmandeln aufgesammelt. Sie sind schwarz, blasig und haben oft eine farbig irisierende Oberfläche. Das muss ja etwas Ausserirdisches sein. Die enttäuschend trockene Erklärung des Lehrers kann da mit der Phantasie kaum schritthalten.

Gruß von Klaus

Offline steinfroilein

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Re: Vulkanisches Glas - Obsidian?
« Antwort #6 am: 21 Feb 26, 11:44 »
Als Mitlesende Danke an Klaus für diese aufschlussreiche tolle Erklärung.

Von Thomasschlacke hatte ich noch nie gehört.
Interessant, wie und warum das eingeackert wurde/wird .... und irgendwann mal wieder an die Oberfläche gebracht wird.

Gruß
Ingrid

Offline Bode

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Re: Vulkanisches Glas - Obsidian?
« Antwort #7 am: 21 Feb 26, 17:28 »
Hallo

hier eine kurze Beschreibung und Schema des Thomas-Verfahren. Klaus hat es ja schon in einer super Kurzform erklärt.

Viele Grüße
Georg Bode


Offline Schorsch

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Re: Vulkanisches Glas - Obsidian?
« Antwort #8 am: 21 Feb 26, 20:40 »
 
Hallo,
Thomasschlake wird in Pulverform speziell im Weinbau auf Eisenarmen Böden als Dünger ausgebracht, gelößt ergibt es eine blutrote Brühe.
Das Pulver ist sehr schwer, was sich wohl unschwer erklären lässt. 

LG Schorsch

Offline TobiC

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Re: Vulkanisches Glas - Obsidian?
« Antwort #9 am: 23 Feb 26, 21:00 »
Nochmal ganz lieben Dank für diese ausführliche Beschreibung!!!

Meine Fundstücke sind allerding nicht wirklich klein, erst recht nicht gemahlen
Die großen Schlacken sind bestimmt 15-20 cm und die meisten faustgroß.

Inzwischen habe ich herausgefunden, dass es in der Fundumgebung eine Eisengießerei gab.
Da haben wir den Übeltäter.

Schön, dass es dieses Forum gibt.
Habe mich sehr über eure Antworten gefreut.

...auch wenn es keine besonderen Steine sind.

Wieder was gelernt.

Dankeschon und bis zum nächsten Fund.